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StartseiteCampus & KarriereBundesweit erstes Nachhaltigkeitsbüro12.12.2014

Humboldt-Universität BerlinBundesweit erstes Nachhaltigkeitsbüro

Ein "Studium Ökologikum", das irgendwann an der Berliner Humboldt-Universität angeboten werden soll, ist eines der Ziele des studentischen Nachhaltigkeitsbüros an der HU-Berlin: Ein Lehrangebot zu nachhaltigen Themen, das für alle Studierende offen ist, egal ob sie in Pädagogik, Mathemathik oder Medizin eingeschrieben sind.

Von Verena Kemna

"Das Thema Nachhaltigkeit, das kennen wir schon, aber das Projekt an der HU, habe ich auch leider noch nichts von gehört bis jetzt.  Ich bin hier grad erst neu an der Uni, ich weiß davon noch nichts. Nee, ich habe noch nichts davon gehört, aber bei mir poppen jetzt gerade ganz viele Fragen auf, inwieweit nachhaltig, ob es um Ideen geht, ob es um Nachhaltigkeit in der Hardware geht, also Papierressourcen, oder ob es um eine Ideenwerkstatt geht, die zu Nachhaltigkeit arbeitet, das würde mich tatsächlich mal sehr interessieren."

Viviana Wiegleb, Josef Kaiser und Jonas Müller kennen solche Kommentare. Wie immer am Montagabend sitzen sie in einem kargen Raum an der Berliner Friedrichstraße. Laptops stehen auf dem Tisch, in der Ecke stapeln sich Kisten mit Wasserflaschen. Seit einem Jahr finanziert die Berliner Humboldt- Universität das kleine Büro, etwa zehn Studierende treffen sich dort regelmäßig in ihrer Freizeit. Viviana Wiegleb ist im achten Semester ihres Masterstudiums am Geographischen Institut. Mensch-Umweltsysteme sind ein Schwerpunkt in ihrem Geographiestudium, inhaltlich nicht weit entfernt von ihrem Engagement für das Nachhaltigkeitsbüro. Wieviel Strom, wieviel Wärme verbraucht das geographische Institut? Wie lassen sich die Daten beschaffen? Fragen, die Viviana Wiegleb gerade beschäftigen.:

"Da wollen wir dann die Trends analysieren und auch Einsparmaßnahmen aufweisen. Im zweiten Schritt versuchen wir auch so kleine Teilprojekte zu machen, also selber zu quantifizieren wieviel zum Beispiel an IT verbraucht wird am geographischen Institut und wie da die Peakzeiten sind und so."

Bevor etwa an Strom und Papier gespart werden kann, heißt es, Daten beschaffen und analysieren. Langfristig wollen die Studierenden vom "Nachhaltigkeitsbüro" nicht nur die Verwaltung, sondern auch Lehre und Forschung nachhaltiger gestalten. Auch der Studierende Jonas Müller ist von Anfang an dabei. Der Masterstudierende im Fach Europäische Ethnologie brütet gerade über dem "Studium Ökologikum", das vielleicht irgendwann einmal an der Berliner Humboldt-Universität angeboten wird. Vorbild ist ein interdisziplinärer Studiengang an der Universität Tübingen.

"Das bedeutet, man schafft ein Angebot an Lehre zu nachhaltigen Themen das für alle Studierenden offen ist, ob jetzt Pädagogik, Mathe oder Medizin."

Jonas Müller weiß, dass die Wege der Bürokratie im Verwaltungsapparat der Hochschule kompliziert und langwierig sind. Doch positive Rückmeldungen von immer mehr Studierenden und Professoren machen ihm und den anderen Mut. Eine Ringvorlesung zum Thema Nachhaltigkeit ist im nächsten Frühjahr geplant.

Ringvorlesung zum Thema Nachhaltigkeit geplant

"Die von Forschenden und Lehrenden der Humboldt- Universität bestritten wird, auch um deutlich zu machen, dass an der Humboldt-Universität sehr viel gute Forschung rund um Nachhaltigkeit passiert, die aber bisher ohne großen Fokus der Universität nebenher laufen."

Workshops, Übungen und Diskussionen sollen die Ringvorlesung begleiten. Viele Projekte stehen im Nachhaltigkeitsbüro auf der To-do-Liste. Zum Beispiel der Aufbau einer Food-Coop. Die Idee ist, dass Studierende sich bei Landwirten aus der Region Bio-Lebensmittel bestellen und an die Hochschule liefern lassen. Auch das sogenannte Filmprojekt ist noch nicht viel mehr als eine Idee: Geplant sind spannende Filme zum Thema Nachhaltigkeit mit anschließender Diskussion. Joseph Kaiser, Geographiestudent im fünften Semester nickt.

"Hauptsächlich ist es, dass man Projekte erstmal initiiert, dass man erstmal zeigt, wir können bestimmte Dinge umsetzen, in der Praxis und dann auch sichtbar und das ist so ein Türöffner, dass andere Personen auch sehen, die wollen tatsächlich was tun, die sind nicht nur hier, um zu reden, sondern ganz konkret Projekte umzusetzen und viele Studierende da zu vereinen."

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