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StartseiteUmwelt und VerbraucherVerbraucherzentrale: "Für die Verbraucher ändert sich nichts"06.08.2019

Import von US-Rindfleisch in die EUVerbraucherzentrale: "Für die Verbraucher ändert sich nichts"

Die EU erlaubt mehr Importfleisch aus den USA. Kunden müssten deshalb keine Sorge vor Hormonfleisch haben, sagte Verbraucherschützerin Anne Markwardt im Dlf. Das Fleisch unterliege strengen Anforderungen. Es fehle aber eine verpflichtende Kennzeichnung der Haltungs- und Tierwohlbedingungen.

Anne Markwardt im Gespräch mit Stefan Römermann

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Lendensteak, Rindersteak, Tomaten und Kartoffelspalten auf einem Grill (picture alliance / imageBROKER / Paul Williams)
Die EU hat sich mit den USA darauf geeinigt, künftig mehr Rindfleisch aus den USA zu importieren - aber nur unter bestimmten Qualitätsauflagen (picture alliance / imageBROKER / Paul Williams)
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Stefan Römermann: Das klang doch erst mal nach guten Nachrichten: Der Handelsstreit mit den USA entspannt sich langsam. Am Freitag hatten sich Vertreter der EU mit den USA darauf geeinigt, dass künftig deutlich mehr amerikanisches Rindfleisch zollfrei nach Europa importiert werden kann. Tierschützer sind von der Einigung allerdings wenig begeistert, schließlich werden bei der Rinderzucht in den USA häufig auch Wachstumshormone eingesetzt.

Vor der Sendung habe ich deshalb Anne Markwardt vom Verbraucherzentrale Bundesverband gefragt, ob zukünftig auch US-Hormonfleisch nach Europa importiert werden darf.

Anne Markwardt: Nein, die EU hat vor einigen Jahren schon, vor vielen Jahren einen Importstopp für hormonbehandeltes Fleisch verhängt, und das gilt auch nach wie vor. Worauf sie sich, die EU, sicher jetzt mit den USA geeinigt hat, ist, dass mehr Fleisch einer bestimmten Qualität – die EU hat da bestimmte Anforderungen festgelegt – in die EU importiert werden darf. Dieses Fleisch gibt es auch jetzt schon auf dem deutschen Markt, es kommt nur auch aus anderen Ländern wie Australien, Uruguay, Argentinien und zukünftig mehr aus den USA.

Römermann: Es gab ja eine Entscheidung der Welthandelsorganisation WTO, dass das EU-Importverbot für dieses Hormonfleisch eigentlich rechtswidrig ist. Müssen wir uns jetzt Sorgen machen, dass die USA vielleicht doch noch das Hormonfleisch auf den europäischen Markt versucht zu drücken?

Markwardt: Also in der Tat gab es diese Entscheidung vor der Welthandelsorganisation. Die EU hat den Importstopp für hormonbehandeltes Fleisch aber trotzdem nicht aufgehoben, auch bis heute nicht. Das heißt, es ist das eine, dass die USA vielleicht sagen, wir würden das gerne importieren, die EU sagt aber nach wie vor richtigerweise, wir lassen das nicht rein, und das ist auch in Zukunft so, und um das Ganze aber zu schlichten und um sich zu einigen, hat man sich dann darauf verständigt, dass die EU ein bestimmtes Kontingent Rindfleisch zollfrei in die EU hineinlässt. Das muss aber hormonfrei sein. Dieses Fleisch kommt jetzt zu größeren Mengen aus den USA, es ist aber nach wie vor so, dass das nicht hormonbehandelt ist. Für die Verbraucher ändert sich in der Hinsicht also nichts.

Fleisch unterliegt bestimmten Qualitätsvorgaben

Römermann: Ist das Fleisch, was jetzt überwiegend aus den USA kommt, besser oder schlechter als das, was aus anderen Ländern kommt?

Markwardt: Für dieses zollfreie Kontingent hat die EU in einer Verordnung festgelegt, dass es bestimmte Anforderungen erfüllen muss. Diese Anforderungen beziehen sich aber ausschließlich auf das Futter, das die Tiere kurz vor der Schlachtung, also etwa 100 Tage vor der Schlachtung bekommen müssen. Das ist sogenanntes Kraftfutter, und das führt dazu, dass die Tiere schnell gemästet werden und das Fleisch dann besonders zart wird.

