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StartseiteSonntagsspaziergangWarme Quellen und speiende Vulkane25.10.2015

Heiße ReiseWarme Quellen und speiende Vulkane

Wer es gerne heiß hat auf Reisen, findet überall auf der Welt warme Quellen und Geysire. Der "Old Faithful"-Geysir im US-Nationalpark Yellowstone bricht jede Stunde aus. Die heißen Quellen rund um Nagano oder auf Island sorgen für Wohlbefinden. Aber auch Bad Füssing in Bayern oder Hillesheim in der Eifel haben eine vulkanische Vergangenheit.

Von Heike Braun

Badende vergnügen sich in dem türkisfarbenen Wasser der Blauen Lagune bei Reykjavík, Island. (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)
Türkisfarbenes Wasser in der Blauen Lagune bei Reykjavík, Island. (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)

"Ich möchte gerne nach vorne!" Mit diesen Worten bahnt sich Susan Mitlewood, die Rangerin im Yellowstone Nationalpark, den Weg durch ihre Reisegruppe. Die Augen, der gut durchtrainierten Mittfünfzigerin blitzen. Sie schaut abwechselnd zu ihrer Reisegruppe und über die Schulter. Sie hat die Touristen über einen Holzsteg in die Nähe der berühmtesten heißen Quelle Nordamerikas geführt. Zum "Old Faithful".

"Shall we begin?"

Und wie aufs Stichwort bricht der Old Faithful aus.

Was hier passiert, ist zweifellos gutes Timing. Die Rangerin versteht ihr Handwerk. Aber sie kann sich auch auf den Old Faithful verlassen. Der Geysir schießt seine Wasserfontänen fast auf die Sekunde genau, jede Stunde einmal in den Himmel. Frei übersetzt heißt Old Faithful so viel wie "Alter Getreuer".

Bis zu 50 Meter hoch schießt der heiße Wasserstrahl in die Luft. Die Besucher sind begeistert.

"Yeah!"

Manchmal erreicht er aber auch nur eine Höhe von knappen 30 Metern. Das klingt dann so:

"Oooh"

Nur wenige Minuten dauert das Schauspiel. Aber wie gesagt: Es wiederholt sich jede Stunde. Der Yellowstone Park ist der größte zusammenhängende Vulkan der Erde. Er kann die USA jederzeit in Schutt und Asche legen. Die meisten amerikanischen Touristen, die hierher kommen, wissen das auch.

"Weiß jemand etwas über den Yellowstone Nationalpark? Wer kennt sich aus mit den Entfernungen im Park und mit den Höhenunterschieden?"

Tatsächlich wissen alle Bescheid. Denn die Amerikaner mögen vielleicht Österreich und Deutschland miteinander verwechseln. Aber im eigenen Land kennen sie sich aus.

"Dieser Abschnitt ist mit der älteste im Yellowstone Nationalpark und der Yellowstone selbst, ist der älteste Nationalpark in den USA."

Die amerikanischen Touristen wissen auch, dass sich der Old Faithful 2.240 Meter über dem Meeresspiegel befindet. Trotz der Höhe ist es im Sommer oft 30 Grad Celsius heiß. Gefühlt sind es in der Nähe der heißen Quellen, Geysire und schwefeldampfenden Pools aber deutlich mehr. Im Winter liegt dafür oft meterhoch der Schnee.

Pilgern in der Vulkaneifel

"Gegrüßest seiest du Maria voll der Gnade, der Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesu. Seht die Mutter schön im Glanz, durch den heiligen Rosenkranz."

Anderer Kontinent, andere Wandergruppe. Genauer gesagt: Hier sind Pilger in der Vulkaneifel unterwegs.

Die Maria Hilf Bruderschaft aus Hillesheim veranstaltet die dreitägige Tour schon seit 1844. Ziel ist immer die "Maria Hilf"- Kapelle in Koblenz. Karl Dostert organisiert die Wallfahrt seit 37 Jahren. Vulkaneifel- Pilger ist er aber schon viel länger.

"Ich bin seit 51 Jahren dabei. Das war halt eine Tradition. Damals hat man gesagt: Da gehen wir mal mit und dabei ist es dann geblieben."

Erkaltete Lavaströme und Vulkankrater liegen entlang der Strecke. Noch vor zehn bis zwölf Tausend Jahren rauchten in dieser Region die letzten Vulkane und formten die weltberühmten Maare. Beim letzten Ausbruch eines Eifel-Vulkans, wurden weite Teile Westdeutschlands verwüstet. Dabei entstand der Laacher See. An deren Ufer liegt die Abtei Maria Laach.

"Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen."

Das auch in der Eifel jederzeit ein Vulkanausbruch stattfinden könnte, haben die buswilligen Pilger natürlich nicht im Kopf, wenn sie ihre Gebete zum Himmel schicken. Die wunderschöne Landschaft ist ihnen aber immer bewusst. Genau deshalb kommen jedes Jahr rund 200 Wallfahrer hierher und wandern mit. Männer und Frauen streng voneinander getrennt. Warum das so ist, weiß von den Pilgern kaum noch einer.

