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Heiße Debatten oder nur heiße Luft?

Die Veranstalter des Runden Tisches zum Thema Kindesmissbrauch ziehen eine positive Bilanz. Die Opfer sehen den Runden Tisch dagegen kritisch. Ihre Interessen würden in dem Gremium kaum vertreten werden.

Von Claudia van Laak | 24.04.2010
    Der Tisch war eckig und es war nicht viel Zeit. 61 Personen hatten sich im Bundesfamilienministerium versammelt - jedem der Eingeladenen blieben nur wenige Minuten, sich selber, seine Ideen und Konzepte zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch vorzustellen.

    Vertreten waren der Deutsche Olympische Sportbund, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften, der Berufsverband Kinder- und Jugendärzte und, und, und.

    Genau der richtige Weg sei dieser Runde Tisch - lobte im Anschluss Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, und auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan zeigte sich zufrieden nach dem ersten Treffen, dem weitere folgen werden.

    "Im Mittelpunkt stehen die Opfer. Erstes Ziel muss sein, den Opfern gerecht zu werden. Dann finde ich, ist diese Feststellung, der Runde Tisch kann in dieser Zusammensetzung ganz wesentlich dazu beitragen zu einer weiteren Enttabuisierung, wie sie in den letzten Wochen schon begonnen hat, dann ist das ein wirklich wichtiger Schritt."

    Im Mittelpunkt stehen die Opfer - das betonten alle Teilnehmer der Veranstaltung. Doch die Opfer fühlen sich eindeutig unterrepräsentiert an diesem Runden Tisch. Anwältin Manuela Groll - sie vertritt eine ganze Reihe von Opfern sexuellen Missbrauchs - steht deshalb dieser Veranstaltung der drei Bundesministerien Bildung, Familie und Justiz äußerst kritisch gegenüber.

    "Ich denke, dass er für die in der Vergangenheit Betroffenen nicht viel bringen wird. Weil, ich habe nicht erkannt, dass jemand mit ihnen vorher gesprochen hätte und deren Position wirklich an den Runden Tisch bringen könnte."

    Ganz anders sieht dies Konrad von der Beeke, Teilnehmer am Runden Tisch. Er vertritt den Verband Katholischer Internate, verlässt das Treffen mit vielen neuen Ideen für seine Arbeit und mit einer ganzen Reihe von Kontakten.

    "Das bringt eine ganze Menge, weil ich eine Menge mit nach Hause nehme aus den einzelnen Verbänden, dass wir vieles an Fachinformationen noch einmal bekommen haben, die es natürlich jetzt aufzuarbeiten gilt, und die wir dann in unsere pädagogische Praxis umsetzen müssen."

    Wie arbeitet der Runde Tisch nun weiter? Beim ersten Treffen wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den Themen Prävention, Entschädigung sowie Forschung und Lehre beschäftigen und die bis Ende des Jahres konkrete Empfehlungen vorlegen sollen.

    Bundesfamilienministerin Christina Schröder will sich für einheitliche verpflichtende Standards in Kinder- und Jugendeinrichtungen einsetzen:

    "Ich stelle mir eben vor, dass man staatliche Förderung an das Vorhandensein solcher Selbstverpflichtungen knüpfen sollte, an das Vorhandensein von klaren Standards, dass also Bund, Länder und Kommunen nur noch solche Institutionen fördern, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, wo es klare Selbstverpflichtung zum Umgang mit sexueller Gewalt an Kindern gibt. "

    Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz, die Opfer sehen den Runden Tisch kritisch. Viel heiße Luft auf hohem Niveau - meint die Berliner Opferanwältin Manuela Groll.

    "Hier wird also ein Aufgebot an Kapazitäten gebracht, die bestimmt etwas zu sagen haben, aber ob das tatsächlich so sein wird, dass es ein Ergebnis gibt. Und für die von mir Vertretenen ist es ganz wichtig, dass es ein schnelles Ergebnis gibt und nicht erst zum Jahresende, wie es hier angekündigt wird."