Kate Maleike: Er ist auch ein 68er, allerdings 68er vom Geburtsjahr her. Klaus Knopper ist Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik, aber in der Computerwelt der IT-Branche ist er bekannt als Entwickler. Er gilt nämlich als der Vater von Linux in Deutschland und damit als Experte für Open Source - also für eine Computer-Software, die vom Benutzer möglichst frei genutzt, kopiert, verbreitet und weiterentwickelt werden darf. Welche Chancen Open Source auch für Hochschulen, in Verwaltung und Wissensvermittlung birgt, darüber wollen wir jetzt mal reden. Klaus Knopper ist zurzeit Österreich auf den Linux-Wochen. Guten Tag, Herr Knopper.
Klaus Knopper: Guten Tag.
Maleike: Vorweg noch mal für alle, die nicht ganz so fit in der Computer-Branche sind so wie Sie: Was genau ist Open Source?
Knopper: Wenn man normalerweise Software im Geschäft kauft, hat man nur das Recht, diese Software eingeschränkt zu nutzen. Bei Open Source hat man das komplette Eigentum an der Software, das heißt, man darf die Software legal kopieren, weitergeben, verändern, damit auch Geld verdienen - diese Rechte hat man bei der proprietären Software nicht.
Maleike: Sie sind ja auch an der Hochschule tätig als Dozent an der FH Zweibrücken, und studiert haben Sie natürlich auch, in Kaiserslautern - wie ausgiebig wird denn Open Source an den Hochschulen derzeit nach Ihren Erfahrungen genutzt und in welchen Bereichen?
Knopper: In der IT-Infrastruktur sehr häufig, im Serverbereich, da, wo es um Sicherheit und Hochverfügbarkeit geht, auf dem Client-Bereich unserer Studenten - die dürfen sich aussuchen, was sie verwenden für den Unterricht - Linux, Windows oder andere Betriebssysteme -, Hauptsache, sie können damit ihre Aufgaben erledigen. Von der Studentenschaft in Zweibrücken wird Linux, denke ich mal, so zu einem Drittel eingesetzt, zwei Drittel nehmen das, was auf ihrem Notebook vorinstalliert war, aber prinzipiell ist es jedem freigestellt, was er benutzt.
Maleike: Was denken Sie denn, wird das mehr werden in Zukunft? Diese Woche zum Beispiel haben die Berliner Kunsthochschulen gemeldet, dass sie jetzt freie Software-Produkte benutzen und das Geld, was sie dadurch einsparen, der Lehre direkt zugute kommen lassen wollen?
Knopper: Das ist natürlich ein sehr guter Punkt, durch Open Source lässt sich sehr viel an Lizenzkosten einsparen, die dann anderen Bereichen zugute kommen kann. Andererseits zählt bei Open Source auch die Freiheit, die man durch diese Software erlangt, die gerade im Bereich Wissen und Wissensweitergabe eine entscheidende Rolle spielen kann.
Maleike: Wie weit sind wir denn da an den deutschen Hochschulen?
Knopper: An den deutschen Hochschulen sind wir da recht weit. Vor allem in den technischen Bereichen wird Linux und Open Source sehr gerne eingesetzt, aber auch an nicht technischen Bereichen, wo noch viel Windows im Einsatz ist, wird bereits auf Open-Source-Produkte wie den "Mozilla-Firefox", den Webbrowser, oder das "Open-Office"-Officepaket umgestiegen.
Maleike: Das waren jetzt natürlich drei Begriffe, mit denen vielleicht Computerfreaks was anfangen können oder Leute, die sich dort auskennen.
Knopper: Firefox ist ein Webbrowser, mit dem man im Internet surfen kann, so ähnlich wie das der Internet-Explorer unter Windows macht, und "Open Office" ist eine komplette freie Office-Suite, die kostet nichts, ist frei verfügbar und steht dem, was es dann so in der Microsoft-Welt gibt, um nichts nach.
Maleike: Welches Potenzial, welche Entwicklungschancen birgt denn Open Source für die Wissenschaft? Also über Bürokommunikation haben wir jetzt geredet, aber reden wir vielleicht mal mehr über die Wissensvermittlung.
Knopper: Das Open-Source-Modell selber funktioniert eigentlich so, wie die Evolution seit vielen Jahrtausenden funktioniert hat, nämlich das Lernen von der Arbeit des Vorgängers, das Wiederverwenden von Ideen, das Weiterentwickeln von Ideen. Das ist im Softwarebereich. Und im Wissensbereich, da haben wir diese Idee mit dem Open Access und den Creative Commons Licenses, die es erlauben, dass man Wissen für technische Werke und künstlerische Werke, die unter einer solchen Lizenz stehen, auch frei weitergeben, verändern und auch verbessern kann.
