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StartseiteKultur heuteKampf zwischen Rausch und Verstand14.10.2019

Henzes "Bassariden"-Oper in BerlinKampf zwischen Rausch und Verstand

In Hans Werner Henzes Oper "Die Bassariden" steht der Konflikt zwischen Exzess und Kontrolle im Zentrum. Regisseur Barrie Kosky zeigt an der Komischen Oper Berlin einen Nahkampf zwischen dem verführerischen Dionysos und dem nüchternen Pentheus. Vor allem musikalisch ein beeindruckender Abend.

Von Uwe Friedrich

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Eine Szene aus Barrie Koskys "The Bassarids" an der Komischen Oper Berlin. Auf dem Bild: Günter Papendell (Pentheus), Chorsolisten, Orchester und Tanzensemble der Komischen Oper Berlin (Komische Oper Berlin / Monika Rittershaus)
Szene aus Barrie Koskys "The Bassarids" an der Komischen Oper Berlin (Komische Oper Berlin / Monika Rittershaus)
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Hans Werner Henze fand den Stoff seiner Oper "Die Bassariden" in der Antike - bei Euripides. In den "Bakchen" geht es um den Streit zwischen Kontrolle und Exzess, zwischen Rausch und Ordnung.

Henze schrieb das Werk 1966 noch unter dem Eindruck des Nationalsozialismus. Ihn beschäftigte die Verführbarkeit der Massen, aber auch des Einzelnen durch einen charismatischen Anführer - einen, den wir heute Populisten nennen würden. Das ist in der Oper Dionysos, der in die Stadt gekommen ist, um sich an Pentheus zu rächen.

Hölzerne Stufenlandschaft

Der Regisseur Barrie Kosky blendet bei seiner Inszenierung an der Komischen Oper Berlin diese gesellschaftspolitische Ebene weitgehend aus. Stattdessen erzählt er den privaten Widerstreit zwischen dem verstandgeleiteten, ein bisschen langweiligen Pentheus und dem ungeheuer verführerischen Dionysos. Immer wieder werden die beiden in einen körperlichen Nahkampf geschickt. Und es geht um die Folgen für die Familie - denn schließlich tötet die Mutter Pentheus im Rausch.

Bühnen- und Kostümbildnerin Katrin Lea Tag hat eine hölzerne Stufenlandschaft auf die Bühne gestellt, die Kostüme sind moderne Anzüge und Roben. Barrie Kosky arrangiert darin seine zeitlos bewährten Regieversatzstücke: Viel Aktivismus, der Chor läuft hin und her. Und wenn ihm gar nichts mehr einfällt, kommt das Männerballett. Das hat man bei Barrie Kosky schon oft gesehen, und es passt diesmal nicht zum Stoff.

Musiker sitzen auf der Bühne

Henze schreibt ein sehr großes Orchester vor - die Komische Oper ist aber eher klein. Die Holz- und Blechbläser sitzen daher in der Stufenlandschaft auf der Bühne, es wird dadurch über weite Strecken sehr laut. Das ganze Haus wird bespielt, was auch zu sehr schönen Fernklangwirkungen führt.

Die Leistungen der Sängerinnen und Sänger sind unterschiedlich zu bewerten. Die Komische Oper war nie ein Hort des Schöngesangs, aber diesmal ist doch eine Menge Ausdruck mit wenig Stimme dabei. Große Ausnahme ist Sean Panikkar als Dionysos. Auch Tanja Ariane Baumgartner macht als Mutter ihre Sache sehr gut.

Ein insgesamt doch beeindruckender Abend, auf den das Publikum erst mit Stille und dann mit großem Jubel reagierte.

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