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Im Fokus der Armutsforschung

Die offizielle Armutsstatistik besagt, dass die Altersarmut eklatant zugenommen hat. In Berlin ist die Zahl der älteren Empfänger von Sozialleistungen besonders groß. Der Berliner Senat hat deshalb eine Studie zum Thema Altersarmut in Auftrag gegeben.

Von Anja Arp | 19.01.2012
    " "Armut in einer so reichen Gesellschaft wie der unseren bedeutet, dass man sich das nicht leisten kann, was in dieser Gesellschaft als normal gilt. Das heißt also, Armut ist bei uns, eben in der Armutsforschung nennt man das relative Armut, meistenteils eben nicht absolut im Sinne im Sinne von Existenznöten. Also zu verhungern, sich nicht kleiden zu können, kein Obdach zu haben. Was es außerdem gibt. Auch bei uns, nicht nur in der so genannten Dritten Welt. Aber meistenteils handelt es sich in der Bundesrepublik um relative Armut."

    Prof. Christoph Butterwegge ist Politologe und Armutsforscher. Er lehrt an der Universität Köln Politikwissenschaften und hat mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht.
    Das Gesicht der Armut hat sich im Laufe der Zeit erheblich gewandelt. Lange beherrschte vor allem Kinderarmut die Debatte über den Sozialstaat. Professor Christoph Butterwegge:

    ""Man spricht da von einer Infantilisierung der Armut in den 90-er Jahren. Dass jetzt zu-nehmend eine Re-Seniorisierung der Armut stattfindet, also zunehmend sind neben Kin-dern und Jugendlichen auch wieder ältere Menschen, vor allen Dingen Frauen, Rentnerin-nen betroffen, die eben mit Minirenten auskommen müssen. Und die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, die unter Rot-Grün eingeführt wurde, 2004, hat daran sehr wenig geändert."

    Armut in einem reichen Lande kann sehr bedrückend sein und Menschen ihre Würde nehmen. Das gilt ganz besonders für alte Menschen, die am Ende ihres Lebens in
    Altersarmut geraten und ergänzende Grundsicherung beantragen müssen. Ingo Nürnberger, Rentenexperte beim DGB:

    "Zum einen gibt es ja die ganz harte Altersarmut. Das heißt, wenn die Menschen in Altersrente kommen und die Rente nicht zum Leben reicht, sie also zum Sozialamt gehen müssen, um sich die Rente aufstocken zu lassen auf ein Existenzminimum, das im Durch-schnitt etwa 660/670 Euro beträgt, je nachdem wie hoch die Miete ist. Das ist die ganz harte Armut, die durchaus zunimmt. Und dann gibt es noch die Situation, die auch zu-nimmt, dass die Leute, wenn sie in die Rente kommen schlicht und ergreifend ihren Le-bensstandard nicht mehr halten können, was eben auch damit zu tun hat, dass das Ren-tenniveau immer weiter sinkt. Und das ist durchaus auch ein gesellschaftliche Problem."
    Zwar ist die absolute Zahl an Menschen, die ergänzende Grundsicherung beantragen nicht sehr hoch. Doch ihre Zahl steigt erschreckend schnell an. Auch eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung bestätigt, dass die realen Einkommen der Seniorenhaushalte in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken statt gestiegen sind.

    ""Die Ursachen für die zunehmende Re-Seniorisierung der Armut liegen darin, dass sich einmal die Erwerbsverhältnisse verändern. Es gibt zunehmend lückenhafte Erwerbsver-läufe. Nicht nur dass Arbeitslosigkeit eintritt. Sondern eben auch dass Zeiten eintreten, wo man Zwangsteilzeit beschäftigt ist. Wo man prekär beschäftigt ist. Also in Mini-Midi-Jobs oder heute in Leiharbeit und zunehmend auch in Werkverträgen. Also sehr schlecht ent-lohnt wird und auch zum Teil eben gar nicht mehr einzahlt in die gesetzliche Rentenver-sicherung."