Es darf dann auch als Qualitätsfleisch vermarktet werden, und die Kolleginnen von den Verbraucherzentralen haben eine Stichprobe gemacht und haben auch viele Produkte gefunden, Rindfleisch aus Übersee, dass dann auch da mit Würde … die Tiere stehen auf der Weide, laufen also da durch die großen Prärien. Da entsteht natürlich bei den Verbraucherinnen auch der Eindruck, das Fleisch ist nicht nur zart und schmeckt gut, sondern das ist auch unter besonders guten Tierhaltungsstandards hergestellt.

Nahaufnahme von Kühen. (imago)100 Tage vor der Schlachtung werden Rinder oft eng zusammengepfercht und intensiv gemästet (imago)

"Da stehen dann teilweise 10-, 15.000, manchmal 100.000 Rinder im Matsch und fressen"

Römermann: Das glauben Sie aber nicht.

Markwardt: Das ist nicht der Fall, weil diese Intensivmast am Ende, nennt man das, die wird oft erreicht, indem man die Tiere dann zusammenpfercht in großen sogenannten feed lots – also das kann man vielleicht mit Futterplätzen, Fressplätzen übersetzen –, da stehen dann teilweise 10-, 15.000, manchmal 100.000 Rinder im Matsch und fressen in großen Mengen dieses Kraftfutter. Das vertragen sie nicht besonders gut, das führt oft zu Verdauungsproblemen, zu Entzündungen. Das hat auch mit grüner Wiese und Weide und Prärie überhaupt nichts zu tun. Also das entspricht überhaupt nicht den Vorstellungen, die die Verbraucher von so einer Art von großer Weidehaltung vielleicht haben.

Römermann: Macht also leckeres Fleisch, ist aber nicht besonders tierfreundlich, wie es klingt.

Markwardt: Richtig, und idealerweise würde die EU natürlich sagen, wenn wir so ein Fleischkontingent zollfrei zu uns lassen und wir stellen schon Anforderungen daran, dann passen wir die auch den Verbrauchererwartungen an, und viele Verbraucher haben heute die Erwartung an hohe Tierhaltungsstandards und sagen dann, die Rinder müssen ihr Leben lang auf der Weide gehalten werden.

Biofleisch aus den USA "unter den aktuellen Umständen nicht sehr realistisch"

Römermann: Aber ist das realistisch, dass die USA sich auf so ein, ich sage mal, fast schon Biofleischkontingent einlassen würden?

Markwardt: Das ist unter den aktuellen Umständen natürlich nicht sehr realistisch, in der Tat. Es ist ja auch im Prinzip positiv, dass sich die EU und die USA hier um eine Deeskalation in dem Handelsstreit bemühen, weil natürlich solche Handelsstreitigkeiten und die ständige Erhöhung von Zöllen hier und Zöllen da auch zu teureren Produkten für die Verbraucherinnen und Verbraucher führen. Ob das jetzt mit den USA langfristig Erfolg zeigt, muss man sehen, aber ich glaube, wir sehen hier zweierlei, nämlich einerseits, dass Verbraucherinteressen und Verbraucherrechte in Handelsabkommen oft eine sehr untergeordnete Rolle spielen – es geht auch nicht darum, die Haltungsbedingungen oder die Herstellungsbedingungen für Produkte zu verbessern insgesamt, gerade für Lebensmittel –, und das Zweite, das wir sehen, ist, was uns fehlt, auch hier in Europa, ist eine Kennzeichnung, eine verpflichtende Kennzeichnung der Haltungs- und Tierwohlbedingungen auf Fleisch und tierischen Produkten, denn die haben wir nach wie vor nicht. Wenn wir die hätten, würde die natürlich auch für importierte Waren gelten, und dann könnten Verbraucher*innen auf den ersten Blick erkennen, okay, also das stammt jetzt tatsächlich aus einer Weide, aus einer Freilandhaltung oder eben auch nicht.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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