"Jeder sucht seinen Vorder- und Hintermann und dann geht es los. Das ist meine Hinterfrau."
"Das ist halt uralt. Diese Formation. Wer auch immer das erfunden hat? Keine Ahnung."

Zwischen den Pilgern gehen die sogenannten Brudermeister. Sie beten vor und geben Zeichen, wann welche Gruppe mit beten soll.

"Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen."

Mittendrin und unüberhörbar: die Musikkapelle. Übrigens eine Geschlechter gemischte. Die Basstrompete spielt eine Frau.

"In Ewigkeit Amen".

Angeführt werden die Musiker von dem stimmgewaltigen Hans Schneider.

"Ich gehe seit 30 Jahren mit und habe mir meinen Urlaub so gelegt, dass ich diese Tage frei habe. Diese drei Tage, die geben für den Kopf mehr, als sechs Wochen Urlaub. Das kann man keinem erklären. Das muss man mitgemacht haben. Wenn man diesen Bazillus einmal hat, dann geht man immer weiter. Ich bin seit 30 Jahren dabei und habe noch nie gefehlt."

"Gegrüßet seist Du Maria voll der Gnade…..".

Reiten auf Island

Selber Kontinent. Anderes Land. Genauer gesagt: Island. Eine Reitertour entlang des sogenannten "Golden Circle", gilt hier als das Abenteuer, der Superlative.

Anne Petterson begleitet Touristen ab Reykjavik vorbei am "Großen Geysir" und dem Strokkur, der pünktlich alle zehn Minuten ausbricht. Die 27-Jährige hat in Norwegen ein vergleichsweise hohes Einkommen. Sie ist Assistenzärztin in einem Privatkrankenhaus nahe Oslo. Trotzdem könnte sie sich diese Reise finanziell nicht leisten. Darum hat sich die gute Reiterin als Reiseleiterin beworben. Mittlerweile begleitet Anne Petterson diese Tour schon zum achten Mal. Allerdings nur im Sommer.

"Es ist mir einfach zu kalt hier im Winter und auch zu dunkel. Ich bin im nördlichsten Teil von Norwegen geboren. Da ist das nicht anders. Aber dafür sind die norwegischen und isländischen Sommer toll. Man kann schöne lange Touren unternehmen. Das lieben Island-Besucher. Weil es so lange hell ist und wir die Mitternachtssonne haben."

Wer in Island eine Reitertour bucht muss wissen, dass praktisch alle Reitutensilien neu gekauft werden müssen. Damit sich die Neuwertigkeit nachprüfen lässt, sollten sie Original verpackt sein. Islandponys gelten zwar als sehr robuste Pferde, aber die Isländer sind auch peinlich darauf bedacht, dass keine Pferdekrankheiten nach Island eingeschleppt werden. Was theoretisch über die Kleidung möglich wäre.

"Wer das nicht weiß und meint, es genügt seine Reithose zuhause zu waschen und zu desinfizieren, der wird in Island schnell eines Besseren belehrt. Als ich zum ersten Mal hierher kam, musste ich alles neu kaufen. Hier, im teuren Island. Hose, Stiefel, Handschuhe, bis hin zur Unterwäsche. Das hat damals über 2.000 Euro zusätzlich gekostet. Wer seine Sachen in einem anderen Land kauft, sollte sie auf jeden Fall verpackt lassen. Ich würde auch jedem empfehlen, die Quittungen mitzubringen, auf denen das Kaufdatum steht."

Benutzte Reithosen mit Lederbesatz, dürfen zum Beispiel gar nicht eingeführt werden. Die Isländer machen keine Ausnahmen. Ihre Regeln sind so streng, dass sie mit ihren eigenen Pferden fast nie an Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen teilnehmen. Sie dürfen sie nämlich nur ausführen. Aber nie wieder zurück bringen.

Wem dieses Reitvergnügen zu teuer ist, der kann die isländischen Geysire auch Tölt-frei, auf seinen eigenen Beinen, erkunden. Oder einfach, in einer der vielen heißen Quellen entspannen, für die Island so berühmt ist.

In Japan wissen auch Affen, was Wellness ist

Anderer Kontinent, andere Tiere. Keine Pferde, sondern japanische Makaken. Offensichtlich, wissen auch Affen, was Wellness ist. In der Nähe des Olympiaortes Nagano werden die Makaken als Badeaffen bezeichnet. Denn sie nutzen im Winter, gemeinsam mit den Menschen, die heißen Quellen der Region.

Die deutsche Künstlerin Waltraud Friedrich-Degner lebt jedes Jahr für einige Monate in Kyoto. Eigentlich ist sie auf das Malen und Fotografien von Kranichen spezialisiert. Aber im nächsten Winter will sie die Badeaffen ablichten.

"Ich möchte gerne Aufnahmen machen, weil die natürlich ausgesprochen witzig aussehen, wenn die da so ihre ganzen Tannenzapfen haben, wie so ein Bart. Die haben sich das Baden abgeguckt von den Menschen. Das war früher nicht der Fall. Die Affen haben nur gesehen, den Menschen gefällt es da auch, wenn kalt ist und seitdem tummeln sie sich mit den Menschen zusammen, in diesem heißen Quellen."