    Altersarmut wird zunehmend zum Massenphänomen. Altersarmut kann viele Gründe ha-ben und sie kann sich bereits in frühen Jahren abzeichnen:

    "Im September 2004, da war unsere Tochter anderthalb Jahre alt, wurde bei meinem Lebensgefährten ein Gehirntumor diagnostiziert, der auch sofort operiert werden musste und behandelt worden ist … hat dann tatsächlich zweieinhalb Jahre gedauert."

    Bis zu seiner schweren Erkrankung war ihr Mann selbständiger Taxifahrer in Köln, der den Lebensunterhalt für seine Familie alleine bestritten hat.

    "Nachdem der erste Schock hinter uns lag, die OP, sind wir dann zur ARGE, und haben gesagt so: Unser Einkommen ist weggefallen, wir brauchen Unterstützung zur Miete und zum Lebensunterhalt und dann haben sie gesagt: Wieso ihr habt doch Vermögen? Ihr habt doch ein Taxi und eine Konzession, ihr habt Lebensversicherungen. Da haben wir gesagt: Aber wieso? Das ist unsere Arbeitsgrundlage, das ist unser Familieneinkommen."

    Die Familie musste alles verkaufen, das Taxi, die Lizenz und zu guter Letzt auch noch die hohen Lebensversicherungen, die seit 20 Jahren liefen und eigentlich als Altersvorsorge gedacht waren:
    "Da haben wir gesagt, wenn ihr uns jetzt ein Jahr unterstützt, dann hat er seine Alters-vorsorge noch und im Alter ist er dann nicht vom Sozialstaat abhängig. Da haben die ge-sagt, nein das ist nicht vorgesehen, ihr müsst die Lebensversicherung veräußern. Dann haben wir die verkauft und haben davon ein weiteres Jahr gelebt und als er dann gesundet war, war alles weg."


    Die absehbare Folge: Programmierte Altersarmut.

    ""Wenn wir alt sind, sind wir ein Sozialfall das ist schon klar."

    Sozialabbau ist einer der Gründe für steigende Altersarmut. Vielfach wird aber auch mit dem demografischen Wandel argumentiert. Ingo Nürnberger, Rentenexperte beim DGB hält dagegen:

    "Also ich sag' immer, das ist der Kampfbegriff der anderen."

    Demografischer Wandel, das heißt, die Zahl der Älteren steigt und die Zahl der Jüngeren nimmt ab.

    "Das ist definitiv eine Hersausforderung, denken Sie an den Arbeitsmarkt, denken sie an den Gesundheitsbereich oder auch an die Pflege, allerdings werden die Folgen des
    demografischen Wandels gerne übertrieben oder auch dramatisiert, weil man damit Politik gegen den Sozialstaat und auch gegen die Menschen selber betreiben kann, indem man dann diesen demografischen Wandel als Argument für Leistungskürzungen
    missbraucht."

    Etwa um die Renten massiv zu kürzen, wie mit der Rentenreform von 2001 geschehen. Damals hat es einen regelrechten Paradigmenwechsel gegeben.

    "Die Reform von 2001 bedeutet, dass das Rentenniveau drastisch gesenkt wird, um ins-gesamt 20 Prozent. Dieses sinkende Rentenniveau bedeutet natürlich, dass die Altersarmut insgesamt zunehmen wird. Die Rentenreform von 2001 bedeutet, dass man das obligatori-sche System der gesetzlichen Rentenversicherung, in die alle einbezogen sind, dass man das zurückführt und dass man statt dessen auf die freiwillige Vorsorge setzt."

    Vor allem auf die Riester-Rente – von der man heute weiß, dass sie nicht annähernd hält, was sie verspricht. Prof. Christoph Butterwegge:

    "Das heißt, die Riester-Rente, deren Renditen, wie man inzwischen weiß, sehr niedrig sind, wo hingegen die Provisionen für die Versicherungskonzerne und Bank relativ hoch sind. Diese Riester-Rente hat natürlich auch dazu beigetragen, dass die Menschen nicht mehr in dem Maße gesichert sind im Alter, wie das bis dahin der Fall war."

