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Im Namen des Miteinanders

Zur Campus Cantat-Woche der TU Dortmund kommen zahlreiche Chormitglieder der ausländischen Partnerhochschulen zusammen, um gemeinsam ein Konzert einzustudieren. Dadurch sind im Laufe der Jahre viele neue Partnerschaften für die Uni entstanden.

Von Andrea Groß |
    Stabat Mater von Giovanni Battista Pergolesi. Der italienische Komponist wäre in diesem Jahr 300 Jahre alt geworden, deshalb hat Reinhard Fehling, künstlerischer Leiter von Campus Cantat, in diesem Jahr dessen kaum bekanntes Werk zum Thema gemacht.

    "Es hängt sicher damit zusammen, dass ich selber nicht nur als Chorleiter tätig bin, sondern auch als Komponist und von daher natürlich an allem, was mit komponieren und Komposition von anderen zu tun hat, sehr interessiert bin und da in der Tat interessieren mich tatsächlich besonders Stücke, die nicht am Wege liegen, oder Stücke in anderer Form."

    Vor zwei Jahren hat Fehling nämlich die Schöpfungsmesse von Joseph Haydn kurzerhand umgeschrieben. Der Campus-Cantat-Chef ist ein hochgewachsener, hagerer, braungebrannter Mann. Er könnte auch Marathonläufer sein. Dauernd ist er in Bewegung, dauernd möchte er dieses und jenes noch einmal proben. Obwohl es hoch professionell zugeht, gibt es für die 70 Campus Cantat-Mitglieder immer auch Anlass zu Gelächter.

    "Wir hatten eine Menge Spaß", erzählt beispielsweise Anna aus Ungarn.

    "Wir haben geprobt im Schloss Nordkirchen, jeden Tag fünfeinhalb Stunden. Aber wir hatten auch eine Menge Freizeit."

    Anna studiert Wirtschaft, möchte aber gerne zur Musik wechseln. Außer ihr sind in diesem Jahr Studierende aus Bulgarien, Makedonien, Russland, England, Tschechien und Ghana dabei. Was Anna als Freizeit bezeichnet, ist in Wirklichkeit musikalische Kür. Abends, nach den Proben, finden sich kleine Grüppchen zusammen und singen gemeinsam. Fester Bestandteil des inoffiziellen Programms sind die sogenannten Hauskonzerte. Dabei geben die Sänger ihren Kollegen jeweils landestypische Musikstücke zum besten. Das fördert das gegenseitige Kennenlernen, verkürzt aber auch die Nächte. Anstrengend ist es, sagt Rieke Drachenberg, Studentin der Rehabilitationswissenschaft. Sie ist bereits zum dritten Mal dabei.

    "Ich mag halt generell die klassische Musik und ich finde es immer ganz spannend, was so dahinter steckt und diesmal ist es ja auch so eine Art Uraufführung. Ich fand es interessant, mitzubekommen, wie das alles entstanden ist, seine ganze Arbeit und wie jetzt eben das Endprodukt ist."

    Gewissermaßen der geistige Vater von Campus Cantat ist Willi Gundlach. Er hatte schon in den 70er-Jahren den Kammerchor der Uni Dortmund gegründet und der wollte ständig auf Reisen zu den europäischen Partnerhochschulen gehen. So wurden Kontakte gepflegt, neue geknüpft und irgendwann dachte sich Willi Gundlach: warum nicht ein gemeinsames Chorprojekt? Ein ehrgeiziges Vorhaben, dem die Kürze der Vorbereitung und die eigenen hohen Ansprüche noch eine zusätzliche aufregende Note verleihen.

    "Wenn die Leute kommen, hängen ja schon die Plakate für das Schlusskonzert. Wir haben aber noch keinen Ton gesungen. Das ist immer so ein Risiko und wenn ich dann die Plakate am Anfang sah, habe ich schon manchmal gedacht: na, was kann daraus werden?"

    Vor 25 Jahren führte Campus Cantat Händels Messias in der Reinoldikirche, Dortmunds größtem Gotteshaus auf. Der Besucherandrang, erzählt Willi Gundlach, war so groß, dass er Mühe hatte, an sein Dirigentenpult zu kommen.

    Obwohl das Abschlusskonzert für jeden eine große Sache ist, sind die meisten froh, wenn die anstrengende Chorwoche zu Ende ist. Dennoch sind dabei auch schon ganz persönliche Partnerschaften entstanden, erzählt der jetzige Leiter von Campus Cantat, Reinhard Fehling.

    "Es gibt Campus Cantat-Ehen, es gibt Campus Cantat-Freundschaften. Und so knüpft dieses Projekt internationale Kontakte, die auch dauerhaft sind."

    Wie die Zukunft aussieht, was bei der nächsten Chorwoche in zwei Jahren aufgeführt wird, überlegt sich der künstlerische Leiter in aller Ruhe. Nach dem Abschlusskonzert.