Brandanschläge auf Kältebusse in Berlin
Haftbefehl gegen Tatverdächtigen - Soziologin beklagt Sozialdarwinismus

Nach den Brandanschlägen auf Kältebusse in Berlin ist gegen einen Verdächtigen ein Haftbefehl ausgestellt worden.

    Ein großes Fahrzeug mit der Aufschrift "Kältebus" und einem ausgebrannten Vorderteil.
    Einer der Kältebusse der Berliner Stadtmission brannte aus. (picture alliance / epd-bild / Rolf Zoellner (Zöllner))
    Das meldet die Nachrichtenagentur epd unter Berufung auf einen Polizeisprecher. Wie die Stadtmission mitteilte, war der 43-Jährige kurz nach einer neuen Tat am Neujahrstag ertappt und der Polizei übergeben worden. In den vergangenen Tagen hatte die Polizei bereits Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung aufgenommen.
    Alle drei Kältebusse der Stadtmission sind durch die Brandanschläge fahruntauglich. Eines der Fahrzeuge brannte komplett aus. Die durch Spenden finanzierten Kältebusse in Berlin versorgen im Winter Obdachlose in der Hauptstadt. Sie liefern unter anderem heiße Getränke und Suppen sowie Schlafsäcke zu den Menschen, die auf der Straße leben.

    Soziologin: Gewalt nimmt in Krisenzeiten zu

    Die Soziologin Saskia Gränitz vom Institut für Sozialforschung an der Universität Frankfurt sagte im Deutschlandfunk, die Gewalt gegen Obdachlose sei seit 2018 wieder angestiegen, seit 2022 sogar massiv bei den Todesfällen.
    General nehme solche Gewalt meist in Krisenzeiten wie diesen zu. Individueller Hintergrund sei häufig eine sozialdarwinistische Einstellung der Täter, wonach sich in der Gesellschaft immer der Stärkere durchsetzt. Schwächeren werde dann mit Hass und Verachtung begegnet. Dieser Sozialdarwinismus sei oft Teil eines rechtsextremen Weltbildes. Leider seien die Ermittlungsbehörden nicht immer in der Lage, dies zu erkennen.
    Diese Nachricht wurde am 02.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.