    In Berlin ist der Anteil an alten Menschen, die ergänzend Grundsicherung beantragen müssen, besonders groß. Der Senat hat deshalb dazu eine Studie in Auftrag gegeben:

    "Wir wollten einfach genauer schauen, wie sieht es aus in Berlin? Welche Schwerpunkte gibt es in Berlin? Räumliche Schwerpunkte, sozialstrukturelle Schwerpunkte. Um zu identi-fizieren, wo Politik und Fachlichkeit ansetzen können und müssen."

    Dr. Sylke Sallmon ist Arbeitsgruppenleiterin in der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales in Berlin. Sie ist zuständig für das sozialstatistische Berichtswesen und hat die neue Studie mit dem Titel "Zur sozialen Lage älterer Menschen in Berlin - Armutsrisiken und Sozialleistungsbezug" mit erstellt.

    "Von der Zielgruppe her haben wir uns konzentriert auf die Definition, die die WHO und die Gesundheitsberichterstattung vornehmen. Also was ist ein älterer Mensch? Ab wel-chem Lebensalter erfassen wir Menschen als ältere Menschen? Und haben dort schon den Schnitt bei den 50-Jährigen gezogen. Wie gesagt, da die WHO auch sagt, ab da beginnt das "Alter", also junge Alte. Und haben zwei Hauptzielgruppen in den Fokus genommen. Die 50 bis unter 65-jährigen, die noch im erwerbsfähigen Alter zumindest sind. Und die ab 65-Jährigen als jenseits der gesetzlichen Regelaltersgrenze für die Rente."

    Dabei haben die Wissenschaftler zum Beispiel auf eigene Sozialstatistiken zurückgegriffen, aber auch auf Daten aus dem bundesweiten Mikrozensus. Ein eher unspektakuläres Er-gebnis der Studie: Die jungen Alten, also die zwischen 50 und 65jährigen sind materiell besser gestellt als die ältere Gruppe. Aber:

    "Woran das liegt, konnten wir noch nicht mit eigenen Zahlen unterlegen. Man kann sich denken, dass noch viele der jüngeren Alten noch im Erwerbsprozess stehen. Dennoch mussten wir feststellen für die gesamte Altersgruppe der 50- bis unter 65-jährigen, dass ungefähr 16 Prozent von ihnen bereits Leistungen nach dem Gesetzbuch SGB 2, also Hartz-IV-Leistungen, beziehen und zwei Prozent außerdem schon als Erwerbsunfähige Leistungen der Sozialhilfe beziehen müssen. Also 18 Prozent dieser Altersgruppe, das ist dann fast jeder Fünfte muss staatliche Transferleistungen beziehen, um leben zu
    kön-nen."

    Im bundesweiten Durchschnitt ist in Berlin die soziale Hilfsbedürftigkeit insgesamt be-sonders hoch. Das trifft auch auf die Altersarmut zu. Laut Studie bezieht in Berlin jeder Zwanzigste über 65 Jahren ergänzende Grundsicherung im Alter. Das Armutsrisiko für ältere Menschen ist damit doppelt hoch wie im Durchschnitt des übrigen Bundesgebiets:

    "Ja, das ist heftig. Aber wir wissen auch aus den vergangenen Jahren und auch Jahr-zehnten, dass in Berlin die Quote der Sozialhilfebezieher stets wesentlich höher als im Durchschnitt der Bundesrepublik war. Und insofern ist das keine neue, ganz über-raschende Feststellung."

    Und insofern sind Ausgaben für die Grundsicherung schon lange ein erheblicher Bestand-teil des Berliner Haushalts:

    "Im Jahre 2009 waren das über 256 Millionen Euro, die für die Grundsicherung ins-gesamt ausgegeben werden mussten. Wir können allerdings die Ausgaben nicht für die einzelnen Altersgruppen differenziert darstellen. Also hier sind alle Grundsicherungs-empfänger ab 18 Jahren enthalten in dieser Zahl."

