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Immobilien
Sehr gefährliche Preisentwicklungen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat nach einem Treffen mit seinem amerikanischen Amtskollegen Jack Lew ausdrücklich vor den Gefahren einer Immobilienblase in Deutschland gewarnt. Das Zinsniveau sei zu niedrig, erklärte er.

Von Stefan Maas | 19.06.2014

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schaute ein wenig gequält, als Jacob Lew, der US-Finanzminister nach einem Treffen in Berlin auf die Frage, wie es denn um den amerikanischen Immobilienmarkt stehe, antwortete:
"In case of real estate we’re seeing a return to values that were kind of pre-crisis level, but not crisis level."
Die Preise näherten sich wieder dem Vorkrisen-Niveau an, nicht dem Krisenniveau. Der Immobilienmarkt könne sogar noch ein bisschen mehr Schwung vertragen – auch mit gesteigerter Bautätigkeit.
Denn auf dem deutschen Immobilienmarkt nimmt Schäuble Entwicklungen wahr, die ihn sorgen.
"Dass wir insbesondere im Immobiliensektor auch Anzeichen für Preisentwicklungen haben, die sehr gefährlich sind."
Er nehme die Warnungen der Bundesbank sehr ernst. Die Bundesbank hatte wegen der anhaltenden Niedrigzinsen und steigender Hauspreise vor allem in größeren Städten vor einer möglichen Blase am Immobilienmarkt gewarnt.
"Auf die Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu nieder."
Weniger pessimistisch als der Finanzminister hat sich diese Woche der Ausschuss für Finanzstabilität in seinem ersten Jahresbericht geäußert. Trotz anhaltender Niedrigzinsphase und steigender Nachfrage nach Immobilien habe der Ausschuss zwischen Januar 2013 und März 2014 keine sich selbst verstärkende Spirale aus nicht nachhaltigen Preiserhöhungen, steigender Verschuldung und Lockerung der Kreditbedingungen festgestellt. Doch auch die Experten fordern, die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt müssten weiter beobachtet werden.
Europäischer Stabilitätspakt war ebenfalls Thema
Doch nicht nur die steigenden Immobilienpreise beschäftigten die beiden Finanzminister bei ihrem heutigen Treffen. Auch die durch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel angestoßene Debatte über eine mögliche Aufweichung des europäischen Stabilitätspaktes. Doch während Gabriel, der den US-Finanzminister am frühen Nachmittag traf, bei der anschließenden Pressekonferenz dem Thema durch Schweigen auswich, nutze Finanzminister Schäuble die Gelegenheit, einmal mehr zu betonen,
"Die Bundesregierung hat es ja auch gestern wieder sehr klar gemacht. In der Bundesregierung gibt es keine unterschiedliche Meinung, wir haben eine gemeinsame Position. Der europäische Stabilitätspakt hat genügend Flexibilität."
Wirtschaftsminister Gabriel hatte am Montag bei einem Besuch in Toulouse die Möglichkeit ins Spiel gebracht, Staaten, die Reformen angingen, mehr Zeit zu geben, ihre Defizite abzubauen. Für Schäuble kein Thema:
"Das Regelwerk des europäischen Wachstums- und Stabilitätspaktes ist nicht das Problem. Das ist völlig in Ordnung. Das einzige Problem, das einige Mitgliedsstaaten haben, ist, dass sie sich an das Regelwerk halten müssen, und dass sie es umsetzen müssen. Nicht mehr und nicht weniger."