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"Ich schreibe für jetzt und hier"

Die argentinische Literatur floriert, das lässt sich in diesem Jahr der zahlreichen Neuerscheinungen beobachten, wie seit Jahrzehnten nicht. Claudia Piñeiro, Samanta Schweblin und Pedro Mairal sind dafür glänzende Beispiele.

Von Eberhard Falcke | 04.10.2010

    "Dieses ganze System ist zerbrechlich, das ist das Gefühl. Es könnte zu Ende gehen, das Römische Reich ist auch untergegangen. Das passierte hier 2001. Das Geld, das auf der Bank war, war weg. Es begann der Tauschhandel, es entwickelten sich ganz ungewöhnliche Formen. Und persönliche Schicksale veränderten sich sehr schnell, Minitragödien in höchster Geschwindigkeit, als würde sich die Zeit in der Krise ungeheuer beschleunigen. Wir hatten fünf Präsidenten in zehn Tagen."

    Es ist unmöglich, nicht von Krisen und Zusammenbrüchen zu sprechen, wenn es um Argentinien geht. Andererseits möchte Pedro Mairal, Jahrgang 1970, das geläufige Bild vom krisengeschüttelten Land keineswegs weiter ausmalen, sondern lieber die konstruktiven Energien hervorheben, die ebenfalls reichlich vorhanden sind. Beide Aspekte treffen sich in der häufig halb stolz und halb schaudernd getroffenen Feststellung, dass in Argentinien die Wirklichkeit die literarische Erfindung meist überbiete. Diese Ansicht ist besonders beliebt bei Angehörigen der schreibenden Zunft und kann auch als ein Grund für die landestypische Neigung zur poetischen Fantastik gelten.

    Historisch und politisch betrachtet bedeutete der Erfindungsreichtum der Wirklichkeit jedoch nichts Gutes. Von 1930 bis 1976 lag über dem Land der Fluch der Staatsstreiche, wie Beatriz Sarlo, Diagnostikerin der argentinischen Gesellschaft, bilanziert. Doch auch nach dem Ende der Militärdiktatur 1983 blieben die Zeiten bewegt.

    Auch die Hyperinflation der achtziger und die wirtschaftlichen Umwälzungen der neunziger Jahre waren nicht gerade ein Vorteil für den legendären Literaturstandort Buenos Aires. Das alles ist nun im Jahr des Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse ganz anders. Da präsentiert sich in großer panoramatischer Breite eine außerordentlich lebendige Literatur- und Verlagsszene. Und damit treten Schriftstellergestalten hervor, die, wie hierzulande auch, von ganz anderen Wirklichkeiten geprägt sind als ihre übergroßen Vorväter aus dem vergangenen Jahrhundert. Claudia Piñeiro zum Beispiel:

    "Ich habe als Buchhalterin gearbeitet, viele Stunden am Tag. Eines Tages flog ich nach Sao Paulo. Das ist eine riesige Stadt, wenn man dort alleine ist und arbeitet, fühlt man sich komplett verloren. Ich war unterwegs, um eine Inventur von Schrauben und Muttern in Sao Paulo zu machen, ich war deprimiert, weil ich mich lieber mit dem Schreiben beschäftigt hätte. Da sah ich in der Zeitung die Ankündigung eines literarischen Wettbewerbs des Verlages Tusquets. Ich sagte mir, gut, jetzt reicht es, wenn ich zurück bin, nehme ich mir eine Auszeit und schreibe einen Roman für diesen Wettbewerb."

