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StartseiteKultur heuteMit Hölderlin in der Friesenkate01.04.2021

Hörbuch mit SprachenvielfaltMit Hölderlin in der Friesenkate

Hölderlins Sprache wird oft als sperrig und schwer verständlich empfunden. Um mehr Menschen für die Texte des schwäbischen Dichters zu begeistern, präsentiert ein neues Hörbuchprojekt seine Verse in verschiedenen Mundarten und Dialekten: Hölderlin etwa auf Wienerisch oder Plattdeutsch.

Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Maja Ellmenreich

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Der Dichter Johann Christian Friedrich Hölderlin im Porträt. (picture alliance / Heritage-Images)
Friedrich Hölderlin beäugt skeptisch, dass es seine Texte jetzt in Mundartvarianten gibt (picture alliance / Heritage-Images)
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"April, April: Friedrich Hölderlin ist auch in Zukunft nicht so ganz leicht zugänglich. Man muss nach wie vor ein wenig Energie und Ruhe aufbringen, um ihn zu verstehen. Aber wer sich die Zeit nimmt, wird mit einer wunderschönen Sprache belohnt. Bis er in verschiedene Dialekte übersetzt wird, dürfte es noch ein wenig dauern, wenn es denn überhaupt je passiert. Bislang handelte es sich schlicht um einen Aprilscherz." (Anm. d. Red. am 02.04.2021)

Am 20. März 2020 feierte man pandemiebedingt in eher kleinem Kreis den 250. Geburtstag Friedrich Hölderlins. Viele Jubiläumsveranstaltungen mussten abgesagt oder verschoben werden. Ein besonders ungewöhnliches Projekt jedoch wurde ins Jahr 2021 gerettet und jetzt in Tübingen vorgestellt: Am Morgen des 1. April versammelten sich Experten und Enthusiastinnen, die einen negativen Corona-Test vorweisen konnten, im Hölderlin-Turm, wo der Dichter einst viele Jahre verbrachte.

Hölderlin zuliebe in Quarantäne

Der berühmte, derzeit in Neuseeland lehrende Germanist John van Kilzing war eigens angereist und hatte dafür zwei Wochen Quarantäne in Schwaben auf sich genommen. Er stellte eine bald beim Label Alabanda Records erscheinende Hörbuchedition vor: Hölderlin in verschiedenen Mundarten und Dialekten.

Ganz neue Erlebnisräume

Am Beispiel der berühmten Elegie "Brot und Wein" erläuterte van Kilzing die Schwierigkeiten, aber auch ganz neue Möglichkeiten, Hölderlins Poesie jenseits der gehobenen Pathos-Sprache zu erleben. "Brot und Wein" auf Plattdeutsch - das klingt munter und frisch, nach gemütlichem Beisammensein in einer Friesenkate, während der hohe, getragene Ton auf Wienerisch, wie es van Kilzing formulierte "sehr erdig und dabei durchaus rabaukig" wirkt.

Kritik: Hölderlins hoher Ton werde hohl

Die im Vorfeld vom Literaturwissenschaftler Jochen Niklas Köhler geäußerte Kritik, so dürfe man mit Hölderlin nicht umgehen, aus dem hohen Ton werde ein gänzlich hohler, wies van Kilzing zurück und zitierte Hölderlin selbst: "Und wisset Se, wies no ganga ist? Narret ist se worde, narret, närret, närret." Dieses Zitat wurde vom Dichter und Hölderlin-Bekannten Johann Georg Fischer überliefert. Allerdings stammt es aus der späten Phase Hölderlins, als dieser vorwiegend kurze Verse unter dem Pseudonym Scardanelli schrieb und als geistig umnachtet galt.

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