Dienstag, 29. November 2022

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Hauptsache irgendwas mit Medien

Burgwinkel: 'Hauptsache irgendwas mit Medien' - kein sehr differenzierter Berufswunsch, aber ein sehr häufig geäußerter. Mittlerweile gibt es eine Fülle verschiedener Studienangebote, aber die Vorstellungen in den Köpfen Studierender scheinen diffus zu bleiben. 'Hauptsache irgendwas mit Medien' - so heißt dann auch eine Studie, die sich der Auswahl von Medienstudiengängen empirisch stellt. Einer der verantwortlichen Autoren ist Björn Sjut. Guten Tag nach Hannover.

Telefon-Interview mit Björn Sjut, Projektleiter | 22.06.2004

    Sjut: Schönen guten Tag.

    Burgwinkel: Welche Kriterien sind denn entscheidend für die Studiengangswahl, was hat ihre Studie da ergeben?

    Sjut: In Bezug auf die Medienstudiengänge sehen wir ganz deutlich, dass für die Schulabgänger eher weiche Kriterien interessant sind. Zum Beispiel die Qualität der Lehre, der Inhalt der Lehrveranstaltung, wie praxisnah ist ein Studienfach, was sind meine späteren Berufschancen. Mann kann eigentlich sagen, die Leute möchten wissen: Was kann ich lernen, wie gut lerne ich das und was kann ich später damit anfangen?

    Burgwinkel: Wobei doch die inhaltliche Frage eigentlich am Anfang stehen müsste, weil es ganz viele verschiedene Inhalte gibt, oder?

    Sjut: Absolut, aber wir sehen bei den Studieninteressierten im Medienbereich ein sehr diffuses Interesse. Die Leute interessieren sich in der Regel für vier Medienstudiengänge und drei weitere außerhalb des Medienbereichs. Dieses diffuse Interesse scheint sich erst so langsam innerhalb des Suchprozesses zuzuspitzen. Trotzdem treffen die Leute in der Regel keine sichere Entscheidung bei der Studienwahl.

    Burgwinkel: Das heiß, sie suchen, sie fangen auch schon an zu studieren und während des Studiums dann informieren sie sich erst. Oder wann und wie informieren sich die Studierenden überhaupt?

    Sjut: Da wir in unserer Befragung tatsächlich Leute befragt haben, die in der aktiven Suche waren, aber von denen nur ein kleiner Teil schon im Studium, können wir eigentlich sagen, dass sich die meisten schon vor dem Studium zu informieren scheinen, aber nicht soweit, dass sie eine wirklich sichere Entscheidung treffen können. Offenbar fehlen ihnen Informationen.

    Burgwinkel: Wo informieren sie sich? Man kann zum Arbeitsamt oder den Hochschulen gehen oder das Internet nutzen. Haben Sie Tendenzen feststellen können?

    Sjut: Ja. Es gibt sehr interessante Tendenzen und interessant, dass Sie das Arbeitsamt ansprechen, denn die Information der Arbeitsagenturen bekommen in der Studie eigentlich ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Sie sind eigentlich die Informationsquelle, von der sich die Leute nichts erwarten und wenn sie sie dann doch nutzen, dann noch enttäuschter davon sind. Was sehr gut zu funktionieren scheint, sind die Internetangebote und zwar sowohl die der Hochschulen, die eher für Detailinformationen genutzt werden können, die auch eher strukturierende Angebote, also Internetdatenbanken wie medienstudienfuehrer.de, die scheinen in der Kombination recht gut zu funktionieren und bekommen die besten Bewertungen.

    Burgwinkel: Es gibt nun ungefähr 400 verschiedene Medienstudiengänge. Gibt es innerhalb dieser unübersehbaren Vielfalt eine Art Trend? Was suchen die Leute am ehesten, was wird am häufigsten angeboten und kommt das irgendwo zusammen?

    Sjut: Beim Interesse an Medienstudiengänge liegen eher die ökonomisch orientierten ein bisschen vorne, aber nicht wirklich weit. So etwas wie Medienmanagement scheint für viele Leute interessant zu sein, ansonsten kann man sagen, dass es zumindest auf Seite der Angebote es einen sehr starken Trend zur Spezialisierung gibt. Wir sehen eigentlich immer mehr Studiengänge im Aufbau- und Masterbereich, die sehr spezifische Inhalte anbieten, etwa Musik- oder Wissenschaftsjournalismus, speziell auf bestimmte Aspekte von digitalen Medien bezogene Studiengänge wie etwa "educational media" in Duisburg. Ich denke, das ist ein Trend, der sich auch weiter fortsetzen wird.

    Burgwinkel: Masterstudiengänge scheinen sich in diesem Bereich auch schon viel eher etabliert zu haben als anderswo.

    Sjut: Absolut. Der Medienbereich scheint in vielen Bereichen Vorreiter zu sein, was die Abschlüsse angeht. Was uns ein bisschen Sorgen macht ist, dass viele Hochschulen das weniger als Chance sondern als Bedrohung begreifen und diesen Wandel nicht im Interesse ihrer Studierenden aktiv gestalten.

    Burgwinkel: Planen Sie noch weitere Studien?

    Sjut: Das war ein erster explorativer Einblick und sie wird eigentlich in der nächsten Woche weitergehen mit der zweiten Erhebungswelle. Das Ziel ist, einmal jährlich eine Studie aufzulegen, die sich mit den Trends und Tendenzen und Interessen der Medienstudiengangsinteressierten beschäftigt. Einmal im Jahr aufzuzeigen, was sich verändert, ob es bestimmte Faktoren gibt, die entscheidungsrelevanter werden, ob sich die Qualität bestimmter Informationsquellen verändert und so für Hochschulen aber auch für Studieninteressierte eine Art Trendbild zu bieten der Medienstudiengangslandschaft.

    Burgwinkel: Björn Sjut über die Studie 'Hauptsache irgendwas mit Medien'. Dann wurde noch eine sehr interessante und hilfreiche Internetseite erwähnt, die lautet: Medienstudienführer