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StartseiteKalenderblattIkone des Grusels12.05.2008

Ikone des Grusels

Vor 75 Jahren feiert Fritz Langs Film "Das Testament des Dr. Mabuse" in Wien Premiere

Fritz Lang zählt zu den bedeutendsten Filmregisseuren des 20. Jahrhunderts. Als Emigrant in Hollywood drehte er Filmklassiker wie "Fury" oder "You only live once". In den 20er Jahren hatte er sich mit Stummfilmen wie "Metropolis" und "Die Nibelungen" einen Namen gemacht. Sein "Dr. Mabuse" wurde zur Ikone des deutschen Grusel- und Krimigenres.

Von Michael Langer

Szene aus einem Stummfilm der 1920er Jahre. (AP Archiv)
Szene aus einem Stummfilm der 1920er Jahre. (AP Archiv)

Erste Stimme: "Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle? Mein Name ist Mabuse, Dr. Mabuse!"
Zweite Stimme: "Der Mann heißt Mabuse, Herr Kommissar!"
Dritte Stimme (schreit): "Mabuse!"
Vierte Stimme: "Um Gottes Willen!"

"Das Testament des Doktor Mabuse" war (nach "M - eine Stadt sucht einen Mörder") erst Fritz Langs zweiter Tonfilm, aber schon seine dritte Verfilmung des Mabusestoffes, den er einem Fortsetzungsroman des Autors Norbert Jacques verdankte.

"Mabuse? Das war doch der, der Doktor da, in der Inflation?"
"Ganz recht, Herr Kommissar, hab' ihn schon, 1920/21, Dr. Mabuse der Spieler!"

"Dr. Mabuse der Spieler - ein Bild der Zeit" und "Inferno - Menschen der Zeit" lauteten die Titel seiner beiden Stummfilmklassiker aus dem Jahr 1922, auf die er sich zehn Jahre später noch einmal bezog. Fritz Lang:

"Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war für Deutschland eine Zeit der tiefsten Verzweiflung, der Hysterie, des Zynismus, des ungezügelten Lasters. Entsetzliche Armut war neben ganz großem und neuem Reichtum. Berlin prägte damals ein Wort: Raffke - vom ‘Zusammenraffen’ des Geldes. Raffke, so nannte man den Neureichen. Dr. Mabuse ist das (sic) Prototyp dieser Zeit."

In "Das Testament des Dr. Mabuse" (1932), einem spätexpressionistischen Meisterwerk, mit dem Lang den film noir gewissermaßen vorwegnahm, sitzt der unheimliche Verbrecher, nun scheinbar sicher verwahrt, in einer Nervenheilanstalt und verfasst sein Vermächtnis. Fritz Lang:

"Dr.Mabuse will den Bürger dazu bringen, den Staat zu stürzen, um auf den Trümmern dieses Staates seine Welt, die Welt des Verbrechens zu errichten."

Filmton: "...und die Augen, die Augen, die lähmen einen förmlich!"

Durch Hypnose macht Mabuse den Anstaltsleiter Dr. Baum zu seiner Marionette, der die den Staat zerrüttenden Verbrechen organisiert und auch nach Mabuses Tod noch von dessen Geist regiert wird.

Dr. Baum alias Dr. Mabuse: "Wenn die Menschen vom Terror des Verbrechens beherrscht, vom Grauen und Entsetzen dumm geworden sind, wenn das Chaos zum Obersten Gesetz erhoben, dann ist die Stunde der Herrschaft des Verbrechens da!"

"Von Caligari bis Hitler" heißt eine Schrift des Filmkritikers Siegfried Kracauer. Für Kracauer war dieser "Mabuse" unter anderem eine Anspielung auf Hitler, der sein Buch "Mein Kampf" in der (Landsberger) Festungshaft geschrieben hatte. Für Reichspropagandaminister Goebbels war "Das Testament des Dr. Mabuse" eine "Gefährdung der öffentlichen Ordnung". Fritz Lang:

"In den letzten Märztagen des Jahres 1933 wurden meine Frau - meine damalige, Thea von Harbou, die mit mir alle meine Filme in Deutschland geschrieben hatte - und ich aufgefordert, an einem Abend mit Herrn Propagandaminister Goebbels im Kaiserhof, also dem Hauptquartier Hitlers, wenn er nach Berlin kam, einem Abendessen beizuwohnen. Wir gingen also hin, und Goebbels war unerhört liebenswürdig. Wir wurden vorgestellt, und dann kam die kalte Dusche: ‘Leider’, sagte er, ‘musste ich heute einen Film verbieten - Das Testament des Dr. Mabuse!’ - Aus, Tableau."

Fritz Lang packte umgehend seine Koffer und emigrierte. Das "Testament des Dr. Mabuse" wurde in Wien, Paris und Budapest gezeigt. In Deutschland kam das Werk, das "Mabuse" zur Ikone des deutschen Grusel- und Kriminalfilms machte, erst 1951 in die Kinos:

"Ist Ihre Wissbegierde nun befriedigt, Herr Kriminalkommissar?"
"Hmmmm....?"

Die DVD erscheint bei der Universum Film GmbH.

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