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StartseiteMarkt und MedienEin Hausverbot als Lachnummer25.10.2014

Heute-ShowEin Hausverbot als Lachnummer

Mit der Entscheidung, die "heute-show" nicht in den Bundestag zu lassen, hat sich die Parlamentsverwaltung keinen Gefallen getan. Das Hausverbot sorgt für Gesprächsstoff und bietet Steilvorlagen für jede Menge Kalauer.

Von Klaus Deuse

Oliver Welke, Moderator der Satiresendung "heute-show" im ZDF (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Oliver Welke moderiert seit 2009 die "heute-show" im ZDF (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Weiterführende Information

"Skandal" um Heute Show - Satire als Chance für Politik
(Deutschlandfunk, DLF-Magazin, 23.10.2014)

ZDF-Kabarettsendung - Urban Priol und Alfons sind "Ein Fall fürs All"
(Deutschlandfunk, Corso, 01.10.2014)

"Die 'heute-show' - Ich sage, herzlich willkommen zur einzigen Sendung der Welt mit Hausverbot im Deutschen Bundestag, meine Damen und Herren."

So weit Moderator Oliver Welke in der "heute-show" von Freitagabend.

Bei Satire versteht die Bundestagsverwaltung offenbar keinen Spaß. Dabei muss man Politiker doch gar nicht vor den Medien in Schutz nehmen. Wenn, dann höchstens vor sich selbst. Denn die meisten rennen sowieso vor jedes hingehaltene Mikrofon. Freiwillig. Oft genug auch schon vor das der "heute-show". Aber damit ist jetzt erst einmal Feierabend. Zumindest in den heiligen Hallen des Bundestages. Wirklich dumm daran ist nur, dass für Satiriker solche bierernsten Vorgänge ein gefundenes Fressen sind und sie erst recht nicht die freche Klappe halten.

Oliver Welke: "Das hat der Bundestag ja inzwischen klargestellt. Wir haben da überhaupt kein Hausverbot. Wir dürfen da nur nicht rein, Leute."

Eigentlich wollten sie nur einmal nachfragen, warum es so mies bestellt sei um die Debattenkultur im Bundestag. Das fragt sich ohnehin so mancher Bundesbürger. Dafür muss man übrigens nicht die "heute-show" einschalten, das bekommt man beim sogenannten Ereigniskanal 'Phoenix', der aus dem Parlament berichtet, ziemlich oft drastisch genug vor Augen geführt. Allerdings ohne bissige Bemerkungen. Und nun dieser Wirbel. Wer hat sich in den vergangen Tagen nicht alles über das Drehverbot echauffiert. Medienrechtler, der Deutsche Journalistenverband und: ja, sogar Politiker.

Auch Politiker zeigen Unverständnis für das Hausverbot

"Inzwischen hat sich sogar die Generalsekretärin der SPD zu Wort gemeldet", sagt Welke.

In einem Einspieler sagt Yasmin Fahimi: "Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Und ich finde nicht, dass man sich von der 'heute-show' bedroht fühlen muss."

Welkes Kommentar: "Also, die hat das Konzept der Sendung ja wohl gar nicht verstanden."

Ja, so sind sie, die Satiriker von der "heute-show", die nicht ohne Grund schon den Grimme- und den Deutschen Fernsehpreis gewonnen haben. Politiker mögen ein Problem mit der Sendung haben: sie wollen mit dem, was sie sagen, ernst genommen werden. Nur: den Gefallen tut ihnen die Sendung nicht. Und das kommt blendend an beim Publikum. Also schickte das Welke-Team auch diesmal einen Reporter zum Bundestag, der unbedingt rein wollte – und nach der ersten Absage sogar mit dem Äußersten drohte:

"Gut, da muss ich dann hier so lange stehenbleiben und halte die Luft an, bis wir rein dürfen."

Selbstverständlich ohne Erfolg. Bleibt eigentlich nur noch eine süffisante Frage. Wie kommt der Bundestag aus dieser medialen Lachnummer heraus?

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