Maleike: Das heißt, Open Source und Open Access gehen in dem Fall bestens zusammen?
Knopper: Perfekt, ja.
Maleike: Und wie weit sind wir da in Deutschland?
Knopper: In Deutschland sind wir in diesem Bereich ziemlich weit, wobei es leider Bestrebungen von der Unterhaltungsindustrie gibt, das Ganze wieder etwas zurückzudrängen, weil dort immer den Leuten gesagt wird: Es ist schlecht zu kopieren, nur das Original des Urhebers muss lizenziert werden gegen Gebühren. Und das widerspricht eigentlich dem, was wir in der Grundlagenforschung haben, wo es eben wichtig ist, das Wissen kostenlos weitergegeben wird, dass es sich weiterentwickeln kann und dass auch andere an den Ideen und der Arbeit der Vorgänger partizipieren können.
Maleike: Wie kann denn dann ein Wissenschaftler quasi sein Urheberrecht noch wahrnehmen? Ich denke dann zum Beispiel auch daran, wenn überall Open Access ist und viel Wissen im Netz steht - um es mal ganz platt zu formulieren -, kann man sich auch einfach mit Copy-und-Paste alles rauskopieren, zum Beispiel für seine Seminararbeiten?
Knopper: Das stimmt schon, aber das Urheberrecht verbietet dem Autor ja nicht, sein Werk unter eine andere Lizenz als eine Open-Access-Lizenz zu stellen. Wenn also ein Autor der Meinung ist, dass nur er selber das Recht haben soll, die Arbeit kommerziell oder auch nicht-kommerziell zu verwerten, kann er sich die Lizenz entsprechend aussuchen. Creative Commons und Open Access ist für solche Autoren gedacht, die eher an der Wissensallmende teilnehmen wollen und ihre Werke, so wie sie sich bei anderen Autoren für Zitate bedienen, auch der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Das ist aber kein Zwang.
Maleike: Das würde ja auch dann bedeuten, dass die wichtigen Fachpublikationen möglicherweise überflüssig würden?
Knopper: Nein, ganz im Gegenteil: Wissenschaftler können sich selbstverständlich durch ihre Publikationen, die durch dieses Open-Access-Prinzip auch viel weitere Verbreitung finden, einen großen Namen machen und dann von Studien, von Dienstleistungen, die sie selber anbieten können, sehr gut leben. So funktioniert das ja auch bei Open Source. Dort wird nicht die Software an sich verkauft, sondern die Dienstleistung, die Software anzupassen, zu verbessern und zu erweitern.
Klaus Knopper: Guten Tag.
Maleike: Vorweg noch mal für alle, die nicht ganz so fit in der Computer-Branche sind so wie Sie: Was genau ist Open Source?
Knopper: Wenn man normalerweise Software im Geschäft kauft, hat man nur das Recht, diese Software eingeschränkt zu nutzen. Bei Open Source hat man das komplette Eigentum an der Software, das heißt, man darf die Software legal kopieren, weitergeben, verändern, damit auch Geld verdienen - diese Rechte hat man bei der proprietären Software nicht.
Maleike: Sie sind ja auch an der Hochschule tätig als Dozent an der FH Zweibrücken, und studiert haben Sie natürlich auch, in Kaiserslautern - wie ausgiebig wird denn Open Source an den Hochschulen derzeit nach Ihren Erfahrungen genutzt und in welchen Bereichen?
Knopper: In der IT-Infrastruktur sehr häufig, im Serverbereich, da, wo es um Sicherheit und Hochverfügbarkeit geht, auf dem Client-Bereich unserer Studenten - die dürfen sich aussuchen, was sie verwenden für den Unterricht - Linux, Windows oder andere Betriebssysteme -, Hauptsache, sie können damit ihre Aufgaben erledigen. Von der Studentenschaft in Zweibrücken wird Linux, denke ich mal, so zu einem Drittel eingesetzt, zwei Drittel nehmen das, was auf ihrem Notebook vorinstalliert war, aber prinzipiell ist es jedem freigestellt, was er benutzt.
Maleike: Was denken Sie denn, wird das mehr werden in Zukunft? Diese Woche zum Beispiel haben die Berliner Kunsthochschulen gemeldet, dass sie jetzt freie Software-Produkte benutzen und das Geld, was sie dadurch einsparen, der Lehre direkt zugute kommen lassen wollen?
