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StartseiteWirtschaft am MittagVon Krise keine Spur24.03.2021

Immobilienentwicklung in der PandemieVon Krise keine Spur

Auf dem Markt für Wohnimmobilien ist die Corona-Krise bislang nicht zu spüren - im Gegenteil: Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Häusern in Deutschland ist seit Februar 2020 um gut ein Drittel gestiegen. Noch größer sind die Wachstumsraten in den Speckgürteln der Städte.

Von Sebastian Engelbrecht

Neubau eines Hauses in Hamburg (dpa / Bildagentur-online / Ohde)
Wohnungen mit Balkon oder Häuser mit Garten sind gefragt (dpa / Bildagentur-online / Ohde)
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Die Pandemie-Krise ist auf dem Markt für Wohnimmobilien nicht zu spüren. Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern steigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Kontaktanfragen von Kundinnen und Kunden des Online-Immobilienmarktplatzes ImmoScout24. Dessen Geschäftsführer Ralf Weitz sieht eine ungebrochene Fortsetzung der Entwicklung des Marktes.

Altbau-Häuser in der Wittgensteinstraße in Köln Lindenthal.  (imago / Hardt)Altbau Häuser in der Wittgensteinstraße in Köln Lindenthal Köln 26 08 2016 Foto xC xHardtx xFuture (imago / Hardt)Immobilien als Anlage - Sinkende Mieten durch Konjunkturdelle?
Trotz hoher Preise und einem knappen Angebot ist die Nachfrage nach Immobilien in Deutschland zuletzt gestiegen. Das zeigt eine Befragung der Unternehmensberatung EY unter Immobilieninvestoren. Das nachlassende Wirtschaftswachstum könnte die Entwicklung aber bremsen - und Mieter entlasten.

"Wir hatten ja vor der Corona-Pandemie schon einen angespannten Immobilienmarkt, und das hat sich tatsächlich fortgesetzt auf der Nachfrageseite. Auf der Angebotsseite sehen wir, dass die Angebotssituation stabil ist. Natürlich hatte der erste Lockdown einen Effekt. Das Angebot ist zurückgegangen als auch die Nachfrage. Aber beides hat sich während der Pandemie erholt, und die Nachfrage ist sogar deutlich gestiegen."

Immobilie als krisenfeste Anlage

Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen in Deutschland ist seit Februar 2020 um 34 Prozent gestiegen, fast genauso stieg die Nachfrage nach Häusern. Die Käuferinnen und Käufer suchten weiterhin Immobilien in den Städten, noch größer waren die Wachstumsraten in den Speckgürteln. So wuchs die Nachfrage nach Häusern im Berliner Umland zum Beispiel um 75 Prozent.

Da die Ausgaben für Reisen und Restaurantbesuche wegfallen, bleibt mehr Geld für anderes, zum Beispiel für den Kauf einer Immobilie. Viele halten sie für eine krisenfeste Wertanlage. In der Pandemie ist den Menschen zudem ein schönes Zuhause wichtiger geworden, so die Analyse von ImmoScout24.

Ralf Weitz: "Zudem ist der Wunsch nach einer Immobilie noch einmal gestiegen in der Krise, weil viele möchten das Homeoffice tatsächlich auch physisch haben. Und natürlich hat das digitale Arbeiten auch etwas verändert. Das Wohnen im Speckgürtel zum Beispiel ist attraktiver geworden, weil der Weg zur Arbeit ja nicht mehr unbedingt notwendig ist, wenn man zu Hause digital arbeiten kann."

Viel Platz, Balkon oder Garten gewünscht

Ganz besonders beliebt sind große Wohnungen mit mehr als 150 Quadratmetern Fläche, weil Homeoffice und Homeschooling Platz brauchen. Um ein Drittel mehr interessierten sich die Deutschen für Wohnungen mit Balkon oder Häuser mit Garten.

Bei den Mietwohnungen ist das Bild nicht so eindeutig. Die Nachfrage in den sieben größten Städten wuchs um vier Prozent, bezogen auf ganz Deutschland ging sie allerdings um sechs Prozent zurück. Auf dem Gewerbeimmobilienmarkt ist die Krise durchaus zu bemerken. Während die Preise für Wohnimmobilien im Jahr 2020 um fast zehn Prozent stiegen, sank der Bedarf an Einzelhandels- und Büroflächen.

Bei steigenden Zinsen könnte sich die Krise bemerkbar machen

Der Wohnimmobilienmarkt dagegen blieb bislang von der Krise unbeeinflusst, weil die Bundesregierung die Folgen mit ihren Hilfsprogrammen abfederte. Sollten im Verlauf der Pandemie oder danach die Zinsen deutlich steigen, könnte sich die Krise auch auf dem Markt für Wohnungen und Häuser bemerkbar machen. Dennoch bleibt Ralf Weitz von Immoscout zuversichtlich.

"Es gibt eine Entkopplung zwischen Risiko und tatsächlichem Kreditzins aktuell, und wir glauben, dass es ein Interesse daran gibt, die Zinsen tatsächlich weiter niedrig zu halten und dass die Zentralbanken alles dafür tun werden, dass das so bleibt. Und wir sehen auch keinen sprunghaften Anstieg der Kreditzinsen."

Falls die Kreditzinsen steigen sollten, so Weitz, dann werde das schrittweise geschehen.

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