Samstag, 21. Mai 2022

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Handel mit Elfenbein
Grüne fordern Totalverbot

Mit dem wachsenden Wohlstand der Menschen in Asien steigt auch die Nachfrage nach Elfenbein. Jedes Jahr werden dafür Tausende Elefanten in Afrika getötet. Das "Weiße Gold" wird anschließend auch über Deutschland und Europa verkauft. Die Grünen im Bundestag fordern deswegen, den gesamten Elfenbeinhandel in Deutschland zu verbieten.

Von Elisabeth Weydt | 22.12.2016

Thailändische Fahnder präsentieren in Bangkok konfiszierte Stoßzähne von afrikanischen Elefanten.
Für den Handel mit Elfenbein werden der Tierschutzorganisation WWF zufolge jährlich etwa 20.000 Elefanten getötet. (picture alliance / dpa / Rungroj Yongrit)
Zollkontrolle am Hamburger Flughafen. Eine junge Frau ist gerade via Amsterdam aus Ghana eingereist. "Machen Sie mal Ihren Koffer auf!" Kleidung, ein Strohhut und ein Buch. Kein Elfenbein. Diesmal nicht. Denn Europa und Deutschland werden für den illegalen Elfenbeinhandel immer wichtiger. In diesem Jahr gab es mehrere Rekordfunde. In Deutschland wurden in einem Fall 1,2 Tonnen sicher gestellt. Bislang ist unklar, ob es sich bei dem Fund um Altbestände oder um gerade erst geschossene Stoßzähne handelt.
Der illegale Elfenbeinhandel werde immer professioneller, sagt Wolfgang Schmitz, Sprecher der Zollfahndung in Bonn: "Die Täter arbeiten international, sie arbeiten verdeckt, sie sind nicht so ohne Weiteres zu erkennen. Sie arbeiten definitiv organisiert, mit Zügen zu dem, was man auch als Organisierte Kriminalität bezeichnen kann."
Grüne wollen Schlupflöcher schließen
Um frisch geschossenes Elfenbein zu transportieren, nähmen die Täter immer wieder den Umweg über Deutschland und andere europäische Länder. So soll die Transportroute von Afrika nach Asien verschleiert werden, wo die Nachfrage nach Elfenbein stetig steigt, so Schmitz: "Die einzelnen Händler wissen nicht unbedingt voneinander, aber so wie wir das sehen: Die Spinnen im Netz sitzen eher in Europa und organisieren hier den Handel mit Elfenbein in Handelsrichtung Afrika, nach Asien via Europa."
Telefonüberwachung, Observationen, Einsatz von Spezialeinheiten: Mittlerweile bekämpfe die Zollfahndung den Elfenbeinschmuggel mit Methoden, die man sonst eher gegen Rauschgift- und Waffenhändler einsetze, so Schmitz. Für die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Steffi Lemke reicht das allerdings nicht aus: "Diese Schlupflöcher müssen geschlossen werden, wenigstens hier in Deutschland, in Europa, wo wir ein relativ dichtes Kontrollnetz haben, wo wir eine funktionierende Behördenstruktur haben."
Auch die Bundesregierung sieht Handlungsbedarf
Lemke fordert deshalb: "Erstens: ein komplettes Handelsverbot und zweitens Verstärkung der Kontrollen, Verstärkung der Möglichkeiten des Zolls, dem nachzugehen, zu suchen, zu identifizieren, zu kontrollieren und zu bestrafen."
Ganz so weit will die Bundesregierung nicht gehen. Dennoch sieht auch sie mittlerweile Handlungsbedarf. Das geht aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor, die NDR Info vorliegt. Darin erklärt das Umweltministerium, die Regierung wolle sich künftig auf europäischer Ebene dafür einsetzen, die Elfenbein-Ausfuhr gesetzlich stärker einzuschränken. Bisher ist lediglich der Export von Rohelfenbein verboten und das lediglich in sieben EU-Mitgliedsländern, unter anderem in Deutschland.
WWF: Jedes Jahr werden 20.000 Elefanten wegen ihrer Stoßzähne getötet
Auch Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz begrüßt diese Entwicklung: "Wenn wir den Elefanten verlieren würden als Art, würden wir das größte Landsäugetier verlieren, ein Tier verlieren, das seit weiß Gott wie lange auf dieser Erde existiert. Und was das für überragende Geschöpfe sind! Und wenn die weg sind: Die sind weg. Die kommen auch nicht mehr wieder!"
Es sei insofern wichtig, dass Staatsanwälte und Richter strenger durchgriffen. Auch müssten Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Artenschutzdelikte eingerichtet werden. Schätzungen der Umweltorganisation WWF zufolge werden Jahr für Jahr etwa 20.000 Elefanten getötet, um deren Stoßzähne als Statussymbole nach China, Vietnam und Thailand zu verkaufen. Umweltschützer gehen davon aus, dass der afrikanische Elefant deshalb vom Aussterben bedroht ist.