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StartseiteInformationen am MittagAngriff am Zentrum für Cyber-Verteidigung vorbei22.06.2015

Hackerangriff auf LOTAngriff am Zentrum für Cyber-Verteidigung vorbei

Stundenlang waren am Sonntag die Bodencomputer der polnischen Fluggesellschaft LOT durch einen Hackerangriff blockiert. Sollten die Urheber, wie nun gemutmaßt wird, aus Russland kommen, wäre das bedenklich. Denn das würde bedeuten, dass das Zentrum für Cyber-Verteidigung der NATO die Attacke weder vorhersehen noch verhindern konnte.

Von Sabine Adler

Ein Verkehrsflugzeug der polnischen Fluggesellschaft Lot steht auf dem Flughafen Berlin Tegel. Im Hintergrund sieht man den Tower und das Flughafengebäude. (AFP / JOHN MACDOUGALL)
Nach einem Hackerangriff standen LOT-Flugzeuge stundenlang am Boden. (AFP / JOHN MACDOUGALL)
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Noch gibt es keinen Beweis für Russlands Mittäterschaft an dem Hackerangriff gestern auf die polnische Fluggesellschaft. Der Sprecher von LOT, Adrian Kubicki, enthält sich jeder öffentlicher Beschuldigung: "Jetzt muss analysiert werden, wer hinter der Attacke steht. Wir sind im Kontakt mit allen verantwortlichen Diensten, denn das ist im Interesse unserer Passageriere und der anderer Linien. Wir geben den Diensten alle Informationen, die wir zu diesem Thema haben."

Polens Kritik an Russlands Haltung in der Ukraine-Krise legt zumindest den Verdacht nahe, dass Moskau Warschau abstrafen oder doch zumindest warnen wollte. Ähnlich wie Estland 2007, als die Regierung in Tallin ein ungeliebtes sowjetisches Kriegsdenkmal aus dem Zentrum der Hauptstadt an den Stadtrand verbannte. Damals legte eine Computer-Attacke für drei Wochen estnische Banken, Ministerien, Telefongesellschaften und Nachrichtenportale lahm, nichts ging mehr in dem IT-begeisterten baltischen Land. Der Hackerangriff war zeitgleich mit Ausschreitungen russischstämmiger Jugendlicher gestartet worden, als die sich mit der Polizei Straßenschlachten lieferten. Damals konnten Attacken aus 178 Ländern registriert werden, der Urheber der orchestrierten Aktion wurde in Moskau vermutet.

Dass mit dem Warschauer Flughafen Frederick Chopin Hacker nun erneut Infrastruktur lahmgelegt haben, dürfte nicht nur in der polnischen Regierung und dem Sicherheitsrat ABW Hektik auslösen.

1.400 Fluggäste saßen stundenlang fest, zunächst ohne jede Information, das Gerücht einer Hackerattacke machte aber bereits die Runde: "Das  ist eine Hackerattacke." - "Es scheint als hätten sie das System lahmgelegt, wie peinlich." - "Es gibt keine Informationen. Um wieviel wir uns nun verspäten zum Beispiel. Es hieß immer nur gecancelt, gecancelt. Erst einzelne Flüge, dann alle." – "Es gab keine Erklärungen. Wie es aussieht, gab es um 5 Uhr morgens eine Attacke, aber nichts wurde mitgeteilt, ob die Flüge gehen oder nicht."

Am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr informierte ein polnisches Nachrichtenportal, die Boden-Computer der Fluggesellschaft LOT seien blockiert. LOT-Flugzeuge in der Luft waren zu keiner Zeit betroffen. Erst fünf Stunden nach dieser Meldung konnte Entwarnung gegeben werden, gegen 21 Uhr starteten die ersten Maschinen. Zehn Flüge in polnische und europäische Städte konnten durch den Hackerangriff erst nach stundenlanger Verspätung starten.

Für die EU und NATO bedeutet der Vorfall, dass das Exzellenz-Zentrum für Cyber-Verteidigung in Tallin die Attacke weder hat vorhersehen noch verhindern können. Das Cyber-Zentrum war 2008 in der estnischen Hauptstadt eröffnet worden - nach den drei Wochen langen Angriffen 2007, vor allem aber nach einer Internetattacke auf die Armee Georgiens während des russisch-georgischen Krieges 2008. 

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