    Claudia Piñeiro, Jahrgang 1960, war nicht unvorbereitet, sie hatte schon Schreibwerkstätten mitgemacht, und tatsächlich schaffte sie es bei diesem Wettbewerb 1991 in die Endrunde. Damals hat sie das Schreiben zum Beruf gemacht, sie arbeitete für Film, Fernsehen und Presse, schrieb Theaterstücke und erntet inzwischen als Romanautorin große Anerkennung.
    Auch Samanta Schweblin, geboren 1978, sammelte, bevor sie sich ganz aufs Schreiben verlegte, schon in der Geschäftswelt Erfahrungen. Sie allerdings hatte großen Spaß dabei. Ihre Agentur für Webdesign war schließlich eine eigene Schöpfung:

    "In fünf Jahren brachte ich es auf zwei feste Angestellte bei mir im Wohnzimmer, ein Büro traute ich mich nicht zu mieten, und zwei weitere, die frei arbeiteten. Wir waren fünf in der Firma. Als die Stadtregierung von Buenos Aires meine Website konsultierte, dachten sie, ich wäre ein riesiges Unternehmen. Dabei haben wir immer bei mir zuhause im Wohnzimmer gearbeitet. Das war toll! Ich ging zu Besprechungen wie eine Femme fatale des Wirtschaftslebens, mit meinem Notebook. Das war wie eine große Fiktion, es war unglaublich. Ich habe wirklich viel Geld gemacht."

    Pedro Mairal hingegen setzte von vornherein auf das Schreiben als Beruf. Da aber finanzielle Förderungen für junge Autoren in Argentinien viel spärlicher fließen als hierzulande, brauchte auch er ein Geschäftsmodell für den Broterwerb:

    "Als ich Literatur studierte, sagten alle, ich würde sicher einmal am Hungertuch nagen. Tatsächlich aber habe ich nur ein einziges Mal Arbeit suchen müssen. Ich bot Schreibkurse an der Universität an, außer der Reihe. Diese Kurse führten dazu, dass man mich beauftragte, Anwälte einer Kanzlei im Schreiben zu unterrichten. Das habe ich elf Jahre gemacht. Es war eine schöne Arbeit, halbtags, und die andere Tageshälfte blieb mir, um meine Sachen zu schreiben."

    Claudia Piñeiro, Samanta Schweblin und Pedro Mairal sind sehr geeignet, sowohl die Verhältnisse als auch die Vielfalt der heutigen argentinischen Literaturszene zu repräsentieren. Die Klassiker wie Borges und Cortázar sind ihnen präsent und wichtig, und doch kann es keinen Zweifel geben, dass die Welt und die Erfahrungsweisen, über die heute geschrieben wird, vollkommen andere sind. Claudia Piñeiros realistische Romane handeln von bürgerlichen Existenzen der argentinischen Mittelschicht, so wie sie sich in den letzten zwanzig Jahren herausgebildet haben. Samanta Schweblins Erzählungen stehen in der Tradition der fantastischen Kurzgeschichte, wie sie als argentinische Domäne gilt, doch in ihrer Ausformung mischen sich archetypische mit ganz gegenwärtigen Sichtweisen. Und Pedro Mairal macht in seiner vielschichtigen Erzählkunst den Wandel der Zeiten selbst zum Thema. Die neuen Autorengenerationen bekennen sich unbefangen zu ihren Positionen, ohne den Größen der Vergangenheit hinterherzuschreiben.

    Claudia Piñeiro ist in Argentinien die gegenwärtig wohl beste literarische Analytikerin mittelständischer Befindlichkeiten:

    "Wer von der Gesellschaft, in der er lebt, erzählen will, muss von den Verbrechen erzählen, die dort begangen werden. Und um ein Verbrechen zu verstehen, muss man die Gesellschaft verstehen. Mich interessiert das Thema der Bourgeoisie sehr und die Heuchelei in bestimmten sozialen Gruppen, die Scheu, Verantwortung für das zu übernehmen, was in bestimmten Kreisen passiert."

