Samstag, 19.10.2019
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteKultur heuteGier, Ruhm und der Wettlauf der Nationen11.08.2019

Historiker Christian Jostmann über ForschungsreisendeGier, Ruhm und der Wettlauf der Nationen

Sommerreihe "Wendepunkte: Vorher - Nachher"

Vor 500 Jahren überquerten der portugiesische Seefahrer Magellan und seine Crew als erste Europäer den Pazifik. Heute geht es nicht mehr darum, neue Welten zu entdecken, sagte der Historiker Christian Jostmann im DLF, sondern das Bekannte und seine Zusammenhänge besser zu begreifen.

Christian Jostmann im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Seefahrer und Entdecker Fernand de Magellan (1480-1521) greift durch 1520, als es zu einer Meuterei während der Reise der ersten Erdumrundung kommt. (imago images / Leemage)
Der Seefahrer und Entdecker Fernand de Magellan (1480-1521) greift durch 1520, als es zu einer Meuterei während der Reise der ersten Erdumrundung kommt. (imago images / Leemage)
Mehr zum Thema

Seefahrt Magellan startete vor 500 Jahren zur ersten Weltumsegelung

Einflussreiche Forschungsreise Charles Darwin stach 1831 mit der "Beagle" in See

Und sie bewegt sich doch Über Leben und Schaffen des Galileo Galilei

Portal zur Sommerreihe „Wendepunkte: Vorher – Nachher“

Aus der Sicht der Zeitgenossen, sagt Christoph Jostmann, kam Magellans Erdumrundung zunächst nicht die bahnbrechende Bedeutung etwa einer Mondlandung zu. Magellan hatte lediglich vor, eine westliche Route zu den Gewürzinseln zu finden. Nach seinem Tod auf den Philippinen versuchten seine Leute, zurückzukommen. Eins der Schiffe schlug sich süwestlich Richtung Pazifik durch, so kam überraschend die Erdumrundung zustande. Für die  Zeitgenossen, erklärt Jostmann, habe dies zunächst nur bedeutet, weiter gekommen zu sein als die Menschen der Antike. Für uns dagegen handle es sich um einen Wendepunkt, den Start zur Globalisierung.

Zusammenhänge entdecken statt den Mars 

Zu Magellans Zeiten seien die Seefahrer vor allem auf Reichtümer aus gewesen, später kam das Motiv des Wissensfortschritts und der Wettstreit der Nationen hinzu. Auch heute werde noch versucht, neue Entdeckungen zu machen, im Weltall oder in der Tiefsee. Aber dieses Konzept des Entdeckens hält Christoph Jostmann für problematisch. Es gehe jetzt darum, nicht Einzelnes zu entdecken, sondern das Zusammenspiel von allem zu begreifen, statt sich in alte heroische Entdeckermuster zu flüchten.

Der Historiker Christian Jostmann (Christian Jostmann / Foto: Ulrich Kögerler)Der Historiker Christian Jostmann (Christian Jostmann / Foto: Ulrich Kögerler)

Christian Jostmann ist Historiker, Publizist und Buchautor. In seinen Büchern hat er sich immer wieder mit historischen Wegebeziehungen und Reisen befasst. So folgte er der Brünner Straße von Wien ins tschechische Brno, schilderte eine Pilgerreise nach Rom sowie Scott und Amundsens Wettlauf zum Südpol. Christian Jostmann lebt im niederösterreichischen Weinviertel.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk