
Wilmer sagte nach der Wahl, er sei dankbar für das Vertrauen seiner Amtskollegen. Der 64-Jährige gilt als fortschrittlich. So gibt es in seinem Bistum alternative Leitungsmodelle auch mit Frauen in Führungspositionen, zudem begrüßt er die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare. Er bekennt sich zum sogenannten Synodalen Weg, dem Reformprozess in der katholischen Kirche. Zu seinen wichtigsten Aufgaben dürfte es gehören, die Spaltung der Bischofskonferenz in dieser Reformfrage zu überwinden und dies auch im Vatikan zu vermitteln.
Wilmer wird beschrieben als Vermittler zwischen Konservativen und Reformern, der auf Beteiligung und Dialog setzt. Die Zeiten seien vorbei, in denen ein Bischof ein Herrscher sei, sagte er mal in einem Interview. Er wolle andere dazu bringen, Verantwortung zu übernehmen.
Zwischen Emsland und New York
Aufgewachsen im norddeutschen Emsland - Wilmer kann Trecker fahren und spricht Plattdeutsch - trat er mit 19 Jahren in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom. Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup im Emsland und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte.
Schon kurz nach seiner Weihe zum Bischof von Hildesheim im Jahr 2018 versprach er, Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche schonungslos aufzuklären. Die Aufarbeitung bezeichnet er inzwischen als Daueraufgabe. Im vergangenen Jahr beauftragte Wilmer eine weitere Studie für das Bistum Hildesheim, die den Zeitraum von 1945 bis 2024 und damit auch den ersten Teil seiner eigenen Amtszeit in den Blick nehmen soll. "Bis hinein in die Gegenwart muss Licht ins Dunkel gebracht werden", erklärte er.
Akzente bei Klimaschutz und Ökumene
Bundesweit profilierte sich Wilmer zuletzt mit gesellschaftspolitischen Stellungnahmen, etwa zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz. Zehn Jahre nach der Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus kritisierte Wilmer im vergangenen Jahr, die Welt werde zynischer und internationale Abkommen drohten zur Farce zu verkommen. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.
Ökumenisch setzt er auf praktische Kooperation: In Niedersachsen soll ab dem Schuljahr 2026/27 ein von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam verantworteter christlicher Religionsunterricht schrittweise eingeführt werden - eine bundesweite Premiere.
Diese Nachricht wurde am 24.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