    In ihrem Roman "Die Donnerstagswitwen" erzählt Claudia Piñeiro von den Kreisen der Neureichen, die im kurzen neoliberalen Boom der Menem-Jahre zu Geld gekommen sind und sich in dem Wohlstandsreservat einer bewachten Wohnanlage gegen die sozialen Wirklichkeiten abschotten:

    Altos de la Cascada heißt die Siedlung, in der wir wohnen. Wir alle. Altos de la Cascada ist eine Privatsiedlung, ringsherum zieht sich ein Drahtzaun, verborgen hinter allen möglichen Sträuchern. Hier gibt es einen Golfplatz, Tennisplätze, ein großes Schwimmbad und zwei Klubhäuser. Und private Security. Ein gut zweihundert Hektar großes geschütztes Gebiet, zu dem man nur mit Genehmigung Zutritt erhält.
    Wer so wie wir nach Altos de la Cascada zieht, behauptet, es gehe ihm darum, "im Grünen" zu sein, um ein gesundes Leben, Sport, Sicherheit. Hinter diesem Vorwand verstecken wir uns, auch vor uns selbst, um nicht eingestehen zu müssen, weshalb wir in Wirklichkeit hergekommen sind. Und irgendwann wissen wir es dann selbst nicht mehr.


    Alles in bestens bewachter Ordnung also, bis draußen vor den Toren plötzlich die Wirtschaft zusammenbricht und die Krise von 2001 das Land erschüttert. Da werden am Morgen nach dem donnerstäglichen Männerabend drei der örtlichen Alphatiere tot im Swimmingpool gefunden. Trotzdem gilt im Falle der "Donnerstagswitwen" nicht: Wo sich Leichen finden, da muss auch Krimi sein. Als Krimi wäre dieser Roman schwach, als Gesellschaftsroman jedoch hat er beachtliche Qualitäten. Denn Claudia Piñeiro, die selbst in so einer Privatsiedlung wohnt, durchleuchtet die Regeln, Vorlieben, Ängste und Obsessionen der Bewohner genau.

    "In den neunziger Jahren, der Zeit, von der mein Roman erzählt, kamen viele Leute zu Reichtum, die nicht aus reichen Verhältnissen stammten. Man konnte alle möglichen Geschäfte machen aufgrund der Veränderungen, die im Gange waren. Das führte dazu, dass Leute mit einem normalen Leben sich plötzlich viele Dinge leisten konnten: Dreimal im Jahr nach Europa reisen, importierte Autos kaufen, und sie glaubten, das werde immer so weiter gehen. Tatsächlich aber war es das Resultat einer fiktiven wirtschaftlichen Situation, denn es war eine Fiktion, dass ein Dollar genauso viel wert war wie ein Peso. Das war wirtschaftlich nicht haltbar."

    Claudia Piñeiro wirft einen scharfen Blick auf den Mittelstand. Diese Schärfe besteht jedoch nicht in wohlfeiler oder moralisierender Kritik sondern in gründlicher Einsicht, analytischer Präzision und großem Gespür für soziologische und psychologische Zusammenhänge.

    Der Schauplatz von Pedro Mairals Roman dagegen liegt fern der Metropole, etwa zweihundertfünfzig Kilometer nördlich von Buenos Aires am Río Uruguay, in dieser weiten Flusslandschaft. Obwohl der Name des Städtchens Barrancales auf keiner Landkarte zu finden ist. Schon der Romantitel "Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra" lässt ahnen, dass hier von ganz anderen Dingen erzählt wird.

    "Es geht um einen Maler, der sein Leben lang ein fortlaufendes Bild gemalt hat, ohne Ränder, ein Rollbild. Jedes Jahr bemalte er eine Rolle. Als der Maler stirbt, müssen die Söhne und Erben sehen, was sie mit diesem riesigen Werk machen sollen und entdecken, dass die Rolle eines Jahres fehlt. Darum bleiben sie in dem Provinzort, wo der Vater lebte, um diese fehlende Rolle zu suchen. Der ganze Roman wird in Korrespondenz mit dem Bild erzählt. Die Söhne entdecken darauf, was sie nie gesehen haben, auf gewisse Weise kommt die ganze Familiengeschichte hoch, während sie die Bilder betrachten. Und zugleich suchen sie das verlorene Fragment. Es ist praktisch wie ein Bild das sich bewegt und die ganze Vergangenheit bewahrt, ein von Anfang bis Ende gemaltes Leben."

