Freitag, 12. August 2022

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Hackerangriff auf Olympia
Russische Geheimdienstler angeklagt

In den USA sind sechs Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes angeklagt worden. Sie sollen an digitalen Angriffen auf die Olympischen Spiele in Pyeongchang und Tokio beteiligt gewesen sein. Die Angeklagten werden allerdings keinesfalls vor Gericht erscheinen.

Von Thielko Grieß | 20.10.2020

Eine Eishockeyspielerin mit dem Trikot der "Olympischen Athleten aus Russland" bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang
Hackerziel Olympia in Pyeongchang: Russische Athleten durften nicht unter russischer Fahne starten. (imago sportfotodienst)
In der Anklage werden sechs Namen von Mitarbeitern des russischen Geheimdienstes GRU genannt. Die Amerikaner schreiben, diese sechs Personen hätten an verschiedenen Cyber-Angriffen mitgewirkt, darunter zur Destabilisierung der Ukraine und Georgiens; sie hätten Einfluss auf Wahlen in Frankreich genommen. Schäden seien auch in den Vereinigten Staaten entstanden.
Michael Christman vom FBI nannte in Washington, D.C. aus seiner Sicht weitere Details: "Diese Cyber-Attacken suchen mit ihrer Art der Zerstörung und der Respektlosigkeit gegenüber öffentlicher Sicherheit und unschuldigen Opfern ihresgleichen. Die Schadsoftware NotPetya war der zerstörerischste Angriff in der Geschichte mit einem Schaden von etwa zehn Milliarden Dollar und mehr als 300 Opfern weltweit."
Russland wolle Destabilisation fortsetzen
Die Hacker hätten außerdem mit der Schadsoftware Olympic Destroyer die Olympischen Winterspiele in Südkorea im Jahr 2018 gestört. Diese Spiele waren in der Sportgeschichte Russlands eine Besonderheit, weil russische Sportler vor dem Hintergrund verbreiteten Dopings nicht unter ihrer Landesfahne antreten durften. Zielen seien Daten südkoreanischer Bürger, aber auch Sportler aus anderen Ländern, IOC-Offizielle und die Eröffnungsfeier selbst gewesen. Russland unternehme keine Anstalten, sich an Regeln zu halten, sondern wolle sein destabilisierendes Verhalten fortsetzen, hieß es in der amerikanischen Hauptstadt.
Feuerwerk erhellt den Nachthimmel über dem Olympiastadion bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang.
Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. (dpa / Peter Kneffel)
Das Vereinigte Königreich beschuldigte nun denselben russischen Geheimdienst, in diesem Jahr auch Cyber-Angriffe auf die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in Tokio unternommen zu haben. Die Sommerspiele wurden letztlich wegen der Corona-Pandemie ins nächste Jahr verlegt. Solange diese Entscheidung noch nicht getroffen worden sei, sei es darum gegangen, Abläufe zu stören, Daten zu erbeuten und Systeme zu blockieren.
"Zügellose Russophobie"
In Moskau widersprach Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow den Anschuldigungen: "Wir beobachten mit Bedauern die Tendenz, Russland und seine Vertreter, seine Geheimdienste für alles und jedes zu beschuldigen. Das scheinen ständig vorkommende Rückfälle zügelloser Russophobie zu sein, die natürlich mit der Realität nichts gemein haben. Russland und russische Geheimdienste haben niemals Hackerattacken unternommen, zumal gegen Olympische Spiele." In den USA wird es nun zu Gerichtsprozessen kommen. Dass die Beschuldigten persönlich vor Gericht erscheinen, ist ausgeschlossen. Russland liefert seine Geheimdienstmitarbeiter nicht aus.