Die Region der Bade-Affen liegt nur rund 250 Kilometer von Tokio entfernt. Nach Kyoto sind es knapp 400 Kilometer. Trotz der überschaubaren Entfernungen, sollte man unbedingt fliegen, meint die Japanexpertin Waltraud Friedrich-Degner.

"Von Osaka, mit der Billigfluglinie, die eigentlich wirklich gut ist. Da zahle ich umgerechnet 150 Euro. Mit dem Zug würde ich 4 bis 500 Euro zahlen."

Wären die Badeaffen nicht zur weltweiten Attraktion geworden: Die Japaner hätten sie wahrscheinlich längst aus ihren Pools verscheucht. Denn besonders die Weibchen reagieren aggressiv, wenn man ihren Jungen, oder ihren "Männern" zu nahe kommt. Makaken halten Menschen wohl einfach nur für "Nacktaffen", die auf Abstand gehalten werden müssen. Die japanischen Bekannten von Waltraud Friedrich-Degner können gar nicht begreifen, warum die Deutschen eine solche Affinität zu den wilden Tieren entwickelt haben.

"Die sagen, ich weiß gar nicht, was du da willst, bei diesen blöden Affen, die da in diesen warmen Wasserquellen rum springen. Die Japaner selber fahren dahin, um da in den warmen Wasserquellen zu baden. Warme Quellen ist für die Japaner das Non-plus-Ultra".

Waltraud Friedrich-Degner kennt sich sehr gut in Japan aus und weiß: Im Land der untergehenden Sonne, wird fast alles zum Ritual. Das Baden in heißen Quellen kann der erste Schritt in eines der größten Fettnäpfchen schlechthin sein. So muss man sich zum Beispiel vor dem Betreten der heißen Quelle gründlich mit Wasser und Seife reinigen. Zur Grundausstattung gehört ein weißes Handtuch. Mit dem kann man eventuelle Tätowierungen abdecken. Denn die sind in Japan ein Erkennungszeichen der Yakuza, der japanischen Mafia. Man sollte sich vor Reiseantritt genau informieren. Denn die japanischen Schriftzeichen, die das Badeverhalten erläutern, helfen dem Westeuropäer nicht weiter.

Nach Öl gesucht, Wasser gefunden

Keine Frage: Wir sind in Bayern. Genauer gesagt in Bad Füssing. Dass die badefreudigen Bayernfans aus Japan hier nur sehr selten Urlaub machen liegt vielleicht daran, dass sie selbst genügend heiße Quellen im eigenen Land haben.

In Bad Füssing liegt eine, der ältesten Thermalquellen Deutschlands. Sie ist im Privatbesitz. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde auf dem Grundstück der "Wimmer-Bäuerin" nach Öl gesucht, weiß deren Urenkelin Bettina Ortner.

"Am 8. Februar 38, fand man in der Tiefe von 960 Metern leider nicht das ersehnte Öl, sondern nur heißes Wasser. Ich sage nur, denn die Enttäuschung war erst mal riesengroß. Man wusste also nicht mit dem heißen Wasser anzufangen und auch schon gar nicht, was das für ein flüssiges Gold ist. Also hat man eine unscheinbare Hütte um diese Bohrstelle aufgestellt und meine Urgroßmutter erhielt als einzige einen Schlüssel zu dieser Holzhütte und hatte auch nur Zutritt zu ihrem Acker. Dann kam der Krieg 39 bis 45. Da passierte auf ihrem Acker erst mal nichts. Nach dem Krieg 1946, hat mein Großvater hier in den Hof eingeheiratet. Er war neugierig und ist dann eines schönen Sonntages, mit dem besagten Schlüssel von der Wimmer-Bäuerin, zu der Holzhütte spaziert und drehte diesen Bohrverschluss wieder auf und das Wasser schoss sofort wieder 30 Meter, fontänenartig in die Höhe. Da kann man sagen, das war die Geburtsstunde der Therme 1."

Auf einmal begriffen alle sofort: Hier sprudelt eine Geldquelle. Ein heftiger Streit um Wasserrechte begann.

"Dieser 30 -jährige Wasserkrieg, der dann geführt wurde. Das wir dann zu unserem Wasserrecht kamen. Letztendlich ging es dann doch für uns gut aus. Es kam zu einer einvernehmlichen Lösung für alle. Wenn das Wasser nicht gefunden worden wäre, wäre Bad Füssing, glaube ich, immer noch ein kleiner Bauernweiler, mit ein paar Häusern und ein paar Bauernhöfen. Und ansonsten wäre hier in der Region nichts gewesen."

Wer weiß: Vielleicht spricht sich dieses Badeparadies irgendwann auch bis nach Japan herum. Denn immerhin könnten die Japaner dort auch ohne die Gesellschaft der Makaken, ins kuschelig warme Thermal-Wasser gehen. 

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