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Startseite@mediasresBekenntnisse eines Trolls28.08.2017

Hass im NetzBekenntnisse eines Trolls

Trolle: Sie tummeln sich im Internet, provozieren mit rassistischen Aussagen, hetzen, beleidigen und verbreiten Lügen. Was sind das für Menschen? Was treibt sie an? Und wie gefährlich sind sie tatsächlich? Ein ehemaliger Troll berichtet.

Von Andrea Schwyzer

Eine Frau und ein Mann verdecken ihre Gesicher mit Emoji-Masken (imago stock&people)
Trolle tummeln sich im Internet - ihre Identität geben sie meist nicht preis. (imago stock&people)
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Er ist 19 Jahre alt, hat gerade sein Abi gemacht, möchte studieren und in die Softwareentwicklung gehen. Das entscheidende in seiner jungen Biografie ist: Er ist heute ein anderer, als noch vor einem Jahr. Nennen wir ihn Lukas Kaufmann. Mit 17 Jahren wurde er zum Troll:

"Der Hauptgrund war eigentlich, dass ich es ganz amüsant fand, Leute im Internet auf die Palme zu bringen. Politisch habe ich mich damit ein bisschen identifiziert, aber auch nicht so komplett, dass ich mich als einen weißen Nationalisten bezeichnet habe. Es war am Anfang hauptsächlich Provokation und es hat sich dann ein bisschen ernster entwickelt."

Parallelwelt im Internet

Die sogenannte Flüchtlingskrise, die Furcht vor den Massen an Menschen und dem Islam trieb ihn auf Internetseiten wie "4chan" und "8chan" - Politikforen, auf denen Fremdenfeindlichkeit, Frauenhass weit verbreitet sind. Dort sind die Nutzer anonym unterwegs und dürfen alles.

Trolle tummeln sich aber auch bei Facebook, YouTube und ganz besonders bei Twitter. Man erkennt sie an den rassistischen Parolen und Bildern, sogenannten Memes, die sie posten.

"Zum Bespiel so was wie 'WE WUZ KINGS" gegen Schwarz-Afrikaner. Oder so Sachen wie der 'Happy Merchant" das ist eine Karikatur eines Judens, die eigentlich aus dem Text der Propadanga der Zweiten Weltkriegs stammen könnte."

Oder das Bild von Pepe, einem grünen Comic-Frosch, so etwas wie die Symbolfigur der Alt-Right-Bewegung, der alternativen Rechten in Amerika. In dieser Bewegung finden Menschen zusammen, die sich rechtsradikaler Ideologien verschrieben haben. Die Alt-Righter nutzen unter anderem das Medium Breitbart - die Nachrichtenseite, die von Stephen Bannon gleitet wurde, heute Chefstratege des amerikanischen Präsidenten.

Mit Memes wie Pepe wollen Trolle die Heftigkeit ihrer Aussagen verharmlosen. Es ist doch nur ein oller grüner Comic-Frosch, der hier Hetze betreibt, findet Kaufmann:

"Das ist auch ziemlich immer die Ausrede, die die haben. Wenn die dann mit so Wörtern ankommen wie 'Neger', wo jeder weiß, dass diese Wörter nicht gut gemeint sind, und das dann abstempeln als etwas Lustiges. Das Hauptproblem ist halt, dass diese Menschen , die sowas nutzen, denken, dass das, was sie machen, auch nicht schlimm ist, weil sie sich da nicht reinversetzen können - in die Rolle."

"Ein bisschen schizophren"

Die Hasskommentare, die Lukas Kaufmann als Troll im Netz verbreitete, hat er gelöscht, denn:

"... irgendwann hatte ich da keine Lust mehr drauf, weil ich es auf Dauer scheiße fand, was da nach einem gewissen Punkt abgegangen ist. Ich war im echten Leben nie so drauf: Ich hatte Freunde, die aus den Kulturkreisen kommen, die ich kritisiert habe. Also es war ein bisschen schizophren, es war auf gesplittet zwischen echtem Leben und diesen Internetaktivitäten."

Natürlich habe er Schaden angerichtet, den er nicht rückgängig machen könne, so der ehemalige Internethetzer. Heute geht er allerdings aktiv gegen Trolle vor. In einer neu gegründeten Community postet der 19-Jährige Bilder von Alt-Rightern und Trump-Supportern, wie sie auf Kundgebungen mit Römerhelmen und in Eishockey-Protektoren demonstrieren und ihren eigenen Staat proklamieren. Er entlarvt das Bild vom sportlichen, arisch aussehenden Superhelden, das diese Leute im Netz so gern von sich zeichnen:

"Und das ist auch ganz effektiv, weil die halt nicht mögen, wenn man sich über die lustig macht. Da trifft man einen wunden Punkt und da muss man dann draufhalten. Und es ist halt hauptsächlich wichtig, diese Szene als idiotisch, als dumm dastehen zu lassen, damit Leute, die noch in der Eingangsphase sind, möglicherweise realisieren, dass die doch nicht so cool sind."

Und in Bezug auf Deutschland warnt er vor der Jugendorganisation der AfD:

"Die AfD versucht halt auch diesen Pepe - diesen Frosch - zu adaptieren, also zumindest die Jugendorganisation. Und man sollte zumindest wissen, was dahinter steht."



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