    Gewiss, da steckt auch ein Familien- und Generationenroman drin, doch "Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra" ist viel mehr. Dieser wunderbare Roman bietet ein ungemein beziehungsreiches und vielschichtiges Geflecht von Themen, Motiven, Gedanken, Empfindungen, Beobachtungen. Und dennoch ist die Handlung völlig einleuchtend, geradlinig und spannend organisiert. Sie umfasst drei Generationen und Epochen: von der Welt der eingewanderten Kolonisten über den Künstler, der das Provinzleben dokumentierte, bis zur großstädtischen Moderne. Angesichts dieser Familiengeschichte fragt sich der Ich-Erzähler, einer der beiden Söhne des Malers:

    "Was war das für ein Gewebe aus Leben, Leuten, Tieren, Nächten, Katastrophen? Was sollte es bedeuten? Wie war das Leben meines Vaters gewesen? Warum musste er sich dieser enormen Anstrengung unterziehen? Was war mit Luis und mir geschehen, dass wir letztendlich in einem so grauen, großstädtischen Leben landeten, als habe Salvatierra alle verfügbare Farbe für sich beansprucht? Im Licht des Bildes, auf einigen Porträts, die er von uns Zehnjährigen gemacht hatte, sahen wir, grüne Birnen essend, lebendiger aus als jetzt in unserem Leben der Notariatsurkunden und Kaufverträge. Diese ganze leuchtende Zeit der Provinz war von seiner Leinwand aufgesogen worden.

    Das 4000 Meter lange Lebensbild des Juan Salvatierra ist fraglos ein mythologisches Objekt. Trotzdem weist Pedro Mairal Vergleiche mit dem Magischen Realismus zurück. Der ist für ihn, wie für viele Autoren seiner Generation, passé. Dafür hebt er spezielle argentinische Eigenheiten im Hinblick auf Literaturstile und Landschaften hervor.

    "Hier in Argentinien bringt der ländliche Raum Realismus hervor, einen Realismus mit poetischem Einschlag, vor allem die Literatur der Flusslandschaften. Das sind keine spektakulären Landschaften wie die Wasserfälle von Iguazú oder die Gletscher im Süden. Die Landschaft in Entre Rios wirkt eher subtil, quasi japanisch, sie bringt keine fantastische Literatur hervor, sondern einen lyrischen Realismus. Auf dieser Linie liegt auch der 'Salvatierra', das ist ein ziemlich poetischer Realismus."

    Nicht gerade wirklichkeitsnah erscheint dagegen Samanta Schweblins Erzählung über ein junges Paar, das sich in patagonischen Nächten mit allerlei Jagdgerät auf die Pirsch nach familiärem Zuwachs macht. Trotzdem betont die einhellig von Kritikern wie Kollegen bewunderte Autorin, dass die Vorgänge, von denen sie erzählt durchaus passieren könnten. Tatsächlich berühren die Rätselhaftigkeit und der Schrecken in ihren Erzählungen zwar die Sphären des Fantastischen, aber ohne darin aufzugehen. "Die Wahrheit über die Zukunft" heißt ihr großartiges Debüt in deutscher Sprache, ein Band mit vierzehn Erzählungen.

    Die Verschiebungen ins Unwirkliche, Schreckenerregende, Verrückte, Monströse, die hier vorgenommen werden, sind klein, oft unmerklich, doch immer effektvoll. Samanta Schweblin betrachtet Jorge Luis Borges und Adolfo Bioy Casares als ihre Lehrmeister, dennoch beweisen ihre Texte einen ganz eigenen Blick und stilistischen Zugriff. Meist deutet sich schon in den ersten Sätzen der Erzählungen an, dass die Grenzen zwischen dem Gewöhnlichen und dem Grauenhaften durchlässig sind, dass die Balance des Lebens unwiderstehlich zum Abkippen neigt.

    Gismondi wunderte sich, dass ihm keine Kinder und Hunde entgegenrannten. Beunruhigt sah er über das weite Tal dem bereits winzig kleinen Auto nach, das ihn morgen wieder abholen würde. Seit Jahren klapperte er entlegene Orte ab, ärmliche Weiler, die er dem Bevölkerungsregister hinzufügte und dafür mit Lebensmitteln entlohnte. Aber in diesem Dorf, das sich in eine Mulde im Tal duckte, wurde Gismondi zum ersten Mal von völliger Stille empfangen. Er sah die paar Häuser. Drei oder vier reglose Gestalten und ein paar auf dem Boden liegende Hunde. Unter der Mittagssonne ging er weiter. Er hatte zwei große Taschen geschultert, die abrutschten und ihn an den Armen schmerzten, sodass er immer wieder stehen bleiben musste.

    Mehrere Erzählungen dieses Bandes handeln von den verstörenden Erfahrungen von Reisenden auf Überlandfahrt. Zum Beispiel die von einem Mann, der in einer Bar einkehrt, um ein Bier zu trinken und dort auf einen verwitterten alten Bergarbeiter trifft, der von dem gespenstischen Verschwinden der Kinder in seinem Dorf erzählt.

    "Ich mag die Überlandstraßen als Thema. Das sind Straßen, wo es unterwegs nichts gibt. Diese Straßen haben mich immer fasziniert. Aber vor allem haben sie etwas, und das ist sehr literarisch. Stell Dir vor, du bist unterwegs und kehrst in einer Bar ein, mitten auf der Stecke, noch dazu in der Nacht. Diese Bar ist gerade erst aufgetaucht. Sie ist da, wenn du hinkommst, aber vorher existierte sie nicht für dich. Alles beginnt an diesem Punkt. Eigentlich scheint die Bar etwas Erfundenes zu sein, ein Ort, von dem du nicht weißt, wo er herkommt. Und dann fährst du weg und er verschwindet wieder. Das ist ein sehr literarischer Ort. So etwas entsteht auf der Landstraße, im Landesinneren, in der Provinz."

    Samanta Schweblin verrät mit ihrer ungeheuer fein austarierten Erzählökonomie kein Wort zu viel. Die Leerstellen der Geheimnisse, die in fast allen ihren Erzählungen offen bleiben, haben dennoch so klare Konturen, dass die Irritationen, der Schock oder das Grauen nie ins Ungefähre verschwimmen. Sie verweisen nicht auf fantastische Spukwelten, sondern korrespondieren unmittelbar, nie jedoch auf platte Weise, mit dem gegenwärtigen Zeitempfinden, mit alltäglichen Erfahrungen.

    Samanta Schweblin ist eine bekennende Liebhaberin der Kurzgeschichte, dieser kleinen großen Erzählgattung. Und sie versteht sich darauf, auf wenigen Seiten einen weiten Vorstellungsraum zu eröffnen.

    "Ich habe eine Theorie: Wenn man Geschichten liest, merkt man, ob sie in einem Schwung geschrieben sind oder ob daran mit Unterbrechungen gearbeitet wurde. Die Geschichte, die in einem Schwung geschrieben wird, hat eine ungeheuere Energie, die unbeschreiblich ist. Das kann auch zwei Tage dauern, aber nicht sieben oder fünfzehn. Es muss alles in kürzester Zeit passieren. Wenn ich die Geschichte klar vor mir sehe, weiß ich, worauf es ankommt und kann das umsetzen. Ich korrigiere viel und ich korrigiere gerne, feile ziemlich herum, aber wenn ich es aufs Papier bringe, muss die Geschichte im Wesentlichen stehen."

    Die argentinische Literatur floriert, das lässt sich in diesem Jahr der zahlreichen Neuerscheinungen beobachten, wie seit Jahrzehnten nicht. Claudia Piñeiro, Samanta Schweblin und Pedro Mairal sind dafür glänzende Beispiele.

    Pedro Mairal: "Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra". Roman. Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz. Carl Hanser Verlag, München 2010. 140 Seiten, 14,90 Euro.

    Claudia Piñeiro: "Die Donnerstagswitwen". Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Unionsverlag, Zürich 2010. 316 Seiten, 19,90 Euro.

    Samanta Schweblin: "Die Wahrheit über die Zukunft". Erzählungen. Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010. 133 Seiten, 19,80 Euro.