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StartseiteWirtschaft am MittagHoffen auf einen Soft-Brexit09.07.2019

Hafen von SeebrüggeHoffen auf einen Soft-Brexit

20.000 Jobs hängen direkt und indirekt am Hafen von Seebrügge in Belgien: Fast die Hälfte davon entfällt auf den Handel mit Großbritannien. Ein harter Brexit würde den Hafen schwer treffen. Erste Vorkehrungen wurden bereits getroffen.

Von Burkhard Birke

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Ankunft des neuen Volvo Sedan im belgischen Haften Zeebrugge am 1. Juli 2017, einer von 123 neuen Volvos, die im Nordwesten Chinas produziert wurden. (imago/Xinhua/Pingfan Ye)
Seebrügge ist ein wichtiger Umschlagshafen für Automobile (imago/Xinhua/Pingfan Ye)
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"Mit drei Millionen Autos pro Jahr sind wir der wichtigste Umschlagshafen für Automobile weltweit; 16 Millionen Tonnen Güter – das sind 46 Prozent unserer Aktivitäten - entfallen auf den Handel mit Großbritannien. Deshalb sind wir im Vergleich zu Rotterdam oder Hamburg sehr stark auf Großbritannien fixiert."

Und deshalb versucht Joachim Koens, Vorstandschef des Hafens von Seebrügge, gute Miene zum bösen Brexit-Spiel zu machen. 20.000 Jobs hängen direkt und indirekt am Hafen von Seebrügge: Fast die Hälfte davon entfällt auf den Handel mit Großbritannien. 

"Wir schätzen, dass es einen Rückgang zwischen 10 und 20 Prozent geben könnte, besonders der Autohandel wäre betroffen: Eine Million der insgesamt drei Millionen hier umgeschlagenen Fahrzeuge entfällt auf Großbritannien. Letztes Jahr sind wegen der Unsicherheit schon zwölf Prozent weniger Neufahrzeuge aus Deutschland und Frankreich in Großbritannien verkauft worden. Mit Importsteuern werden es noch weniger."

Langwierige Zollkontrollen verhindern

Sollte Boris Johnson neuer Premierminister in London werden, so steigt die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits und damit eines Szenarios mit Zöllen.

Wenn parallel dazu das britische Pfund abstürzt, hätte das verheerende Folgen für den Handel. We are "Brexit proof" – wir sind "gewappnet für den Brexit" - der Spruch an der Einfahrt zum Verwaltungsgebäude des Hafens von Seebrügge klingt da vielleicht etwas gewagt, ist aber laut Vorstandschef Joachim Koens keine leere Worthülse:

"Für alle Formalitäten im Hafen haben wir eine Datenplattform eingerichtet, damit wir eine papierlose Abwicklung garantieren und Staus an den Terminals und Grenzen  vermeiden können. Kontroll- und Inspektionsposten sind vorbereitet, zusätzliche Parkplätze wurden eingerichtet, die Abwicklung soll digital erfolgen, um Rückstaus zu vermeiden."

Kilometerlange LKW Staus, langwierige Zollkontrollen hofft man vielleicht nicht vermeiden, so aber doch verringern zu können. Die Datenbank von Seebrügge ist mit denen der Partnerhäfen in Großbritannien vernetzt und jede Seite für sich mit den heimischen Zollstellen.

Vor allem Flandern wäre betroffen

Dennoch werden sich die Passagiere der Linie Hull-Seebrügge und die 142 Kreuzfahrtschiffe, die im Hafen von Brügge anlegen, auf längere Wartezeiten gefasst machen müssen.

Nach der Brexitentscheidung hat Seebrügge auch damit begonnen, das Irland- geschäft direkt mit Dublin und nicht mehr über britische Häfen abzuwickeln. Damit könnten die negativen Auswirkungen eines harten Brexit ohne Zollunion zumindest teilweise abgefedert werden.

Ein Minus von zwei Prozent beim Bruttosozialprodukt prognostizieren Wirtschaftsforscher der belgischen Wirtschaft, vor allem Flandern wäre betroffen. Keine rosigen Aussichten, wobei Joachim Koens auch Chancen sieht:

"Wir könnten Marktanteile gewinnen, da es auf der Route Calais Dover größere Probleme geben wird. Da es zwar der kürzeste Weg, aber die Konzentration an Passagieren und LKWs und Fahrern ist erheblich größer. Wir schicken die Ladungen ohne Fahrer nach Großbritannien und können das deshalb besser abwickeln als dies auf der Strecke Calais Dover möglich ist."  

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