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StartseiteRock et ceteraDie Mörderballade im Loriot-Film01.03.2020

Hamburger Band Cascade LakesDie Mörderballade im Loriot-Film

Kennengelernt haben sie sich bei einem Konzert, den Probenraum teilen sie sich mit Den Sternen: Cascade Lakes spielen Indie-Rock und singen Englisch. Neue Hamburger Schule mit zeitloser Ästhetik und warmem Sound.

Von Anke Behlert

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Schwarz-weiß-Porträt von drei Männern, die vor einer Wand stehen, von rechts fällt Schatten ins Bild. (Zachary Johnson)
Sound ohne ausgeblichenen Retrofilter: die Hamburger Band Cascade Lakes (Zachary Johnson)
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Musik: "Means to an end"

Jan Schewe: "Ich hatte mal eine Musiklehrerin im Gymnasium, die hat auf die Frage, was denn Musik sei, immer gesagt: Musik ist schön. Da war ich natürlich der erste, der meinte: Moment mal, Musik muss nicht immer schön sein. Musik kann auch verheerend sein."

Bei Cascade Lakes ist das aber nicht der Fall. Sänger und Gitarrist Jan Schewe sah sich mit einem, nach eigenen Angaben, einschneidenden Lebensereignis konfrontiert. Um das zu verarbeiten, begann er, Songs zu schreiben. Aus etwas Verheerendem wurde etwas Schönes, nämlich das Debütalbum seiner Band Cascade Lakes.

Musik: "Code Red Lockdown"

Hamburger Szene

Bei einem Schaufensterkonzert im Hamburger Plattenladen Michelle Records hatten Drummer Tobias Noormann und Gitarrist Fabio Papais die Idee, eine Band zu gründen. Das kam Jan Schewe gerade recht. Alle Beteiligten sind nicht neu Musikgeschäft und vor allem in der Hamburger Szene keine Unbekannten: Noormann und Papais spielen unter anderem bei Bürgermeister der Nacht und der Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Schewe hat viele Jahre das kleine aber feine Indielabel Affairs Of The Heart betrieben. Das gemeinsame Musikmachen hatte allerdings einen eher holprigen Anfang.

Schewe: "Wir haben uns getroffen und erstmal aneinander vorbeigespielt. Ich hatte eine Idee, ein Riff mitgebracht und das war nicht ganz einfach. Rhythmisch hätte man das auf vielerlei Art und Weise interpretieren können: Wo ist da denn jetzt die Eins? Das haben wir unterschiedlich interpretiert. Da hat sich viel getan seit der Zeit. Wir verstehen uns mittlerweile musikalisch besser."

Musik: "At the seams"

Auf ihrem Debütalbum, das so heißt wie sie selbst, blicken Cascade Lakes nach Westen, orientieren sich am amerikanischen Indierock der 90er. Klassisches Storytelling, verschlüsselte Metaphorik und analytische Schilderungen werden mit Gitarren, Bass, Schlagzeug und Klavier vertont. Hin und wieder bauen Cascade Lakes auch elektronische Elemente in ihre sonst sehr aufgeräumten Arrangements ein, was den Songs einen leicht krautigen Charakter verleiht. Neu ist das nicht, die Musik hat eine fast schon zeitlose Ästhetik, die 1995 genauso hätte erscheinen können wie 2020. Dazu steuert auch die Produktion ihren Teil bei. Die haben Schewe und Kollegen in die Hände von Adam Hirsch von den Tiny Telephone Studios in San Francisco gegeben.

Schewe: "Da haben ja schon Spoon aufgenommen, Death Cab for Cutie, Two Gallants haben sie gemacht. In der Gesellschaft fühlen wir uns natürlich sehr wohl. Das Studio ist eines besten weltweit für das was es ist, Vintage-Equipment. Wir haben schon versucht mit Pult und Outboard Gear über Tape so nah wie möglich an dem zu bleiben, was mal war."

Musik: "Pi equals"

Der Song als Mörderballade

Das Ergebnis ist ein warmer Sound, aber ohne den ausgeblichenen Retrofilter, den zum Beispiel Whitney gerne über ihre Musik ziehen. Zur 90er-Inspiration passt auch der Song "For the record", der als Mörderballade gedacht ist. Da heißt es in der ersten Textzeile: "Past the bridge, near the sawmill", also "hinter der Brücke beim Sägewerk". Und wo steht das berühmteste Sägewerk der USA? In Twin Peaks natürlich.

Schewe: "Da kamen mir verschiedenen Bilder in den Sinn. Dazu gehörte Laura Palmer. Dazu gehörte auch die Schriftstellerin Alice Sebold, es gab auch eine Verfilmung von ihrem Buch "The Lovely Bones", und Eindrücke aus der eigenen Kindheit. Das kam alles zusammen und fügte sich in dem Song."

Musik: "For the record"

Wie aus einem Loriot-Film

Auf dem Albumcover ist eine Wand aus dunkelbraunen Holzpanelen hinter einer Couch mit grünem Blumenmuster zu sehen, darauf liegt ein orange-gelbes Kissen. Eine Einrichtung wie aus einem Loriot-Film. Auf der Rückseite sieht man einen umzäunten Hof.

Schewe: "Für mich hatte das was bedrückendes. Und selbst dieses andere Bild von dem Hinterhof, das ist alles sehr eng. Im Gegensatz zum sehr ausladenden Bandnamen."

Musik: "A guide to lesson 1"

Cascade Lakes ist übrigens eine Kette von Seen im US-Bundesstaat Oregon - schon wieder amerikanischer Westen. Das hätten sie zwar erst im Nachhinein festgestellt, aber zur Musik passt der Name auf jeden Fall. Mit dem Album ist Cascade Lakes eine charmante Indierock-Platte gelungen, die sich auch bestens für den nächsten Westküstenroadtrip eignet.

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