Sonntag, 18.08.2019
 
StartseiteUmwelt und VerbraucherIAEA stellt Stresstest für japanische Atomkraftwerke vor31.01.2012

IAEA stellt Stresstest für japanische Atomkraftwerke vor

Ein Mission der Internationalen Atomenergieagentur hat die Stresstests bewertet, denen sich die japanischen Atomkraftwerke unterziehen mussten. Die Fachleute raten dem Land zum Einsatz neuerer, international akzeptierter Sicherheitsstandards.

Von Peter Kujath

Im neuen Energiekonzept für Japan könnte die Atomkraft nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen.  (picture alliance / dpa - Hans Wiedl)
Im neuen Energiekonzept für Japan könnte die Atomkraft nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. (picture alliance / dpa - Hans Wiedl)

Derzeit sind noch 3 der 54 Atomreaktoren in Japan am Netz. Bis Ende April werden auch diese wegen regulärer Check-ups abgeschaltet sein. Dann produziert Japan keinen Atomstrom mehr. Normalerweise können die zur Überprüfung angehaltenen Kernkraftwerke nach einer Reihe von Tests schnell wieder hochgefahren werden. Der Atomunfall in Folge der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom 11. März hat die Gemeinden, in deren Nähe die AKWs stehen, aber vorsichtig werden lassen. Ein ungeschriebenes Gesetz sieht vor, dass der Bürgermeister seine Zustimmung erteilen muss, ehe ein Atomreaktor wieder ans Netz gehen darf.

Um die Sicherheit der Kernkraftwerke zu untermauern, hatte sich Japan entschieden, Stresstests durchzuführen und lud wenig später die IAEA ein, die Internationale Atomenergiebehörde. Zum Abschluss ihrer neuntägien Mission fand heute der Leiter, James Lyons, lobende Worte und erklärte, dass die Tests im Einklang mit den IAEA-Standards stehen. Die Aussage kommt nicht überraschend, da die japanischen Stresstests sich an dem europäischen Vorbild anlehnen. Allerdings gibt es seitens der IAEA-Mission elf Vorschläge und vier Empfehlungen wie die japanische Methodik verbessert werden kann.

"Wir waren in der Lage, einige zusätzliche Bereiche aufzuzeigen, wo sie ihre Prozesse verbessern können. Das beinhaltet auch den Einsatz von neuerer, international akzeptierter Sicherheitsstandards. Die japanische Seite hat in ihrer Diskussion mit uns angezeigt, dass sie die neuen Standards verwenden will und wir sind zuversichtlich, dass sie gute Arbeit in ihrer zweiten Einschätzungsrunde machen werden."

Die Energiekonzerne und Kraftwerksbetreiber in Japan haben die Atomkraftwerke auch auf ihre Eignung hin geprüft, größeren Erdbeben und höheren Tsunamis widerstehen zu können als gesetzlich vorgeschrieben. Für die Anlagen am Japanischen Meer in der Präfektur Fukui hat Kansai Electric herausgefunden, dass das AKW Oi auch bei einem 11,4 Meter hohen Tsunami keinen Schaden nehmen würde. Das ist vier Mal die Höhe, die nach bisherigen, wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Tsunami dort erreichen könnte. Die IAEA-Mission hatte das AKW direkt in Augenschein genommen und dort einer Katastrophenübung beigewohnt. Anschließend betonte James Lyons im japanischen Fernsehen, dass man gebeten worden sei, diese Mission durchzuführen. Aber man sei nicht verantwortlich, ob die Anlagen wirklich sicher sind.

Das ist insofern wichtig, als die japanische Regierung gerne seitens einer internationalen Einrichtung das Okay für die Sicherheit ihrer Atomanlagen erhalten würde. Das, so die Einschätzung, würde helfen, die Gemeinden vor Ort zu überzeugen. Denn die haben kaum mehr Vertrauen in die nationale Regierung.

14 Stresstests auf Basis einer Computersimulation sind bisher durchgeführt worden, zwei wurden offiziell der japanischen Nuklearen Aufsichtsbehörde vorgelegt. Bis Mitte Februar will diese die Ergebnisse der Tests wie der IAEA-Mission bewerten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass am Ende die Genehmigung einer Wieder-Inbetriebnahme stehen wird. Ob das allerdings auch die Gemeindemitglieder und ihre gewählten Vertreter überzeugen wird, bleibt abzuwarten.

Im Juli will die japanische Regierung ein neues Energiekonzept für ihr Land vorlegen. Darin könnte die Atomkraft nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Ein sofortiger Ausstieg ist nicht zu erwarten. Die Kansai-Region mit der Metropole Osaka befürchtet wegen des Ausfalls der Atomkraft Stromengpässe im Sommer und Tepco, Tokyo-Electric, hat bereits Strompreiserhöhungen angekündigt, um die gestiegenen Kosten für den Bezug von Öl und Gas abzudecken. Mittel- und langfristig ist aber damit zu rechnen, dass Japan stärker auf Wind- und Solarenergie sowie Geothermal-Kraftwerke setzen wird.


Zum Sammelportal "Katastrophen in Japan"

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk