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StartseiteCampus & KarriereFlüchtlinge an der Uni04.09.2015

HamburgFlüchtlinge an der Uni

Sie sind jung, qualifiziert und lernbereit: Viele junge Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, möchten studieren oder ihr im Ausland begonnenes Studium hierzulande beenden. Rund 400 solcher Studierenden erwartet die Uni Hamburg in diesem Jahr. Das Problem: Oft scheitert eine schnelle Studienaufnahme an der Fianzierung.

Von Axel schröder

Studenten verfolgen eine Vorlesung. ( picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Von 400 zusätzlichen Studierenden für alle Hamburger Hochschulen geht auch Uni-Präsident Dieter Lenzen aus ( picture alliance / dpa / Oliver Berg)
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Auf dem Hamburger Uni-Campus in Stellingen stehen Wohncontainer für Flüchtlinge. Und auch auf dem zentralen Campus im Grindelviertel können geflohene Menschen einige Räume für sich nutzen: als Rückzugsraum, um Kaffee zu trinken, zu lesen, sich auszuruhen. Welche Räume dafür das sind, möchte Golnar Sepehrnia vom AStA nicht verraten. Die Menschen sollen dort in Ruhe gelassen werden. Wenn sie aber Hilfe suchen, bekommen sie die nicht nur vom AStA:

"Selbstverständlich werden die Flüchtlinge auch – gerade von Studierenden – informiert darüber, was ihre Rechte hier sind. Wie sie ihre Rechte hier wahrnehmen können. Sie sollen ein möglichst zügiges und positives Asylverfahren haben. Und mit der sogenannten Refugee Law Clinic, wo sich Studentinnen und Studenten aus der Rechtswissenschaft engagieren, gibt es auch sehr qualifizierte Beratung und Hilfe."

Qualifiziert für ein Studium

Und auf dem Uni-Campus in Hamburg-Stellingen kümmert sich eine Gruppe der dort studierenden Informatiker unter anderem um einen Internet-Zugang über ein freies WLAN für die neuen Bewohner.

Neben diesem studentischem Engagement soll die Uni aber noch mehr für die Flüchtlinge leisten. Darin sind sich Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, Golnar Sepehrnia vom AStA und auch der Uni-Präsident Dieter Lenzen einig. Denn fest steht: Viele der geflohenen jungen Menschen sind qualifiziert genug für ein Studium in Deutschland.

"Diese Studierenden hat es immer schon gegeben. Es ist allerdings so, dass wir sagen können, dass seit einem dreiviertel Jahr die Anzahl der Anfragen von geflüchteten Studierenden, von Leuten, die noch im Asylverfahren stehen erheblich angestiegen ist. Und angesichts der Tatsache, dass es ja in Hamburg sehr, sehr viele Flüchtlinge gibt und sehr viele von denen auch ziemlich qualifizierte Leute sind, die schon studiert haben, junge Leute sind häufig, gehen wir im Moment davon aus, dass es nicht schwer wäre, vielleicht 400, vielleicht 600 dieses und nächstes Semester begrüßen zu dürfen."

400 zusätzliche Studierende

Von 400 zusätzlichen Studierenden für alle Hamburger Hochschulen geht auch Uni-Präsident Dieter Lenzen aus. 200 davon, so schätzt er, könnten sich für ein ingenieurwissenschaftliches Studium an der TU in Hamburg-Harburg oder an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften entscheiden.

"Die andere Hälfte für eine Voll-Universität. Insbesondere aber Betriebswirtschaft und vielleicht eine Reihe von anderen Fächern. Das Grundproblem ist natürlich die Sprachkompetenz. Die jungen Leute können Arabisch und teilweise Englisch. Mit anderen Worten: Sie müssen erst die deutsche Sprache lernen, damit sie überhaupt studierfähig sind. Wir gehen davon aus, dass das zwei Jahre dauert.

Wir haben aber noch ein anderes Problem, das darin besteht, dass Flüchtlinge, die ein Studium aufnehmen wollen und etwa BAföG haben möchten, dieses nicht sofort tun können, weil sie dann nämlich ihre Unterstützung verlieren. Das ist juristisch leider so."

Unsichere Finanzierung

Und bisher müssen die Flüchtlinge auch vier Jahre auf BAföG-Gelder warten. Ab dem 1. Januar 2016 gilt dann eine verkürzte Frist von 15 Monaten. In dieser Zeit könnten sie aber schon, so Dieter Lenzen, einen Deutschkurs absolvieren. Zugleich könnten sie als Gasthörer auch Veranstaltungen besuchen und Zertifikate erwerben, die sie später, nach erfolgreicher ordentlicher Immatrikulation gegen die Creditpoints des Bachelor-/Master-Studiums eintauschen könnten, erklärt Dieter Lenzen.

Sollten tatsächlich 400 Bewerber zusammenkommen, rechnet er mit zusätzlichen Kosten von rund einer Million Euro. Aus der Wissenschaftsbehörde heißt es dazu – bei aller Einigkeit über die Ziele: Mit zusätzlichen Mitteln darf die Uni nicht rechnen. In diesem Punkt herrscht also noch Diskussionsbedarf zwischen Behörde und Uni-Leitung.

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