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StartseiteKultur heuteUlrike Lorenz: "Wir brauchen ein neues Menschenbild"14.05.2021

Ideenlabor zum New European BauhausUlrike Lorenz: "Wir brauchen ein neues Menschenbild"

"Wie wollen wir leben?" Diese Frage diskutiert die Klassikstiftung Weimar in einem Ideenlabor für das New European Bauhaus. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassikstiftung, fordert, nicht mehr allein den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

Ulrike Lorenz im Gespräch mit Kathrin Hondl

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Eine geometrische Zeichnung des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer. (picture alliance / © Fine Art Images/Heritage Imag)
Der Mensch im Raum: Eine Zeichnung des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer (picture alliance / © Fine Art Images/Heritage Imag)

#NewEuropeanBauhaus: Unter diesem Label hat die EU-Kommission eine Initiative gestartet, die – so heißt es aus Brüssel etwas abstrakt – "die Verbindung herstellen soll zwischen dem europäischen Green Deal und unseren Lebensräumen". In Weimar macht man daraus die Frage "wie sollen wir leben?"

Ideenlabor der Zukunft

Die dortige Bauhaus-Universität und die Klassikstiftung Weimar haben gerade ein Ideenlabor eröffnet und drei Tage lang diskutiert. Ulrike Lorenz, die Präsidentin der Klassikstiftung, zieht im Dlf Bilanz und ist überzeugt, dass es zur Gestaltung der Zukunft nicht reichen werde, "wenn wir uns an Dämmstoffe und neue Architekturen heranmachen".

Ein neues Menschenbild

Stattdessen bräuchten wir "ein neues Menschenbild, ein neues Bewusstsein und wir dachten als Klassikstiftung Weimar, dass wir als Kulturinstitutionen einen Freiraum eröffnen, ein Labor." Auch das historische Bauhaus sei ein großes Experiment gewesen.

Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar spricht vor dem «Grünes Labor» im zum Unesco-Welterbe gehörenden Park an der Ilm. Zum Auftakt des Themenjahres der Klassiskstiftung Weimar am Wochenende werden coronabedingt die Türen der Museen geschlossen bleiben. Die Klassik Stiftung Weimar möchte mit ihrem Themenjahr «Neue Natur» die Beziehung zwischen Mensch und Natur behandeln. (picture alliance/dpa-Zentralbild | Martin Schutt) (picture alliance/dpa-Zentralbild | Martin Schutt)Ulrike Lorenz ist seit 2019 Präsidentin der Klassikstiftung Weimar. Sie hat Kunstgeschichte und Archäologie studiert, wurde in Weimar promoviert und war zehn Jahre lang Direktorin der Kunsthalle Mannheim.

Was wir mühsam lernen, sagte Ulrike Lorenz, sei, dass sich die Welt vor unseren Augen durch den Klimawandel verändere. Es reiche nicht mehr, den Menschen allein in den Mittelpunkt zu stellen, wie es der Humanismus getan habe. Diese Veränderungen lehrten uns eine neue Bescheidenheit und eine neue Achtsamkeit, weil wir in große Zusammenhänge eingebettet seien.

Globale Zusammenhänge

Wir müssten umdenken, um unsere Lebensgrundlagen nicht zu zerstören: "Wir müssen umdenken und uns etwas Neues ausdenken". Die Lösungen lägen aber nicht allein in den Ingenieurwissenschaften und neuen Technologien. "Wir müssen bei uns selbst anfangen und sagen, wie können wir uns denn eine neue Gesellschaft, ein neues Zusammenleben vorstellen. Da sind die Fragen, die das Bauhaus für das 20. Jahrhundert gestellt hat und wir müssen sie für das 21. Jahrhundert beantworten." Es gehe um mehr Gerechtigkeit, auch zwischen Norden und Süden. Es müsse einen ganz neuen Austausch geben weltweit. Sie könne sich vorstellen, dass das Ideenlabor in anderen Städten und Ländern weiterarbeitet und sich ein Netzwerk bildet zur Beantwortung der Zukunftsfragen.

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