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StartseiteUmwelt und VerbraucherHintersinniger Umweltpreis29.12.2009

Hintersinniger Umweltpreis

NABU verleiht den "Dinosaurier des Jahres 2009"

Die peinlichste Äußerung oder Aktivität im Umweltbereich wurde auch in diesem Jahr vom Naturschutzbund ausgezeichnet. Rezipient des "Dinosauriers" ist - wen wundert's in Zeiten der Finanzkrise? - ein Ökonom.

Von Claudia van Laak

NABU-Umweltpreis "Dinosaurier des Jahres"  (NABU)
NABU-Umweltpreis "Dinosaurier des Jahres" (NABU)
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Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, ist für den Naturschutzbund der "Dinosaurier 2009". Der einflussreiche Ökonom und Finanzwissenschaftler - Sinn ist auch Präsident des Weltverbands der Finanzwissenschaftler - ist nach Ansicht der Naturschützer ein Marktradikaler, der das Thema Ökologie völlig ausblendet. NABU-Präsident Olaf Tschimpke erklärt, warum der Naturschutzbund Hans-Werner Sinn den Negativ-Preis zuerkannt hat.

"Herr Sinn steht für eine veraltete Denkmethode. Alles wird auf Ökonomie und auf die sogenannte Marktwirtschaft reduziert. Und die realen Probleme unserer Erde, zum Beispiel das Thema Klimawandel, das Thema Armut, die Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen, die finden in diesem Denkmodell nicht statt. Und das ist der Hauptgrund."

Hans-Werner Sinn verbreite hemmungslos seine veralteten Theorien vom alles regulierenden Markt und lasse kaum eine Gelegenheit aus, die moderne Umweltpolitik in der Öffentlichkeit zu attackieren, so der NABU. In der Tat: der Ökonom Hans-Werner Sinn polemisiert gerne gegen eine ökologisch ausgerichtete Politik. In einem Zeitungsartikel vor Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen schrieb er, das grüne Programm sei für viele zum Religionsersatz geworden, der Politik gehe es - Zitat - "bei den Solardächern und Windflügeln schon lange nicht mehr um den Treibhauseffekt, sondern um die Schaffung von Sakralbauten für das neue Glaubensbekenntnis". Zitatende. So etwas erbost Klima- und Naturschützer natürlich.

"Hier ist er wirklich keine Hilfe. Ihm geht es eher darum, in Talkshows zu glänzen und seine Bücher zu verkaufen - und Maybrit Illner und die Frau Will machen da auch willfährig mit - als wirklich Veränderungen zu erzeugen, die wirklich die Probleme lösen."

Hans-Werner Sinn negiert nicht den Klimawandel, aber als Marktliberaler spricht er sich gegen eine staatliche Regulierungspolitik aus - der weltweite Emissionshandel sei das einzige Mittel gegen den Klimawandel, so der Ökonom. Für den Präsidenten des Ifo-Instituts ist der Atomstrom eine Option, die man nicht fallen lassen sollte. Das Erneuerbare Energien Gesetz hält er für wirkungslos, wenn nicht schädlich. NABU-Präsident Olaf Tschimpke hält dagegen.

"Viele schauen ja auf uns. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ja nicht umsonst weltweit 35 Mal kopiert worden und es ist doch ein Erfolgsmodell."

Der Naturschutzbund Deutschland wird nun die Brontosaurus-Skulptur nach München zum Ifo-Institut schicken - verbunden mit einem Gesprächsangebot an den Präsidenten Hans-Werner Sinn. Die Naturschützer wollen mit ihm über das Thema Wachstum debattieren.

"Was heißt eigentlich Wachstum? Dieser Wachstumsbegriff wird wie ein Fetisch vorangetragen. Wenn Wachstum bedeutet, dass wir gleichzeitig Wohlstand vernichten, und zwar nicht nur für künftige Generationen, auch für heutige tun wir das tagtäglich, indem wir Milliarden vom Wohlstand ausschließen, in dem wir Atommüll lagern und nicht wissen, wer das zukünftig bezahlen sollen, all diese Fragen sind ja heute schon existent."

Eine Reaktion des Ifo-Instituts steht noch aus - der Dinosaurier des Jahres 2009 Hans-Werner Sinn und seine Wirtschaftsforscherkollegen befinden sich im Weihnachtsurlaub.

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