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StartseiteKultur heuteOrganisatorisches Chaos im Stadtschloss29.11.2017

Humboldtforum in Berlins MitteOrganisatorisches Chaos im Stadtschloss

In nur zwei Jahren soll Berlins kulturelles Prestigeobjekt auf der Museumsinsel eröffnen. Doch strukturell herrscht noch großes Durcheinander am Humboldtforum. Offenbar fehlt es weiterhin an einer klaren Führungsstruktur.

Von Christiane Habermalz

Tag der offenen Baustelle beim Humboldt-Forum (imago stock&people / Seeliger)
Tag der offenen Baustelle beim Humboldt-Forum (imago stock&people / Seeliger)
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Wenn Viola König, die langjährige Direktorin des Ethnologischen Museums in Berlin, Ende des Jahres in den Ruhestand geht, wird mit ihr auch ihre Funktion verschwinden. Denn künftig wird ihr Haus mit dem Museum für Asiatische Kunst zusammengelegt werden. Beide Häuser werden künftig über einen Sammlungsdirektor im Humboldtforum repräsentiert werden. Was nicht ausgestellt wird, das sind über 90 Prozent der Objekte, soll in einem Forschungscampus in Dahlem verbleiben. Leitung? Unklar. Wie so vieles derzeit am Humboldtforum und in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Wer wird die Ausstellungen im künftigen Weltmuseum im Schloss kuratieren?  Der neu zu bestellende "Sammlungsdirektor"? Die Gründungsintendanz? Oder die "Humboldtforum Kultur GmbH", der die Dahlemer Museen vorwerfen, sie würde in ihren schon erarbeiteten Konzepten herumfuhrwerken?

"Der Intendant wird natürlich mit Kuratoren aus allen Partnern arbeiten. Und für unterschiedliche Wechselausstellungen wird es natürlich unterschiedliche Teams geben", sagt Gründungsintendant Neil MacGregor. Die Partner – das sind die Dahlemer Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Letztere sucht derzeit fieberhaft nach einem leitenden Kurator für ihren Auftritt im Humboldtforum, das so genannte "Humboldt-Lab".

Rolle des Landes Berlin noch offen

Wie die Zusammenarbeit mit Berlin aussehen wird, ist noch gänzlich offen.  Kultursenator Klaus Lederer ist bislang wenig gewillt, sich einer Gesamtleitung unterzuordnen. Denn Grütters sucht ab 2019 einen zentralen Intendanten für das Haus.

"Verstrickung als Prinzip" nannte die Süddeutsche Zeitung die labyrinthische Struktur von Zuständigkeiten im Humboldtforum – und vermutete, diese diene nur dazu, Kulturstaatsministerin Monika Grütters den Zugriff auf das künftige Weltkulturmuseum zu verschaffen. Grütters weist das zurück.

"Ich als Politikerin habe da keine Aktien im Spiel, sondern ich helfe mit, dass der Intendant oder die Intendantin größtmögliche Freiheit, aber natürlich auch Autorität hat, in diesem Haus etwas für ein Publikum wahrnehmbares großes Ganzes zu gestalten."

Führungsfragen weiterhin ungeklärt

Seit langem versucht Grütters zusammen mit MacGregor, das Humboldtforum mit einer klareren Führungsstruktur auszustatten. Das ist auch zwingend notwendig, wenn das riesige Haus einmal mehr sein soll als die Summe seiner Teile, als der Gemischtwarenladen, als der er in der Presse immer kritisiert wurde. Als die Gründungsintendanz um MacGregor vor zweieinhalb Jahren berufen wurde, existierte das Humboldtforum nur als Bauprojekt.

"Richtig ist, beim Humboldt-Forum mussten wir eine Kultur GmbH schaffen, weil es vorher ja nur das Gefäß für das Gebäude gab. Es gab nur die Stiftung, die zur Errichtung des Gebäudes gegründet wurde. Und als ich ins Amt kam gab es noch nicht einmal eine rechtliche Organisationseinheit für die Inhalte."

Hoffnungsträger Kultur GmbH?

Für Neil MacGregor ist die Kultur GmbH nicht das Problem, sondern die Lösung, damit das Humboldtforum später als eigenständige Institution überhaupt handlungsfähig wird.

"Die Kultur GmbH existiert, um die Entscheidungen des Intendanten umzusetzen. Die Kultur GmbH ist das Team, das für den kulturellen Betrieb des Hauses zuständig sein wird, und die Leute werden natürlich diese Arbeit nach 2019 weiter machen. Genau deshalb sind sie da."

Doch nun fühlen sich die Dahlemer Kuratoren gegängelt, weil die Kultur GmbH, die eigentlich das kulturelle Programm im Erdgeschoss vorbereiten soll, zunehmend auch in ihre Ausstellungskonzepte hineinregiere. 350 Mitarbeiter soll die GmbH bis zu ihrer Eröffnung im Jahr 2019 haben. Das gesamte Ethnologische Museum in Dahlem hat dagegen nur 44. Werden die professionellen Museumsleute entmachtet?

"Die Museen bleiben in ihrer Einheit autark, und es soll aber, weil das sinnvoll ist, in Bezug auf das Humboldtforum, eine Direktion geben, die für beides zuständig ist", erklärt Lavinia Frey. Die vormalige Theaterfrau ist Geschäftsführerin der Kultur GmbH. 350 Mitarbeiter? Die Zahl hält sie für realistisch.

"Frau Grütters hat immer davon gesprochen, dass wir ausgestattet werden wie ein großes Opernhaus. Und große Opernhäuser haben eigentlich noch viel mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Also, die Zahl ist in Evaluation."

Viel Zeit für Evaluationen bleibt dem Humboldtforum nicht mehr, um seine Struktur zu finden. Bis zur Eröffnung sind es gerade mal noch zwei Jahre.

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