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StartseiteForschung aktuellImpfstoff gegen Ebola und Marburg19.03.2008

Impfstoff gegen Ebola und Marburg

US-Armee produziert Vakzine in Insektenzellen

Medizin. - Ebola- und Marburg-Viren zählen zu den gefährlichsten aller Krankheitserreger. Sie verursachen bei den Infizierten schwere innere Blutungen und führen meist innerhalb von Tagen zum Tod. Ein Medikament oder einen Impfstoff gegen Ebola gibt es nicht. Doch die US-Armee forscht verstärkt nach Impfstoffen, um sich vor einem Terrorangriff zu schützen.

Von Michael Lange

Ebola- oder Marburg-Viren treten plötzlich und unvermutet auf - wie in Angola im Jahr 2005. (AP)
Ebola- oder Marburg-Viren treten plötzlich und unvermutet auf - wie in Angola im Jahr 2005. (AP)

Der Umgang mit Ebola- oder Marburg-Viren gehört zu den gefährlichsten aller Laborarbeiten für einen Wissenschaftler. Im Medizinischen Forschungszentrum für Infektionskrankheiten der US-Armee in Frederick, Maryland, herrscht deshalb die höchste Sicherheitsstufe. Kelly Warfield forscht hier im Auftrag der US-Armee seit mehreren Jahren mit Ebola- und Marburg-Viren.

" Neuerdings verwenden wir Einzelteile des Virus, um daraus Impfviren herzustellen. Sie heißen virus-ähnliche Partikel. Diese sind relativ sicher, denn sie enthalten nicht das ganze Virus. "

Um die virus-ähnlichen Partikel schnell, sicher und in großer Zahl zu produzieren, verwendet das Team von Kelly Warfield Baculoviren. Diese Viren infizieren normalerweise ausschließlich Insekten.

" Wir haben Baculoviren so zusammen gesetzt, dass sie die Baupläne für Ebola- oder Marburg-Proteine in sich tragen. Dann haben wir damit Zellen von Insekten infiziert. Diese Insektenzellen wachsen in einer Zellkultur und bilden massenhaft Ebola- oder Marburg-ähnliche Partikel. "

Die virus-ähnlichen Partikel können keine Krankheit auslösen. Aber sie konfrontieren das Immunsystem der Geimpften mit einigen Kennzeichen des Ebola- oder des Marburg-Virus. So lernt das Immunsystem die Viren kennen und kann sich auf eine mögliche Infektion vorbereiten. Inzwischen haben die Forscher kleine Affen, so genannte Makaken, mit dem neuen Impfstoff behandelt. Nach mehreren Impfschritten über vier Monate hinweg waren die Affen vollständig geschützt. Die sonst hochinfektiösen Ebolaviren konnten ihnen nichts mehr anhaben. Doch in der Praxis haben die Ärzte meist weniger Zeit als vier Monate. Ebola- oder Marburg-Viren treten plötzlich und unvermutet auf. Sie töten die Infizierten innerhalb von wenigen Tagen. Deshalb ist es wichtig, eine schnell wirkende Impfung zu entwickeln, so Kelly Warfield.

" Experimente mit Nagetieren, die wir noch nicht mit Affen wiederholen konnten, haben gezeigt, dass die virus-ähnlichen Partikel einen sehr schnellen Schutz liefern. Wenige Tage nach der Impfung war die Mehrheit der Tiere immun gegen Ebola. Wenn sich das bei Affen bestätigt, dann wäre es sinnvoll, den Impfstoff im Falle eines Ausbruches einzusetzen. "

In Afrika treten immer wieder plötzliche Ebola-Ausbrüche auf. Meist sterben einige Dutzend Menschen. Die Viren töten zu schnell, um eine große Epidemie auszulösen. Für die Aktivitäten der US-Armee gibt es einen anderen Grund. Die Militärs befürchten, dass infektiöses Material in die Hände von Terroristen gelangen könnte. Bisher gibt es zwar keine konkreten Anhaltspunkte, aber man will vorbereitet sein.

" Ich weiß nicht, ob diese Impfstoffe in den USA im großen Stil eingesetzt werden. Möglicherweise werden bestimmte Gruppen geimpft werden: Personen, die im Gesundheitswesen beschäftigt sind, oder beim Militär. Über Forschungen mit Biowaffen kann ich keine Angaben machen. Aber es ist möglich, dass Terroristen einen Anschlag mit diesen gefährlichen Viren planen. Deshalb ist es wichtig für die staatlichen US-Behörden, einen Impfstoff-Vorrat zu lagern, für den Fall eines Angriffs. "

Natürlich sind auch andere Szenarien denkbar. Geimpfte Soldaten, die Ebola als Biowaffen nutzen. Aber darüber spricht bei der US-Armee niemand. Offiziell gibt es nirgendwo ein Biowaffen-Programm, das Kampfstoffe aus Ebola- oder Marburg-Viren entwickelt.

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