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Hochkarätige Gästeliste

25 Jahre nach seiner Nobelpreisverleihung hat der polnische Solidarnosc-Gründer und Ex-Präsident Lech Walesa zu einer Feier nach Danzig eingeladen. Auf der Gästeliste stehen andere Friedensnobelpreisträger und viele Staats- und Regierungschefs. Es fehlt jedoch Polens derzeitiger Präsident Lech Kaczynski. Aus Warschau berichtet Thomas Rautenberg.

    Friedensnobelpreisträger und Ex-Solidarnosc-Führer Lech Walesa hat zum 25. Jahrestag seiner Nobelpreisverleihung nach Danzig eingeladen und viele namhafte Persönlichkeiten werden kommen. Staats- und Regierungschefs, EU-Ratspräsident Sarkozy und Freunde Walesas, wie der Friedensnobelpreisträger Willem de Klerk. Gemeinsam, so Walesa, wolle man sich an der Geburtsstätte der polnischen Solidarnosc-Bewegung Gedanken über eine solidarische Zukunft machen:

    " Unserer Generation ist eine unglaubliche Sache gelungen. Niemand, inklusive meiner Person, hat daran geglaubt, dass so etwas überhaupt möglich sein könnte. Dass man ein brutales System, wie den Kommunismus, in die Geschichte abschieben kann. Lasst uns also die Freude darüber teilen, und auch überlegen, wie wir die neuen Möglichkeiten nun gut nutzen können. "

    31. August 1980 - vor Tausenden Streikenden auf der Danziger Lenin-Werft verkündete der Elektriker Lech Walesa den Erfolg der polnischen Arbeiterproteste. Und was an diesem Tag noch keiner ahnte - mit Walesas Erklärung war der Anfang vom Ende des kommunistischen Systems in Polen und später auch in ganz Osteuropa eingeleitet worden:

    " Wir haben endlich unabhängige, sich selbst verwaltende Gewerkschaften. Wir haben das recht zu Streiken. Und die nächsten Rechte werden wir schon bald festlegen. "

    Lech Walesa stand an der Spitze der polnischen Solidarnosc-Bewegung. Er führte den Generalstreik an, Walesa verhandelte auch mit den Vertretern der kommunistischen Regierung über die ersten Schritte in Richtung Demokratie, bis er 1981 mit Verhängung des Kriegsrechtes von den moskautreuen Militärs interniert worden war. Im Dezember 1983 wurde Lech Walesa für seinen Freiheitskampf mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Aus Sorge, die polnischen Machthaber könnten ihm die Wiedereinreise nach Polen verweigern, verzichtete Walesa auf die Reise nach Oslo und schickte stattdessen seine Frau Danuta, die eine persönliche Botschaft Walesas verlas:

    " Verehrte Vertreter der norwegischen Nation, ihr kennt die Gründe, weshalb ich nicht selbst kommen konnte, um diesen ehrenvollen Preis entgegenzunehmen. Aber an diesem feierlichen Tag ist mein Platz unter jenen Menschen, aus denen ich hervorgegangen bin und zu denen ich gehöre. Unter den Danziger Arbeitern. "

    Polens Präsident Lech Kaczynski ist wohl der einzige hochrangige Politiker des Landes, der bei den Danziger Feierlichkeiten fehlt. Kaczynski hatte die Einladung Walesas offiziell ausgeschlagen. Als enger Mitstreiter des damaligen Solidarnosc-Gründers fühlt er sich heute offenbar um die persönliche Anerkennung seiner Arbeit im polnischen Widerstand betrogen.