Montag, 15. August 2022

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IFA
Nutzerfreundlichkeit ist Trumpf

In Berlin beginnt die IFA, die Fachmesse für Elektro- und Elektronikartikel. Immer mehr Produkte lassen sich fernsteuern und immer mehr Geräte sind in der Lage, sich untereinander zu verständigen. Die Hersteller müssen sich damit auseinandersetzen, sie leicht bedienbar zu machen - sonst könnte der Nutzer schnell überfordert sein.

Von Manfred Kloiber | 02.09.2016

    Smartphone-App für die Waschmaschine - nützlich oder überflüssig?
    Ein Fingertipp und die vernetzte Maschine läuft los. (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)
    Die Welt von Thomas Hohlfelder – das sind Waschmaschinen, Kühlschränke, Geschirrspüler oder Backöfen. Und doch demonstriert der Produktmanager bei Bosch-Siemens Hausgeräte alles auf dem Tablet-Computer. Denn mit dem Tablet hat er alles unter Kontrolle.
    "Ich habe eine App dazu, das ist die Home-Connect-App, die ist kostenlos erhältlich und darüber kann ich – wie man es in Apps so gewohnt ist – die Hausgeräte steuern und die Programme anwählen und erhalte Informationen dann dazu."
    In der Waschmaschine befinden sich Sportklamotten vom letzten Fußballspiel, besonders dreckig und ursprünglich einmal bunt statt matschbraun. Auf dem Tablet-Computer tippt sich Hohlfelder das richtige Waschprogramm zusammen. Symbole zeigen ihm interaktiv alle Möglichkeiten an. In der Mitte ein Waschkorb, der bunte Wäsche mit starken Flecken zeigt. Ein Fingertipp und die vernetzte Maschine läuft los.
    Leichtere Bedienbarkeit trotz immer mehr Möglichkeiten
    Die Waschmaschinen oder anderen Haushaltsgeräte, die sich per App steuern lassen, gehören zur gehobenen Preisklasse und haben alle eine Unmenge von Komfortmerkmalen, die die Kunden auch leicht überfordern könnten. Mit der Appsteuerung glaubt Hohlfelder, könne das aber nicht passieren: "Wir sehen einfach, dass der Kunde immer einfach am Smartphone mal hier eine Nachricht schickt oder sich da mal informiert. Und so ist es integraler Bestandteil, dass die Geräte auch mit vernetzt werden. Sicher beginnt man diese Vernetzung im Premium-Segment, bringt sie dann aber auch in günstigere Preisklassen."
    Auch in der Unterhaltungselektronik machen sich die Hersteller Gedanken, wie sie ihre Produkte trotz immer mehr Möglichkeiten leicht bedienbar halten. Roland Stehle, der Pressesprecher des Messeveranstalters GFU beschreibt, wie sich die Bedienung eines Fernsehers bei modernen Geräten verändert hat.
    Kein Rätselraten auf der Fernbedienung mehr
    "Da sind die Bedienoberflächen bei den Smart-TVs, die deutlich entschlackt worden sind, wenn man so will. Das macht es einem einfach, nicht mehr nach Quellen suchen zu müssen, sondern man sucht nach dem Inhalt, den man sehen möchte. Die Quelle ist egal, das erledigt das Gerät dann selbst, das macht es dann doch deutlich einfacher."
    Kein Rätselraten auf der Fernbedienung mehr, wie man auf den DVD-Rekorder umschaltet, oder von DVB-T-Empfang auf die Satellitenschüssel wechselt. Apropos Fernbedienung: Die wird bei ganz smarten Smart-TVs auch noch überflüssig. "Auch hier gibt es erste Modelle, die sowohl Gesten-, als auch Sprachsteuerung beherrschen. Das ist eine Möglichkeit der Bedienung, die sich aber aktuell noch nicht so durchgesetzt hat." Das liege vielleicht daran, so vermutet Stehle mit einem Schmunzeln im Gesicht, dass die Besitzer keine Lust hätten, das Fernsehgerät lauthals zu beschimpfen, wenn das Programm schlecht ist.
    Bald wird eine ganz neue Computertechnik Unterstützung bieten
    Für Geräte, die trotz aller App-Unterstützung und einfacher Bedienermenüs immer noch sperrig und schwer zu bedienen sind, oder deren Wartung und Pflege spezielle Handgriffe erfordern, da soll demnächst eine ganz neue Computertechnik Unterstützung bieten. Augmented Reality – dann wird die Datenbrille aufgesetzt und ganz genau hingeschaut. Die Brille zeigt das Bild des echten Gerätes und blendet die nötigen Handgriffe oder Bedienschritte virtuell ein. Das sei im industriellen Bereich bei Spezialmaschinen schon gang und gäbe, berichtet Yvonne Lünzmann von Epson. Da sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Technik auch Zuhause Einzug hält:
    "Also grundsätzlich sind solche Sachen wie Reparaturen oder Erklärungen für den Hausgebrauch ganz sinnvoll. Also die Zukunftsvisionen sind da sehr vielfältig. In dem Bereich haben wir sicher gerade erst angefangen. Da werden wir sicher in den nächsten zehn Jahre viele neue, tolle Dinge sehen, die dann auch ganz einfach auch für Zuhause sind."