    Das heißt, in dem Haushaltsposten sind auch die Zahlungen für die Grundsicherung we-gen Erwerbsunfähigkeit ab 18 Jahren enthalten. Dennoch sprechen die Zahlen eine ein-deutige Sprache: Altersarmut ist in Berlin besonders verbreitet. Tendenz steigend: Dr. Josefine Heusinger, vom Institut für Gerontologische Forschung in Berlin hat deshalb die Selbstbestimmungsmöglichkeiten von alten Menschen mit wenig Geld genauer unter die Lupe genommen:

    "Wo entstehen eigentlich Spielräume für die Handlungsspielräume? Und ein Stück weit anknüpfend an diese Untersuchung habe ich zusammen mit Kolleginnen und Kollegen vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin im Rahmen von einem größeren Forschungsverbund eine Untersuchung gemacht, wo wir da einen Stadt-Land-Vergleich gemacht haben und geguckt haben, wie lebt es sich eigentlich, wenn man wenig Geld hat, wenn man alt ist und auf Unterstützung angewiesen ist in unterschiedlichen Quartieren? Also wie ist es in der Stadt, wie ist es auf dem Land? Was für eine Rolle spielen für die All-tagsbewältigung eigentlich die Angebote, die im jeweiligen Sozialraum angeboten werden? Und da sind wir auch zu ganz interessanten Ergebnissen und Unterschieden ge-kommen."

    Mit sogenannten qualitativen Methoden, also Interviews und Gesprächen haben die Wis-senschaftler ihre Daten erhoben. Eines der Ergebnisse hat bisherige Annahmen bestätigt:

    "Was wir aus der Epidemiologie wissen ist, dass der Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit bis ins hohe Alter sich fortsetzt. Im allerhöchsten Alter verwischt es sich ein bisschen, was möglicherweise daran liegt, dass eben viele Leute, die unter, mit schwierigeren Lebensbedingungen konfrontiert waren, eben so ein hohes Alter gar nicht erreichen. Aber es gilt sowohl für den Zusammenhang von Armut und Pflegebedürftigkeit als auch für das Auftreten unterschiedlicher Krankheiten. Dass Menschen, die mit weniger Geld zurechtkommen müssen, die weniger Bildung haben, die schwierigere Start-bedingungen im Leben haben, bis ins Alter hinein mit stärkeren gesundheitlichen Ein-schränkungen rechnen müssen."

    Die Mitarbeiter des Instituts für Gerontologische Forschung haben auch geguckt wie sich das Stadt-Land-Gefälle auf die Lebenslagen älterer, sozial benachteiligter Menschen aus-wirkt. Dabei ist Josefine Heusinger mit ihren Kollegen zu einem interessanten Ergebnis gekommen: Armut und Alter muss nicht immer nur Defizit bedeuten:

    "Denn auf dem Land ist es so, dass die älteren Menschen noch stärker in inaktiven sozialen Bezügen leben. Und tatsächlich spielen solche Sachen wie der Gemüsegarten oder auch, selbst wenn es schon sehr runtergekommen ist, wie es in den neuen Bundesländern zum Teil der Fall ist, das Eigenheim sind natürlich eine andere Ressource. Und der Garten, der noch einmal motiviert dazu, raus zu gehen, sich um das Haus und Hof sozusagen an der frischen Luft auch aktiv zu sein. Das sind durchaus Ressourcen. Auch bei Menschen, die mit ganz wenig Geld auf dem Land leben. Und eben diese soziale Eingebundenheit."


    Ältere Menschen auf dem Land haben offenbar auch viel weniger Schwierigkeiten ihre Hilfsbedürftigkeit zu äußern, als in der anonymen Stadt:

    "Sie nehmen diese Hilfen selbstverständlicher in Anspruch, sie fordern sie auch offensiver ein. Und der Erklärungsansatz, den wir gefunden haben ist, dass die Menschen auf dem Land in ihren sozialen Bezügen ihre Individualität nicht verlieren."

