Mittwoch, 18. Mai 2022

Historisches Teleskop und Astrophysik
Die Astronomie in Schleswig-Holstein

Der erste große Astronom aus Deutschlands Norden war Nikolaus Reimers. Er hatte Ende des 16. Jahrhunderts engen Kontakt zu Tycho Brahe und übersetzte das Hauptwerk von Nikolaus Kopernikus ins Deutsche.

Von Dirk Lorenzen | 08.05.2022

Holzschnitt der Sternwarte in Bothkamp
Einst deutschlandweit ganz vorn: die Sternwarte des Herrn von Bülow in Bothkamp (Aurland)
Dass sich für einige Jahre das größte Teleskop Deutschlands auf Gut Bothkamp befand, südlich von Kiel, ist heute fast vergessen. Im Jahr 1870 hatte Friedrich Gustav von Bülow am Rand seines Gutes eine Sternwarte errichten lassen.
Zwei der besten Astronomen jener Zeit, Hermann Carl Vogel und Wilhelm Oswald Lohse, haben von dort unter anderem die Rotation der Sonne präzise vermessen. Nach dem Tod Gustav von Bülows verfiel die Sternwarte.
Doch es gab einen weiteren Pionier der Astrophysik im nördlichsten Bundesland. Carl Wirtz, der in Kiel tätig war, schlussfolgerte vor 100 Jahren, dass sich die Spiralnebel außerhalb der Milchstraße befinden und sich von uns fortbewegen.

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Er hatte die Expansion des Universums erkannt, konnte sie anhand seiner Daten aber nicht belegen. Das gelang kurz darauf erst Edwin Hubble.
Mitte des 20. Jahrhunderts prägte für vierzig Jahre Albrecht Unsöld die Kieler Astrophysik. Gemeinsam mit seinen Schülern erforschte er die Vorgänge in Sternatmosphären – und prägte ganze Generationen von Astronomen.
Das Bundesland an der Grenze zu Dänemark ist für den nächtlichen Blick an den Himmel bestens geeignet. Immer wieder zeigen sich dort schöne Polarlichter – und im Hochsommer verzaubert am Nordhimmel das leicht bläuliche Leuchten der Mitternachtsdämmerung.