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StartseiteWirtschaft am MittagAltlasten zur Hälfte abgebaut05.04.2017

HRE-Bad Bank FMSAltlasten zur Hälfte abgebaut

Die FMS Wertmanagement soll die Wertanlagen der abgewickelten Hypo Real Estate veräußern - und das Abbau-Geschäft läuft gut. Vorstandschef Stephan Winkelmeier verspricht: Es werden keine Vermögenswerte verbrannt. Doch der Erfolg der FMS hängt auch von der Stabilität der politischen Weltlage ab.

Von Michael Watzke

Ein Schild der Firma FMS Wertmanagement, die die sogenannte Bad Bank der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate ist. (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)
Die Firma FMS Wertmanagement ist die sogenannte Bad Bank der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)
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Stephan Winkelmeier, der Chef der FMS Wertmanagement, war mal ein Banker. Jetzt ist er ein Anstaltsleiter. Denn die FMS ist keine Bank, sondern eine Anstalt öffentlichen Rechts. Oder, wie Winkelmeier sagen würde: "Wir sind ein Abbau-Institut." Umso erstaunlicher, dass die Bilanzsumme der FMS im letzten Jahr gestiegen ist. Um sechs Milliarden auf 177 Milliarden Euro. Wie kann das sein bei einem Abbau-Institut, dessen Aufgabe es ist, die Wertanlagen der abgewickelten Hypo-Real-Estate-Bank zu veräußern?

"Liegt im Wesentlichen an zwei Dingen. Zum einen haben wir von der Depfa Vermögenswerte zu uns übernommen. Anders, als es bei ihrer regulären Berichterstattung zu Kreditinstituten ist, ist die Depfa nicht konsolidiert."

"Taxpayer break even" in vier Jahren?

Die Depfa, jene irische Tochterbank der Hypo Real Estate, die 2008 das Milliarden-Debakel rund um den damaligen Bankchef Georg Funke erst ausgelöst hat. Der deutsche Staat musste die HRE und die Depfa mit Steuergeldern retten - was jeden einzelnen Bundesbürger mehr als 200 Euro gekostet hat. Das Geld wird nicht zurückkommen. Aber wenigstens steuert die FMS bei der Depfa auf einen sogenannten "taxpayer break even" zu. Das heißt, in vier Jahren will Winkelmeier das eingesetzte Steuergeld für die Depfa-Übernahme wieder raushaben:

"Das untersteht logischerweise der Bankenaufsicht in Irland. Jede Kapitalausschüttung ist dort logischerweise genehmigungspflichtig. Insofern ist das auf der einen Seite wishful thinking. Aber wir werden alles tun, um die Voraussetzungen zu schaffen, das hinzukriegen."

Stille Lasten von rund 20 Milliarden Euro

Im letzten Jahr sind die Abbau-Geschäfte der FMS erstaunlich gut gelaufen. Die Anstalt hat ihr Portfolio gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent reduziert. Gegenüber 2010 hat sie es sogar halbiert - auf 89 Milliarden Euro. Aber was jetzt noch im Keller liegt, ist schwerer zu entsorgen. Da sind zum einen sogenannte "strukturierte Produkte" aus den USA, zum Beispiel Studenten-Kredite. Da sind zum anderen Anleihen aus dem öffentlichen Sektor in Italien und Großbritannien. Zwei Ländern, die im vergangenen Jahr Schlagzeilen machten - mit dem Brexit und der Ablehnung  politischer und wirtschaftlicher Reformen  durch die italienische Bevölkerung. Und dann sind da noch die ominösen "stillen Lasten", also Assets, die stark von der Zins- und Inflations-Entwicklung abhängen.

"Im Moment liegen wir bei stillen Lasten von rund 20 Milliarden. Die immer nur dann eintreten, wenn wir - Stand heute - die Vermögenswerte verkaufen. Halten wir die Vermögenswerte bis zum Ende, gleichen die sich aus."

Abhängig von politischer Stabilität

Nur - manche Wertanlagen im FMS-Portfolio laufen bis ins Jahr 2078. Solange wird es die FMS nicht geben. Denn irgendwann sind die Kosten der Abwicklung höher als die Einnahmen. Winkelmeier schätzt, dass die FMS zwischen 2025 und 2030 ihre Arbeit abschließen kann. Sein Versprechen:

"Wir werden auf keinen Fall Vermögenswerte verbrennen."

Hoffentlich. Vor neun Jahren hatte HRE-Chef Funke eine ähnliche Aussage getätigt. Mit bekanntem Ausgang. Weswegen Funke derzeit auf der Anklagebank des Landgerichts München sitzt. Ob die FMS am Ende erfolgreich ist, hängt vor allem davon ab, wie stabil die wirtschaftliche und politische Lage in den USA, Großbritannien und dem Rest der Welt bleibt. 

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