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StartseiteCampus & KarriereEine echte Alternative zum Gymnasium26.02.2019

Hamburger StadtteilschulenEine echte Alternative zum Gymnasium

Stadtteilschulen sind eine Hamburger Besonderheit - vergleichbar mit Gesamtschulen in anderen Bundesländern. Seit ihrer Einführung 2010 kämpft die neue Schulform mit niedrigen Anmeldezahlen: Gymnasien stehen deutlich höher im Kurs. In diesem Jahr aber zeichnet sich eine Trendwende ab.

Von Axel Schröder

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11.02.2019, Berlin: Zwei Schülerinnen melden sich im Unterricht Foto: Annette Riedl/dpa | Verwendung weltweit (dpa / Annette Riedl)
Das Interesse an der neuen Schulform wächst - Hamburger Stadtteilschulen verzeichnen inzwischen ähnlich hohe Anmeldezahlen wie Gymnasien. (dpa / Annette Riedl)
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Hamburgs Schulsenator Ties Rabe atmet auf. Neun Jahre nach der Neuorganisation des Schulsystems, nach der Gründung der so genannten Stadtteilschulen, werden diese Schulen fast genauso gut angenommen wie die Gymnasien der Stadt. 7.197 Schülerinnen und Schüler wurden an den Gymnasien angemeldet, 7.050 auf den Stadtteilschulen:

"Erfreulich ist das deshalb aus unserer Sicht, weil wir ja in den letzten Jahren durchaus auch ein bisschen Geburtswehen gehabt haben mit der neu gegründeten Schulform 'Stadtteilschule'. Diese Schulform ist entstanden am Reißbrett im Rahmen einer Enquetekommission, die sich mit dem Thema beschäftigt hat, wie wir das Hamburger Schulsystem weiterentwickeln können."

"Schulform für alle, die nicht aufs Gymnasium gehen wollen"

Der Plan war, das Nebeneinander von Real- und Hauptschulen, von Integrierten und Kooperativen Gesamtschulen zu beenden und eine Schulform für all jene zu schaffen, die nicht aufs Gymnasium gehen wollen. So entstanden die Stadtteilschulen, an denen ein Sekundarabschluss , aber auch das Abitur nach neun Jahren gemacht werden kann. An Hamburger Gymnasien bleiben dafür nur acht Jahre. Vor allem der Start der Stadtteilschulen war eine immense Herausforderung, erinnert sich die Schulleiterin der Goethe-Schule, Vicky Marina Schmidt:

"Das war ein Riesenaufwand und Unterrichtsentwicklung. Und das braucht natürlich auch Zeit. Da müssen Fach-Curricula entwickelt werden. Das waren die Probleme: wir hatten ja ganz, ganz viele unterschiedliche Schulen. Wir hatten Fusionen, alles Mögliche. Und damit mussten die Schulen erstmal fertig werden. Kollegien wurden zusammengelegt und so weiter."

Ein holpriger Start

Diese Umbrüche und der holprige Start der Stadtteilschulen blieben der Hamburger Elternschaft nicht verborgen. Zum Problem wurden die hohen Anmeldezahlen an den Gymnasien vor allem auch deshalb, weil viele Schülerinnen und Schüler nach der sechsten Klasse merken mussten, dass ihnen das dortige Leistungsniveau doch nicht entspricht. Sie mussten dann runter vom Gymnasium und auf den Stadtteilschulen weitermachen. Und dort erst einmal ihr erstes Scheitern verdauen:

"Und das ist wirklich, wirklich schlimm. Die Erkenntnis scheint an dieser Stelle auf jeden Fall auch größer zu werden, dass es nicht sinnvoll ist und das man die Entscheidung behutsamer und achtsamer treffen muss. Das freut uns natürlich auch, denn beschädigte Kinder möchten wir ja alle nicht haben."

Die mittlerweile gestiegenen Anmeldungen führt Hamburgs Schulsenator Ties Rabe vor allem auf die im Gegensatz zu den Gymnasien bessere Ausstattung der Stadtteilschulen zurück.

"Wir haben gezielte Baumaßnahmen auf den Weg gebracht. Oder auch den Unterricht gerade in den Kernfächern Deutsch und Mathematik ausgebaut. Vor allem aber haben wir uns um die Information der Eltern bemüht."

Mehr als 4.300 neue Stellen 

Während in Hamburger Gymnasialklassen bis zu 28 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden sollen, sind es in den Stadtteilschulen nur 23. Insgesamt wurden seit 2011 mehr als 4.300 neue Stellen für Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen im Schulsystem geschaffen, so Hamburgs Schulsenator. Auch wegen des Ausbaus der Ganztagesbetreuung und der weiter vorangetriebenen Inklusion. Neues Personal wurde auch an der Stadtteilschule Alter Teichweg eingestellt. Deren Schülerzahl wuchs in den letzten vier Jahren von 900 auf heute 1.400 Kinder und Jugendliche. Rektor Björn Lengwenus freut sich darüber und ist zuversichtlich, mit dem Zuwachs an Schülern und Personal guten Unterricht machen zu können:

"Na klar: man wünscht sich immer mehr und mehr! Und weitere Stellen für die Inklusion oder weitere Räume, all das würden wir natürlich auch nehmen und würden mit dieser Ausstattung leben. Aber erstmal kann man mit der Ausstattung, die wir haben, gute Schule machen."

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