Knopper: Das ist natürlich ein sehr guter Punkt, durch Open Source lässt sich sehr viel an Lizenzkosten einsparen, die dann anderen Bereichen zugute kommen kann. Andererseits zählt bei Open Source auch die Freiheit, die man durch diese Software erlangt, die gerade im Bereich Wissen und Wissensweitergabe eine entscheidende Rolle spielen kann.
Maleike: Wie weit sind wir denn da an den deutschen Hochschulen?
Knopper: An den deutschen Hochschulen sind wir da recht weit. Vor allem in den technischen Bereichen wird Linux und Open Source sehr gerne eingesetzt, aber auch an nicht technischen Bereichen, wo noch viel Windows im Einsatz ist, wird bereits auf Open-Source-Produkte wie den "Mozilla-Firefox", den Webbrowser, oder das "Open-Office"-Officepaket umgestiegen.
Maleike: Das waren jetzt natürlich drei Begriffe, mit denen vielleicht Computerfreaks was anfangen können oder Leute, die sich dort auskennen.
Knopper: Firefox ist ein Webbrowser, mit dem man im Internet surfen kann, so ähnlich wie das der Internet-Explorer unter Windows macht, und "Open Office" ist eine komplette freie Office-Suite, die kostet nichts, ist frei verfügbar und steht dem, was es dann so in der Microsoft-Welt gibt, um nichts nach.
Maleike: Welches Potenzial, welche Entwicklungschancen birgt denn Open Source für die Wissenschaft? Also über Bürokommunikation haben wir jetzt geredet, aber reden wir vielleicht mal mehr über die Wissensvermittlung.
Knopper: Das Open-Source-Modell selber funktioniert eigentlich so, wie die Evolution seit vielen Jahrtausenden funktioniert hat, nämlich das Lernen von der Arbeit des Vorgängers, das Wiederverwenden von Ideen, das Weiterentwickeln von Ideen. Das ist im Softwarebereich. Und im Wissensbereich, da haben wir diese Idee mit dem Open Access und den Creative Commons Licenses, die es erlauben, dass man Wissen für technische Werke und künstlerische Werke, die unter einer solchen Lizenz stehen, auch frei weitergeben, verändern und auch verbessern kann.
Maleike: Das heißt, Open Source und Open Access gehen in dem Fall bestens zusammen?
Knopper: Perfekt, ja.
Maleike: Und wie weit sind wir da in Deutschland?
Knopper: In Deutschland sind wir in diesem Bereich ziemlich weit, wobei es leider Bestrebungen von der Unterhaltungsindustrie gibt, das Ganze wieder etwas zurückzudrängen, weil dort immer den Leuten gesagt wird: Es ist schlecht zu kopieren, nur das Original des Urhebers muss lizenziert werden gegen Gebühren. Und das widerspricht eigentlich dem, was wir in der Grundlagenforschung haben, wo es eben wichtig ist, das Wissen kostenlos weitergegeben wird, dass es sich weiterentwickeln kann und dass auch andere an den Ideen und der Arbeit der Vorgänger partizipieren können.
Maleike: Wie kann denn dann ein Wissenschaftler quasi sein Urheberrecht noch wahrnehmen? Ich denke dann zum Beispiel auch daran, wenn überall Open Access ist und viel Wissen im Netz steht - um es mal ganz platt zu formulieren -, kann man sich auch einfach mit Copy-und-Paste alles rauskopieren, zum Beispiel für seine Seminararbeiten?
Knopper: Das stimmt schon, aber das Urheberrecht verbietet dem Autor ja nicht, sein Werk unter eine andere Lizenz als eine Open-Access-Lizenz zu stellen. Wenn also ein Autor der Meinung ist, dass nur er selber das Recht haben soll, die Arbeit kommerziell oder auch nicht-kommerziell zu verwerten, kann er sich die Lizenz entsprechend aussuchen. Creative Commons und Open Access ist für solche Autoren gedacht, die eher an der Wissensallmende teilnehmen wollen und ihre Werke, so wie sie sich bei anderen Autoren für Zitate bedienen, auch der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Das ist aber kein Zwang.
Maleike: Das würde ja auch dann bedeuten, dass die wichtigen Fachpublikationen möglicherweise überflüssig würden?
Knopper: Nein, ganz im Gegenteil: Wissenschaftler können sich selbstverständlich durch ihre Publikationen, die durch dieses Open-Access-Prinzip auch viel weitere Verbreitung finden, einen großen Namen machen und dann von Studien, von Dienstleistungen, die sie selber anbieten können, sehr gut leben. So funktioniert das ja auch bei Open Source. Dort wird nicht die Software an sich verkauft, sondern die Dienstleistung, die Software anzupassen, zu verbessern und zu erweitern.