
Zunächst die Fakten: In Schottland und Wales wählen die Bürgerinnen und Bürger neue Regionalparlamente. Im größten Landesteil - in England - stimmmen die Menschen über mehrere tausend Sitze in Bezirksräten und über eine Reihe von Bürgermeisterposten in Metropolregionen ab. Die Wahllokale öffneten in der Früh und schließen am Abend. Erste Ergebnisse dürften in der Nacht bekannt gegeben werden.
Entscheidung zwischen "Fortschritt und Zorn"?
Premierminister Starmer gab seine Stimme im Wahllokal in der Westminster Chapel im Zentrum Londons ab, gemeinsam mit seiner Frau Victoria. Auf Fragen von Reportern ging der Premier nicht ein. Dafür appellierte er auf X noch einmal an die Wählerinnen und Wähler, sich zwischen "Fortschritt und einer Politik des Zorns" zu entscheiden. Damit dürfte Starmer auf die Rechtspopulisten von "Reform UK" mit ihrem Vorsitzenden Nigel Farage angespielt haben.
Starmer als "Ventil der Enttäuschung"?
Noch vor zwei Jahren hatte Labour bei den allgemeinen Parlamentswahlen einen klaren Sieg errungen. Heute sagt etwa Luke Tryl vom Meinungsforschungsinstitut More in Common: "Keir Starmer ist zu einem Ventil für die Enttäuschung und Desillusionierung der Menschen geworden".
Starmers Popularität ist wegen wiederholter Fehltritte seit seinem Amtsantritt im Juli 2024 eingebrochen. Seine Regierung hatte Mühe, für das versprochene Wirtschaftswachstum zu sorgen, den öffentlichen Dienstleistungssektor zu verbessern und die Lebenshaltungskosten zu senken. Die Bemühungen sind auch durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran erschwert worden.
Epstein-Affäre als besondere Belastung
Schwere Folgen für Starmers Ansehen hatte aber vor allem seine Entscheidung, einen Freund des amerikanischen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Peter Mandelson, zum Botschafter in den USA zu ernennen. Zuletzt stimmte das Unterhaus gegen einen Antrag der Opposition, eine parlamentarische Untersuchung auf den Weg zu bringen. Starmer selbst bestreitet, von der Verbindung zwischen Mandelson und Epstein gewusst zu haben. Er sei außerdem nicht darüber informiert worden, dass Mandelson durch eine interne Sicherheitsprüfung gefallen sei.
"The biggest electoral test"
Die nächsten nationalen Parlamentswahlen in Großbritannien sind zwar erst 2029 fällig. Doch ein schlechtes Abschneiden von Labour heute könnte zu einer parteiinternen Revolte gegen Starmer führen, die ihn das Amt kosten könnte. Auch der "Guardian" spricht von "the biggest electoral test" (der größten Prüfung durch die Wähler) für Starmer und seine Regierung seit der Abstimmung von 2024.
Reform UK und Grüne im Aufwind?
Auch den konservativen Tories dürften den Umfragen zufolge Stimmverluste bei den heutigen Abstimmungen drohen. Dagegen machen sich sowohl Reform UK als auch die Grünen Hoffnung auf Zugewinne. Reform UK setzt auf Erfolge in den traditionellen Labour-Hochburgen in Nordengland und in den Randgebieten Londons. Die Green Party könnte laut den Umfragen mit Zugewinnen in Metropolregionen und Universitätsstädten rechnen.
Zuspruch für Unabhängigkeitsparteien
In Schottland und Wales haben die Unabhängigkeitsparteien SNP und Plaid Cymru Aufwind. In Wales muss Labour nicht nur um seine jahrzehntelange Dominanz fürchten. Vielmehr droht die Partei, auf den dritten Platz nach Plaid Cymru und Reform UK zu rutschen. Damit könnten erstmals in der Geschichte des Landes alle drei selbstverwalteten Regionen (Schottland, Wales und Nordirland) von Unabhängigkeitsparteien geführt werden.
Großbritannien - Stimmung in Dagenham und Hackney vor den Kommunalwahlen
Diese Nachricht wurde am 07.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
