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Hilfe nur auf Anfrage

Es hat sich einiges geändert beim Deutschen Entwicklungsdienst in den letzten 40 Jahren. Heute werden nicht mehr die engagierten Alleskönner gebraucht, sondern absolute Fachleute. Das Durchschnittsalter der Entwicklungshelfer liegt deshalb mittlerweile bei über 40 Jahren. Das sind Menschen, die schon über eine umfangreiche Berufserfahrung verfügen. Die Hintergründe dieser Entwicklung erklärt Jürgen Wilhelm, der Geschäftsführer des DED:

Von Dietrich Sondermann |
    Früher waren es doch überwiegend handwerkliche Berufe. Heute geht der Trend, das heißt die Nachfrage, ganz eindeutig zu einer Beraterfunktion. Berater sind dann doch überwiegend akademisch ausgebildete Menschen, Fachkräfte also, die hier ein Ausbildung oder in Europa eine Ausbildung genossen haben, die ihnen Managementfähigkeiten vermittelt, damit auch im Entwicklungsland Multiplikationseffekte eintreten und die Beratung nicht isoliert stattfindet.

    In den Anfängen beschränkte sich die Hilfe oft ein Projekt zwischen zwei Partnern. Der Entwicklungsdienst auf der einen und die fremde Regierung auf der anderen Seite. Heute sind sehr viele Organisationen bei allen Auslandseinsätzen des DED beteiligt. Das fängt an bei den nationalen und kommunalen offiziellen Stellen und den Nicht-Regierungsorganisationen, den NGOs in den Einsatzländern; dazu kommen andere europäische Hilfsorganisationen und nicht zuletzt verschiedene Banken wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Deutschland oder die Weltbank.

    Wir versuchen so viele Kräfte wie möglich zu bündeln, denn wir wollen ja versuchen, den Menschen in den Entwicklungsländern optimal und maximal zu helfen und das kann man oft alleine nicht so gut, als wenn man es mit Partnern macht.

    Als Mitarbeiter für den Auslandseinsatz kommen nicht nur Deutsche in Frage. Die Globalisierung macht auch vor der Entwicklungszusammenarbeit nicht Halt.

    Es sind schon noch überwiegend Deutsche, aber der Anteil der Franzosen, Holländer, Belgier wächst vor allem auch im frankophonen Afrika suchen und engagieren wir häufig Menschen aus Frankreich und Belgien und wir haben sogar schon den einen oder anderen aus einem Entwicklungsland in ein anderes Entwicklungsland entsandt. Aber der Anteil der deutschen Fachkräfte liegt noch bei über 80 Prozent.

    Für eine staatliche Entwicklungshilfe sprechen viele Gründe. Zum einen sind sie Basis für eine gute Qualifizierung der Menschen, die einmal im Ausland eingesetzt waren. Die Arbeit beim DED kann für einige ein wichtige Sprosse auf der Karriereleiter sein.

    Wir schaffen natürlich auch Kontakte auf der Basis des persönlichen, des menschlichen Miteinanders in Entwicklungsländern. Aber wir lernen natürlich auch von dort; also es ist schon auch ein Beitrag zur zivilen Entwicklung der Gesellschaften in den Entwicklungsländern wie aber auch in den Industrieländern und das ist immer die beste Alternative zu allem anderen, was in dieser Welt sonst noch stattfindet.

    Eine Einrichtung, von der also beide Seiten profitieren. Max Teuber hat vier Jahre lang die Aktivitäten des DED in Zimbabwe geleitet. Eines der Projekte dort war der Aufbau eines Straßennetzes in ländlichen Regionen.

    Wir waren dort mit bis zu zwölf Tiefbauingenieuren und Mechanikern unterstützend tätig, um dieses Wartungsnetz mit zu betreuen in der Anfangsphase und haben uns erst in der letzten Jahren sukzessive aus dieser Verantwortung wieder zurück gezogen in dem Maße, in dem das durch einheimische Organisationen nach entsprechenden Schulungsmaßnahmen übernommen wurde.

    Auch in der Umsetzung der Landreform nach der Unabhängigkeit des Landes hat sich der DED eingesetzt. Große Farmen konnten nicht einfach an Einheimische übergeben werden, ohne das diese eine gründliche Ausbildung erhielten. Aber dabei wurden schnell die politischen Grenzen erreicht.

    Solange die Landreform konstruktiv war, haben wir da mitgearbeitet. Als wir dann merkten, dass Mugabe die Landreform eigentlich mit dem Ziel des Machterhalts angeleiert hatte und das nur Mittel zum Zweck war haben wir uns daraus zurückgezogen. Das war eine sehr bedauerliche Entwicklung am Ende.

    Trotzdem engagiert sich der DED nach wie vor in Zimbabwe, beschränkt seine Zusammenarbeit aber auf Nichtregierungs-Organisationen, die sich für demokratische Verhältnisse im Land einsetzen. Die Hoffnung dahinter ist, dass die Machtlage sich wieder ändert und dann ein Neuanfang für den DED umso leichter fällt. Seinen Einsatz in Afrika bereut Max Teuber aber nicht. Auch wenn er dem verbreiteten Vorwurf zum Teil Recht gibt, Entwicklungshilfe sei ein Tropfen auf den heißen Stein. Seiner Meinung nach gibt es einfach zu wenig Geld für diesen Bereich. Aber selbst mit den beschränkten Mittel sei viel erreicht worden.

    Für mich war das Fazit nach vier Jahren, dass es eine ausgesprochen konstruktive Zusammenarbeit war und wir in vielen Bereichen Dinge modernisieren konnten, anschieben konnten, die im Prinzip dort noch nachhaltig wirksam sind, auch einige Jahre nach unserem Rückzug.