USA
Minneapolis: Protest nach tödlichem Einsatz von Einwanderungsbehörde ICE - Erzbischof ruft zu Ruhe auf

Nach einem tödlichen Einsatz von Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in Minneapolis wird in den Vereinigten Staaten kontrovers über den Vorfall diskutiert. Der katholische Erzbischof von Saint Paul und Minneapolis, Hebda, rief zu Besonnenheit und Mitmenschlichkeit auf.

    Minneapolis: Menschen nehmen an einem Protest und einer Mahnwache teil, nachdem ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE eine Frau erschossen hat.
    Protest in Minneapolis: Frau starb durch Schüsse eines ICE-Beamten. (Christopher Katsarov / The Canadia / dpa / AP)
    Das gelte für gewählte Amtsträger und jene, die mit der Durchsetzung der Gesetze betraut sind, sagte Hebda. Während US-Präsident Trump den Schützen verteidigte, kritisierte der demokratische Gouverneur des Bundesstaates, Walz, den Republikaner Trump für eine Regierungsführung, die darauf ausgelegt sei, "Angst, Schlagzeilen und Konflikt zu erzeugen". Nach dem tödlichen Vorfall kam es zu Protesten am Tatort und in anderen US-Städten.

    Trump äußert sich zu Video

    Nach Angaben der Polizei befand sich eine 37-Jährige in ihrem Auto und blockierte eine Straße in der Großstadt Minneapolis im Norden der USA, als sich ein ICE-Beamter zu Fuß näherte. Der Wagen setzte sich demnach in Bewegung, woraufhin mindestens zwei Schüsse fielen.
    Im Internet wurde ein Video zu dem Einsatz veröffentlicht. Trump schrieb dazu, aus seiner Sicht zeige das Video, wie die ​Frau ​einen ICE-Beamten "gewaltsam, vorsätzlich und bösartig überfahren" habe. Dieser habe ​sie offenbar in Notwehr erschossen.
    US-Heimatschutzministerin Noem sprach auf einer Pressekonferenz von einem "defensiven" Schusswaffeneinsatz. Die Frau wurde am Kopf getroffen und im Krankenhaus für tot erklärt. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf das Büro der demokratischen Senatorin Smith, bei dem Todesopfer handele es sich um die Ehefrau eines prominenten Aktivisten.

    Stadt widerspricht der Darstellung

    Die Stadt Minneapolis widersprach der Darstellung der Bundesbehörde. Der demokratische Bürgermeister Frey warf ihr vor, die Lage eskaliert zu haben. Er forderte die Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde auf, die Stadt umgehend zu verlassen. Am Tatort versammelten sich hunderte Menschen. Sie standen dabei zum Teil schwer bewaffneten Bundesbeamten gegenüber, die Reizgas einsetzten.

    Gouverneur warnt vor Propaganda

    Wie die "New York Times" berichtet, warnte der demokratische Gouverneur von Minnesota, Walz, vor Propaganda. Demnach sagte Walz in einer Pressekonferenz, die Schießerei sei vorhersehbar gewesen. Die gefährlichen, sensationslüsternen Operationen der Trump-Regierung stellten eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit dar.

    Immer wieder Protest gegen ICE-Einsätze in den USA

    Die Ermittlungen übernahmen mehrere Strafverfolgungsbehörden, darunter die Bundespolizei FBI. Hintergrund des ICE-Einsatzes in Minneapolis sind Betrugsvorwürfe ​gegen somalische Einwanderer.
    ICE-Einsätze sind ein wichtiger Bestandteil der Abschiebepolitik der Regierung unter Präsident Trump. Die Razzien der Behörde gegen Migranten führen in vielen demokratisch regierten Städten zu Protesten.
    Bereits im Jahr 2020 hatte die Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis eine Vielzahl an Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt im gesamten Land ausgelöst.
    Diese Nachricht wurde am 08.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.