
Die Huthi-Rebellen im Jemen haben in den vergangenen Tagen alle vier Inseln in der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab sowie die Hafenstadt Mokka erobert. Damit kontrolliert die vom Iran unterstützte Miliz nun die gesamte Küste des Landes zum Roten Meer. Dadurch hat sie noch mehr Einfluss auf die Schifffahrt in der Region und den internationalen Handel. Insbesondere die Ölexporte Saudi-Arabiens sind massiv gefährdet.
Tatsächlich haben sich sowohl die Huthi als auch die Truppen der sogenannten international anerkannten Regierung des Jemen monatelang auf die Konfrontation vorbereitet. Sie steht im Kontext des großen geopolitischen Konflikts zwischen den USA mit ihren Verbündeten und dem Iran.
Die Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab
Die Huthi-Miliz hat die Westküste des Jemen erobert und damit die jemenitische Seite der wichtigen Meerenge Bab al-Mandab, auf Deutsch „Tal der Tränen“. Nach der Straße von Hormus befindet sich nun eine zweite strategisch wichtige Meerenge in der Golfregion unter Kontrolle des Iran, wenn auch indirekt. Denn die Huthis gelten als Verbündete des Mullah-Regimes in Teheran.
Die Schifffahrtsroute durch Bab al-Mandab verbindet den Indischen Ozean mit dem Roten Meer und dem Suez-Kanal und ist besonders für den Export von saudi-arabischem Öl bedeutend. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Kriegs hat die Meerenge zwischen der saudischen Halbinsel und Afrika zusätzlich an Bedeutung gewonnen.
Die Huthi und der Machtkampf im Jemen
Die Huthi sind Verbündete des Iran, wenn es um den geopolitischen Konflikt zwischen den USA und dem schiitischen Regime in Teheran geht. Als Zaiditen gehören die Huthi ebenfalls einer schiitischen Glaubensrichtung des Islam an. Ihre eigene Agenda zielt darauf, die Macht über den gesamten Jemen zu übernehmen. Seit 2004 kämpfen die Huthi gegen die Regierung des Landes, 2014 eroberten sie die Hauptstadt Sana'a.
Im Jahr 2015 griff Saudi-Arabien als regionale sunnitische Großmacht und Unterstützer der sogenannten international anerkannten Regierung im Jemen in den Konflikt ein. Als Teil einer internationalen Koalition führte Riad einen brutalen Krieg gegen die Huthi, um der gestürzten Regierung des Jemen und ihrem sunnitischen Staatschef wieder ins Amt zu verhelfen. Im Zuge dessen errichtete die Militärkoalition eine Land- und Seeblockade, die im Zeitraum 2018/2019 zu einer massiven Hungerkatastrophe im Jemen führte. An den Folgen starben bis zu einer halben Million Menschen.
Der für Saudi-Arabien teure und letztlich erfolglose Krieg führte dazu, dass die Huthi und der Iran ihre Zusammenarbeit verstärkten. 2023 kam es zu einer durch den Oman vermittelten Annäherung zwischen Riad und der Rebellenmiliz.
Warnung vor "katastrophalen" Folgen
Die Übernahme von Bab al-Mandab bedeutet nun eine neuerliche Eskalation, mit der sich die Huthi wieder gegen Saudi-Arabien wenden. Huthi-Sprecher versicherten, keine Blockade errichten und keine internationalen Schiffe angreifen zu wollen – mit einer Ausnahme: Frachter mit saudischem Öl werden von den Huthi beschossen, um sie an der Passage der Meerenge zu hindern. Das hat nicht nur schwerwiegende Folgen für Saudi-Arabien, sondern auch für die globale Wirtschaft.
Denn das saudische Königreich ist der weltweit wichtigste Rohöl-Exporteur. Saudi-Arabien hatte nach Beginn des US-Iran-Krieges und der Blockade der Straße von Hormus eine Ausweichroute für den Ölexport entwickelt. Das Öl wurde über eine Pipeline quer durch Saudi-Arabien gepumpt, vom Persischen Golf zum Roten Meer in die Hafenstadt Yanbu an der Westküste des Landes. Von Yanbu wurde es dann durch die Meerenge Bab al-Mandab vor allem Richtung Asien - nach China, Indien, Japan und Südkorea - verschifft.
Damit ist nun vorerst Schluss. Denn auch die Pipeline ist unter Beschuss geraten. Am vergangenen Wochenende (12./13.9.) attackierten mutmaßlich pro-iranische Milizen sie aus dem Irak heraus. Die irakische Regierung verurteilte den Angriff und ordnete eine Untersuchung an. Saudi-Arabien musste den Öltransport über die Pipeline einstellen. Bis der Schaden repariert ist, kann es Wochen dauern.

Das Golfemirat Katar warnte vor "katastrophalen" Folgen, sollte die von der Huthi-Miliz kontrollierte Meerenge Bab al-Mandab für die Schifffahrt geschlossen werden. "Die Welt leidet schon genug durch die Schließung der Straße von Hormus, deshalb können wir es uns nicht leisten, auch noch Bab al-Mandab mit in diese Gleichung aufzunehmen", sagte ein Vertreter des Außenministeriums in Doha vor Journalisten.
Saudi-Arabien scheut erneuten Krieg gegen die Huthi
Offenbar haben die Huthi die Gelegenheit genutzt, dass Saudi-Arabien durch den Konflikt zwischen dem Iran und den USA abgelenkt war, um ihren Machtbereich im Jemen auszubauen. Riad reagiert bislang mit Luftangriffen auf Huthi-Stellungen. Vor dem Risiko eines neuerlichen kostspieligen Krieges mit der Rebellenmiliz schreckt das Königreich nach Einschätzung von ARD-Korrespondent Moritz Behrendt jedoch zurück.
Vision eines Paktes der Golfstaaten
Nachgedacht wird in Saudi-Arabien dagegen über neue Formen der kollektiven Sicherheit, zumal sich die USA nicht als zuverlässiger Partner erwiesen haben. Experten haben schon länger die Idee einer größeren regionalen Kooperation ins Gespräch gebracht. Diese solle neben den arabischen Staaten auch den Iran und möglicherweise sogar Israel mit einbeziehen. Das scheint derzeit wenig realistisch, aber immerhin gibt es zwischen Teheran und fast allen arabischen Golfstaaten Gesprächskanäle, trotz der massiven iranischen Angriffe auf seine Nachbarn.
Einigkeit darüber, wie künftig der Schiffsverkehr in der für den Welthandel so wichtigen Meerenge geregelt werden soll, gibt es jedoch nicht. Das heißt auch, mit einem sinkenden Ölpreis ist so schnell nicht zu rechnen, und auch Frieden in der Region bleibt vorerst unwahrscheinlich.
Onlineartikel: Tina Hammesfahr/Quellen: Deutschlandfunk, Agenturen













