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StartseiteBüchermarktDas Buch nebenbei 28.08.2020

Hörbuch-NutzungDas Buch nebenbei

Vom Buchmarkt tönen meist Klagen über schwindende Käuferschaft. Nur ein Segment jubiliert: Hörbücher werden in allen Altersgruppen immer beliebter. Wie wir sie immer einfacher in unseren Alltag integrieren können, beobachtet Branchen-Expertin Linda Lee.

Linda Lee im Gespräch mit Miriam Zeh

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Bildnummer: 52247580 Datum: 01.10.2007 Copyright: imago/eyevisto Kopfhörer auf einem Buch, Objekte; 2007, Symbolfoto, Buch, Bücher, Hörbuch, Hörbücher, hören; , quer, Kbdig, Gruppenbild, Deutschland, , Studioaufnahme
Hörbücher werden immer beliebter, auch weil sie praktisch sind. Beim Autofahren, Kochen oder Sport - überall kann man sie mit dem Smartphone heute nebenbei hören.
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Ein Gesamtwachstum von 25% prognostiziert das Beratungsunternehmen Deloitte dem internationalen Hörbuchmarkt – allein im Jahr 2020. Seit der Corona-Pandemie werden Hörbücher noch einmal verstärkt genutzt. Vor allem Titel für Kinder und Jugendliche stiegen in Deutschland um 36% bzw. 17% in der Abrufrate. Hörbuch-Expertin Linda Lee macht dafür auch veränderte Nutzungsgewohnheiten und Zugriffsmöglichkeiten verantwortlich.

Warum sind Hörbücher so beliebt?

Mit zunehmender Verbreitung mobiler Endgeräte hat sich auch die Hörbuch-Nutzung vereinfacht. Musste man früher in der Nähe eines Plattenspielers oder CD-Players sein, um ein Hörbuch zu konsumieren, reicht heute das Smartphone. Unter Pendlern sind Hörbücher besonders beliebt. Aber auch zum Kochen, zum Sport oder bei der Arbeit im Garten kann ein Hörbuch nebenbei laufen. "Es gibt heute unzählige Möglichkeiten, Hörbücher in den Alltag zu integrieren", sagt Linda Lee.

Streaming-Plattformen wie Audible oder BookBeat haben das Hörbuch-Wachstum zusätzlich beschleunigt. Hier sind Unmengen an Titeln jederzeit abrufbar. Damit steigt laut Linda Lee auch die Wahrscheinlichkeit, neue Autorinnen und Autoren zu entdecken.

Rezipieren wir Hörbücher weniger aufmerksam als Bücher aus Papier?

Im Hörbuch kann man nicht zurückblättern. Linda Lee vermutet, dass auch deshalb Genreliteratur wie Mystery Thriller oder Liebesromane als Hörbuchtitel besonders beliebt sind. Man kann sie – im Vergleich zu anspruchsvoller Literatur – besser nebenbei hören.

Die Hörbuch-Verleger-Vereinigung in den USA hat in Umfragen zu ermittelt, dass das Alter der Hörbuchkonsumenten in den letzten Jahren sank. Mittlerweile ist das Gros der Hörer zwischen 18 und 44 Jahre alt. Unter Kindern und jungen Erwachsenen sind außerdem Hörbuchreihen besonders beliebt. Linda Lee beobachtet hier ein regelrechtes Verschlingen von Hörbuchtiteln, ähnlich wie das sogennanten "binging" von TV-Serien auf Netflix.

Kaufen Hörbuch-Hörer auch Bücher?

Buchhörer und Buchleser waren einmal zwei verschiedene Konsumententypen. Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass Hörbücher keinen Einfluss auf den Verkauf von gedruckten Büchern haben, betont Linda Lee. Sie stellt allerdings fest, dass mittlerweile Modelle immer beliebter werden, die einen Wechsel zwischen beiden Medien befördern. Dieselbe Käuferin kauft zum Beispiel einen Titel als Hörbuch und aus Papier, weil sie beides in unterschiedlichen Situationen nutzen möchte.

Der 1995 gegründete Hörbuch-Pionier Audible bietet auch hierzulande beispielsweise eine Funktion an, mit der Hörbuch und E-Book gleichzeitig gekauft werden können. Man hört das Hörbuch im Auto, geht dann ins Haus und liest auf dem Tablet weiter. Beide Buchversionen werden abgeglichen, sodass man immer dort weiterlesen oder weiterhören kann, wo man aufgehört hat. [*]

Welche Entwicklungen auf dem Hörbuchmarkt gilt es zu beobachten?

Linda Lee verfolgt vor allem die parallelen Entwicklungen von Hörbuch- und Podcast-Markt. Werden sie sich auf Dauer ergänzen? Wechseln Podcast-Fans zum Hörbuch und vice versa? Beide bevorzugen schließlich die auditive Wahrnehmung. Oder konkurrieren Podcast und Hörbuch in Zukunft um dieselben Hörerinnen und Hörer?

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


[*] Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle haben wir einen Satz über eine technische Funktion entfernt, die nicht mit dem Buchkauf zusammenhängt.

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