    Wenn man als alter Mensch in der Stadt einen Schlaganfall hat und umziehen muss, dann ist man oft nur noch der Herr Müller oder wenn man dann ins Pflegeheim muss, wird man zur Frau Meier aus Zimmer vier:

    ""Dass man Lehrerin war, dass man Kohlenträger war, dass man ein ganzes Leben gelebt hat, dass man Mutter war, Freunde hatte usw. das weiß niemand, das interessiert nie-mand. Und diese ganze Individualität geht verloren. Das ist auf dem Land nicht so. Selbst im ganz hohen Alter, selbst wenn man im Rollstuhl da sitzt und kaum mehr sprechen kann, ist man noch die Melkerin, mit der man früher zusammen gearbeitet hat. Oder ist man noch der LPG-Vorsitzende oder der Bauer oder hatte die und die Rolle in der
    freiwilligen Feuerwehr. Und das macht selbstbewusster."

    Die Berliner Studien zur Altersarmut haben noch einmal belegt, dass für die meisten alten Menschen das Thema mit großer Scham behaftet ist. So beantragen viele die ergänzende Grundsicherung gar nicht. Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß niemand so genau. Und manche alte Menschen wissen einfach auch gar nicht, worauf sie eigentlich Anspruch ha-ben. Dr. Josefine Heusinger:

    "Und dass deshalb auch nicht in Anspruch nehmen. Also ein ganz typisches, ein un-geheuer verbreitetes Beispiel ist die Möglichkeit, sich von den Zuzahlungen befreien zu lassen für ärztliche Leistungen, für Medikamente für die Praxisgebühr usw. Und umgekehrt wissen wir, hören wir immer wieder, dass die Praxisgebühr ein Grund ist, nicht zum Arzt zu gehen in dem Quartal. Das heißt, diese Summen spielen sehr wohl eine Rolle. Mög-licher Weise haben die Menschen ja einen Anspruch darauf, dass sie das gar nicht be-zahlen müssen, das ist wenig bekannt, wird wenig in Anspruch genommen. Wird von Ärzten nicht gesagt, wird in Apotheken nicht mitgeteilt usw. Wer das nicht weiß, der kann das eben nicht in Anspruch nehmen."

    Vor allem alte Ausländer haben viele Informationsdefizite. Laut Studie kommt noch hinzu, dass sie oft auch einfach Angst haben:

    "Die Sorge, wenn man zu deutschen Institutionen geht, dass es Schwierigkeiten gibt, sind sehr verbreitet. Da sitzen ganz tief natürlich auch die Erfahrungen: Wer Sozialhilfe hat, verliert die Aufenthaltsberechtigung usw. Das sind Gründe, warum die älteren Menschen ganz ungern hier Behördenkontakt suchen."

    Um so wichtiger sind die Anlaufstellen vor Ort im Quartier, also dem Stadtviertel. Vor al-lem in Stadtteilen mit vielen sozialen Schwierigkeiten wie Moabit oder Marzahn sind die öffentlichen Hilfsangebote offenbar besonders wichtig:

    "Für die Alltagsbewältigung sind diese kleinen öffentlichen Angebote ungeheuer wichtig. Seniorenfreizeitstätten, Nachbarschaftszentren jedwede Möglichkeiten der Begegnung, die nichts oder ganz wenig kosten. Ich denke, professionelle Unterstützung und Begleitung von solchen Angeboten kann da sicherlich vieles auffangen. Aber man darf eben auch nicht unterschätzen, was dieses, ich nenne es jetzt einfach tatsächlich mal verlängerte Wohn-zimmer für viele ältere Menschen bedeutet. Es ist die Chance raus zu gehen, sich ohne Geld ausgeben zu müssen, wohnortnah treffen zu können, andere Menschen zu treffen. Zu merken, dass man für Andere noch bedeutsam ist, Isolation zu verhindern. Und solche Angebote werden wir wieder viel mehr brauchen."

    Literatur:
    Christoph Butterwegge, Armut in einem reichen Land, Campus Verlag 2011

    Christoph Butterwegge, Krise und Zukunft des Sozialstaates, VS Verlag 2012-01-06

    Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Zur sozialen Lage älte-rer Menschen in Berlin

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