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StartseiteWirtschaft am MittagBeginn der 24-Stunden-Streiks31.01.2018

IG Metall Beginn der 24-Stunden-Streiks

Die IG Metall erhöht den Druck: Bis Freitag hat die Gewerkschaft bis zu 500.000 Beteiligte in mehr als 250 Betrieben zu ganztägigen Warnstreiks aufgerufen. Die Ausfälle seien beträchtlich, klagt die Arbeitgeberseite.

Von Brigitte Scholtes

Arbeiter stehen während einem 24-stündigen Warnstreik bei der Firma Intex vor einem Banner mit der Aufschrift "Warnstreik unser gutes Recht". Ganztägige Warnstreiks der Metall- und Elektroindustrie finden in ganz Baden-Württemberg statt.  (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)
Warnstreik der IG Metall in Baden-Württemberg (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)
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In mehr als 70 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie bundesweit legten die Mitarbeiter für 24 Stunden die Arbeit nieder, so auch beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen. Dessen Gesamtbetriebsratsvorsitzender Achim Dietrich zeigte sich heute Morgen zufrieden:

"In der Produktion und in der Montage, die steht komplett. Es gibt einzelne Angestellte, die heute reingehen, zum Teil eben auch über Notdienst-Ausweise. Wir haben eine sehr große Resonanz. Die Belegschaft steht hinter den Forderungen."

Die IG Metall will bis Freitag bis zu 500.000 Beteiligte in mehr als 250 Betrieben über sämtliche Betriebsgrößen, Regionen und Branchen hinweg zum ganztägigen Warnstreik aufrufen. Diese Ausstände verursachten hohe Kosten, sagt Hagen Lesch vom arbeitgebernahen IW, dem  Institut der deutschen Wirtschaft. Er hat eine Beispielrechnung aufgemacht für das Bestreiken von 250 Betrieben mit insgesamt 50.000 Streikteilnehmern:

"Diese 50.000 Streikteilnehmer würden einen Umsatzausfall von 62 Millionen Euro verursachen, wenn eher größere Betriebe bestreikt werden, dann kann der Umsatzausfall auch bei 90 Millionen Euro liegen."

Versprochene Liefertermine

Bei einer höheren Beteiligung liegen die Umsatzausfälle also voraussichtlich entsprechend höher. Es scheint, als starte die Gewerkschaft erst allmählich durch - so treten vermutlich die Mitarbeiter etwa der Großunternehmen in der Autoindustrie erst zum Abschluss am Freitag in den Ausstand.

Die Ausfälle auch bei Tagesstreiks seien beträchtlich, erklärt Rainer Dulger, Präsident von Gesamtmetall:

"In der Industrie sind alle Unternehmen eng vernetzt. Wenn der Endhersteller nicht produzieren kann, müssen auch alle Zulieferer die Produktion anhalten und umgekehrt. Und ein Band, das erst einmal steht, kann oft erst langsam wieder angefahren werden. Hinzu kommt, dass wir nicht nur deutsche Kunden beliefern, sondern zum überwiegenden Teil ja Kunden im Ausland. Bei denen zählt die Ausrede Streik einfach nicht, wenn man versprochene Liefertermine nicht einhalten kann."

Schnell wieder an den Verhandlungstisch

Die Metall-Arbeitgeber möchten gern so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren, das bekräftigte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger heute. Doch vor dem Wochenende ist die Gewerkschaft dazu offenbar nicht bereit.

Streitpunkt zwischen den Tarifparteien ist vor allem die Forderung der IG Metall, die Arbeitszeit vorübergehend auf 28 Stunden verkürzen zu können. Dabei wehren sich die Arbeitgeber vor allem gegen die Forderung, bestimmten Arbeitnehmern dafür einen Teillohnausgleich zu gewähren. Rainer Dulger:

"Sie würden dann pro Stunde mehr verdienen, als die, die  aus gleichen Gründen heute schon in Teilzeit sind. Das wäre eine rechtswidrige Diskriminierung. Ein Arbeitskampf, der ein rechtswidriges Ziel erzwingen will, ist nach gängiger Rechtsprechung aber selber rechtswidrig. Deshalb reichen die Arbeitgeberverbände Klage gegen die IG Metall ein, oder sie haben es heute schon getan. Dabei geht es darum, den grundsätzlichen Schadenersatzanspruch der IG Metall auf Grund der rechtswidrigen Forderungen festzustellen."

Auf einstweilige Verfügungen gegen die Tagesstreiks verzichten die Arbeitgeber aber zunächst.

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