Samstag, 18.09.2021
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteSprechstundeOffenbar erhöhtes Risiko bei Übergewicht in jungen Jahren28.06.2016

HerzinsuffizienzOffenbar erhöhtes Risiko bei Übergewicht in jungen Jahren

Bei einer Herzinsuffizienz schafft es das Herz nicht mehr, genügend Blut in den Körper zu pumpen. Das betrifft auch vermehrt jüngere Menschen. Schwedische Forscher haben nun einen interessanten Zusammenhang entdeckt: Je stärker übergewichtig Männer als 18-Jährige waren, umso größer war ihr Risiko, im späteren Leben frühzeitig eine Herzinsuffizienz zu entwickeln.

Von Christine Westerhaus

Ein Herz-Modell aus Plastik in einer Hand (picture alliance / dpa / Foto: Susannah V. Vergau)
Ein Herz-Modell aus Plastik in einer Hand (picture alliance / dpa / Foto: Susannah V. Vergau)
Mehr zum Thema

Herzinsuffizienz Training kann Beschwerden verbessern

Reportage Herzwandverdickung

Hinrich von Borstel: "Herzrasen" Wissenswertes übers Herz vom Science Slammer

Wer in Schweden als 18-Jähriger gemustert wurde, dessen Daten sind noch Jahrzehnte später abrufbar. Seit den späten 60er-Jahren werden die bei der Musterung erfassten Daten, wie Gewicht und Körpergröße, digital gespeichert. Insgesamt sind damit die Informationen von 1,6 Millionen schwedischen Rekruten verfügbar, in anonymisierter Form. Knapp 5.500 dieser Männer wurden später wegen Herzinsuffizienz in einem schwedischen Krankenhaus behandelt. Ihr durchschnittliches Alter lag zu diesem Zeitpunkt bei 47 Jahren. Annika Rosengren und ihre Kollegen von der Sahlgrenska Akademie an der Universität Göteborg haben die Werte dieser Patienten mit den Daten verglichen, die bei ihrer Musterung als 18-Jährige erfasst wurden.

"Dabei haben wir gesehen, dass Männer, die bei ihrer Musterung Übergewicht hatten, ein höheres Risiko hatten, noch vor dem 60. Lebensjahr eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. Dieses Risiko war umso größer, je übergewichtiger die Betroffenen als 18-Jährige waren. Bei einem Body-Mass Index von 35, also starkem Übergewicht, war das Risiko um das zehnfache erhöht."

Ob die Männer ihr Gewicht nach der Musterung konstant hielten oder stark veränderten, wissen die Forscher nicht. Dass andere Faktoren, wie Bildungsniveau der Eltern, Erkrankungen oder Blutdruck zum Zeitpunkt der Musterung für das erhöhte Risiko ausschlaggebend waren, konnten sie jedoch ausschließen. Unklar ist jedoch, welcher Mechanismus dazu führt, dass die Pumpleistung des Herzens bei manchen übergewichtigen Männern früher nachlässt.

"Bei jüngeren Menschen wird die Herzinsuffizienz meist dadurch verursacht, dass das Herz eine schlechtere Pumpfunktion hat. Dafür kann ein Herzinfarkt, aber auch Diabetes oder hoher Blutdruck verantwortlich sein, der häufig bei Übergewichtigen auftritt. Es gibt aber auch andere Faktoren, die sich direkt auf den Herzmuskel auswirken. Momentan wissen wir also noch nicht genau, wie Übergewicht damit zusammenhängt."

Derzeit komme es zwar immer noch selten vor, dass Menschen schon in jüngeren Jahren eine Herzinsuffizienz entwickeln, betont Annika Rosengren. Doch die Zahl der Patienten unter 60 Jahren, die sich deswegen im Krankenhaus behandeln lassen müssen, nehme seit einigen Jahren zu.

"Ich denke nicht, dass Ärzte die Pumpfunktion des Herzens bei Übergewichtigen nun gezielter untersuchen müssen. Doch sie sollten aufmerksamer sein, wenn sie die typischen Symptome wie Atemlosigkeit oder geschwollene Beine bei jüngeren Menschen beobachten, denn das könnte auf eine Herzinsuffizienz hindeuten."

Nun wollen die Forscher auch die Daten schwedischer Frauen untersuchen. Diese werden zwar nicht als 18-Jährige gemustert, doch zumindest bei Schwangeren werden bestimmte Daten zentral erfasst. Zudem wollen sie die Musterungsdaten auch für andere Analysen nutzen. In einer früheren Studie haben die Forscher bereits nachgewiesen, dass Männer ein höheres Risiko haben, frühzeitig an Demenz zu erkranken, wenn sie bei den Fitnesstests während der Musterung schlechter abschnitten. Ein ganz ähnlicher Zusammenhang deute sich auch bei der Herzinsuffizienz an, so Annika Rosengren. Genaueres will sie aber noch nicht verraten, denn die Auswertung der Analyse ist noch nicht abgeschlossen.

"Unsere vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Fitness während der Musterung und das spätere Risiko für eine frühzeitige Herzinsuffizienz zusammenhängen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk