Ein Unterrichtsraum in einem Nürnberger Geschäftshaus – knapp 30 Ärzte und Ärztinnen aus Russland, Südamerika und Afrika sitzen an Tischen, vor sich Notizblöcke, und schauen konzentriert Richtung Pult. Dort findet ein Rollenspiel statt: die Dozentin als Patientin, die auf einer Hochzeit zusammengebrochen ist, der Kursteilnehmer als Notarzt:
"Welche Beschwerden haben Sie momentan?"
"Sehr starke Schmerzen im Oberbauch- und Brustbereich, extrem starke Schmerzen, mir geht es ganz schlecht."
"Haben Sie Übelkeit auch?"
"Erst hab ich mich erbrochen, dann wurde der Schmerz besser, jetzt wieder schlimmer."
Die Anamnese wird heute geübt – also, wie der Patient nach Beschwerden und seiner Vorgeschichte gefragt wird.
Die deutschen Begriffe sind die Haupthürde für die zugewanderten Ärzte. Rund die Hälfte der Weiterbildung am VIA-Institut beschäftigt sich mit deutscher Allgemein- und Fachsprache, dazu kommen die fachliche Schulung und ein mehrmonatiges Praktikum an einer Klinik. Für die Teilnehmer wie Aysala Czcekowicz ist der Kurs auch eine Orientierung.
"Am Anfang steht man an einem Punkt und weiß nicht, wie schaffe ich das, die Sprache kann man nicht oder wenig, und dann wenn man die Sprache beherrscht, fragt man sich, wie kann ich als Ärztin arbeiten, kann ich das schaffen und wie?"
Mit diesen Fragen fühlte sich die gebürtige Serbin ziemlich allein gelassen. Die Weiterbildung bei VIA hat sie im Internet gefunden. Nach ihrem Medizinstudium und einem praktischen Jahr in Serbien will Aysala Czcekowicz nach fünf Jahren in Deutschland wieder in den Beruf einsteigen. Sie muss eine Gleichwertigkeitsprüfung machen – so schreibt es ihr Heimatbundesland Baden-Württemberg vor. Für Ärzte aus EU Ländern ist die Anerkennung der Abschlüsse per EU-Richtlinie geregelt. Für die übrigen wird der Zugang zum Beruf in den jeweiligen Bundesländern ausgestaltet, unterschiedliche Behörden sind damit betraut, die unterschiedliche Anforderungen stellen, beklagt Matthias Klug, der Institutsleiter von VIA:
"Völlig uneinheitlich, Prüfungen, die zum Teil nicht zweckdienlich sind, sondern sinnlose Hürden aufbauen, undurchschaubare Auflagen, bis – leider immer noch – Schikane."
Er fordert einheitliche Regeln – zum einen um ein hohes Niveau bei der ärztlichen Versorgung zu gewährleisten. Zum anderen, um den zugewanderten Ärzten einen bürokratischen Irrgarten zu ersparen. Denn in Deutschland drohe ein Fach-Ärztemangel – da könne man es sich nicht leisten, die Arbeitskraft ausgebildeter Ärzte aus dem Ausland ungenutzt zu lassen. Und die Ärzte sind begehrt: Auf jeden guten Absolventen bei VIA kommen fünf Nachfragen. Vor allem in ländlichen Regionen herrscht Bewerbermangel:
Batbayar Trespe packt ihren Arztkoffer für einen Hausbesuch. Seit kurzem ist sie Assistenzärztin in der Allgemeinarztpraxis Ihle im kleinen Ort Wilhermsdorf, 30 Kilometer westlich von Nürnberg. Vor sechs Jahren ist sie aus der Mongolei nach Deutschland gekommen. In der Mongolei hatte Batbayar Trespe nach dem Medizinstudium zehn Jahre als Internistin und Allgemeinärztin gearbeitet.
"Ich hab in einem Regionalkrankenhaus gearbeitet, technische Möglichkeiten gab es bei uns kaum, wir haben mehr manuelle Tätigkeiten durchgeführt."
Bei der Arbeitsagentur habe man ihr gesagt, sie könne gar nicht in Deutschland arbeiten, von den Behörden hat sie aber doch Grünes Licht bekommen. Um sich sicherer zu fühlen, hat auch sie sich zuvor noch einmal schulen lassen - bei einem Lehrgang des VIA-Instituts in Nürnberg:
"Für mich war es schwierig in einem technisch so hoch entwickelten Land wie Deutschland zu arbeiten, da dachte ich, ich brauch noch Vorbereitung."
Batbayar Trespes Chef, der Allgemeinarzt Werner Ihle aus Wilhermsdorf, möchte auf die Kollegen aus dem Ausland nicht verzichten:
"Wir brauchen die ausländischen Ärzte – die sind lernhungrig und fleißig und interessiert. Wir brauchen die, nicht nur die Krankenhäuser, die haben ja mittlerweile fast nur noch Ärzte aus dem Osten, sondern leider auch die Hausärzte, sonst gibt's in Bayern bald keine mehr, außer in der Stadtnahen Gegend. Und das Land verarmt an Hausärzten."
Die zugewanderten Ärzte könnten Abhilfe schaffen, doch auf den Weg dorthin werden sie weiter bürokratische Hürden überwinden müssen.
"Welche Beschwerden haben Sie momentan?"
"Sehr starke Schmerzen im Oberbauch- und Brustbereich, extrem starke Schmerzen, mir geht es ganz schlecht."
"Haben Sie Übelkeit auch?"
"Erst hab ich mich erbrochen, dann wurde der Schmerz besser, jetzt wieder schlimmer."
Die Anamnese wird heute geübt – also, wie der Patient nach Beschwerden und seiner Vorgeschichte gefragt wird.
Die deutschen Begriffe sind die Haupthürde für die zugewanderten Ärzte. Rund die Hälfte der Weiterbildung am VIA-Institut beschäftigt sich mit deutscher Allgemein- und Fachsprache, dazu kommen die fachliche Schulung und ein mehrmonatiges Praktikum an einer Klinik. Für die Teilnehmer wie Aysala Czcekowicz ist der Kurs auch eine Orientierung.
"Am Anfang steht man an einem Punkt und weiß nicht, wie schaffe ich das, die Sprache kann man nicht oder wenig, und dann wenn man die Sprache beherrscht, fragt man sich, wie kann ich als Ärztin arbeiten, kann ich das schaffen und wie?"
Mit diesen Fragen fühlte sich die gebürtige Serbin ziemlich allein gelassen. Die Weiterbildung bei VIA hat sie im Internet gefunden. Nach ihrem Medizinstudium und einem praktischen Jahr in Serbien will Aysala Czcekowicz nach fünf Jahren in Deutschland wieder in den Beruf einsteigen. Sie muss eine Gleichwertigkeitsprüfung machen – so schreibt es ihr Heimatbundesland Baden-Württemberg vor. Für Ärzte aus EU Ländern ist die Anerkennung der Abschlüsse per EU-Richtlinie geregelt. Für die übrigen wird der Zugang zum Beruf in den jeweiligen Bundesländern ausgestaltet, unterschiedliche Behörden sind damit betraut, die unterschiedliche Anforderungen stellen, beklagt Matthias Klug, der Institutsleiter von VIA:
"Völlig uneinheitlich, Prüfungen, die zum Teil nicht zweckdienlich sind, sondern sinnlose Hürden aufbauen, undurchschaubare Auflagen, bis – leider immer noch – Schikane."
Er fordert einheitliche Regeln – zum einen um ein hohes Niveau bei der ärztlichen Versorgung zu gewährleisten. Zum anderen, um den zugewanderten Ärzten einen bürokratischen Irrgarten zu ersparen. Denn in Deutschland drohe ein Fach-Ärztemangel – da könne man es sich nicht leisten, die Arbeitskraft ausgebildeter Ärzte aus dem Ausland ungenutzt zu lassen. Und die Ärzte sind begehrt: Auf jeden guten Absolventen bei VIA kommen fünf Nachfragen. Vor allem in ländlichen Regionen herrscht Bewerbermangel:
Batbayar Trespe packt ihren Arztkoffer für einen Hausbesuch. Seit kurzem ist sie Assistenzärztin in der Allgemeinarztpraxis Ihle im kleinen Ort Wilhermsdorf, 30 Kilometer westlich von Nürnberg. Vor sechs Jahren ist sie aus der Mongolei nach Deutschland gekommen. In der Mongolei hatte Batbayar Trespe nach dem Medizinstudium zehn Jahre als Internistin und Allgemeinärztin gearbeitet.
"Ich hab in einem Regionalkrankenhaus gearbeitet, technische Möglichkeiten gab es bei uns kaum, wir haben mehr manuelle Tätigkeiten durchgeführt."
Bei der Arbeitsagentur habe man ihr gesagt, sie könne gar nicht in Deutschland arbeiten, von den Behörden hat sie aber doch Grünes Licht bekommen. Um sich sicherer zu fühlen, hat auch sie sich zuvor noch einmal schulen lassen - bei einem Lehrgang des VIA-Instituts in Nürnberg:
"Für mich war es schwierig in einem technisch so hoch entwickelten Land wie Deutschland zu arbeiten, da dachte ich, ich brauch noch Vorbereitung."
Batbayar Trespes Chef, der Allgemeinarzt Werner Ihle aus Wilhermsdorf, möchte auf die Kollegen aus dem Ausland nicht verzichten:
"Wir brauchen die ausländischen Ärzte – die sind lernhungrig und fleißig und interessiert. Wir brauchen die, nicht nur die Krankenhäuser, die haben ja mittlerweile fast nur noch Ärzte aus dem Osten, sondern leider auch die Hausärzte, sonst gibt's in Bayern bald keine mehr, außer in der Stadtnahen Gegend. Und das Land verarmt an Hausärzten."
Die zugewanderten Ärzte könnten Abhilfe schaffen, doch auf den Weg dorthin werden sie weiter bürokratische Hürden überwinden müssen.