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In der Türkei inhaftierter JournalistStaatsanwalt entscheidet über Deniz Yücels Zukunft

In Berlin gab es einen Autokorso, mit dem gegen die Festnahme des Journalisten Deniz Yücel in der Türkei protestiert wurde. (imago / Christian Mang)
In Berlin gab es einen Autokorso, mit dem gegen die Festnahme des Journalisten Deniz Yücel in der Türkei protestiert wurde. (imago / Christian Mang)

Nach 13 Tagen Polizeigewahrsam in Istanbul ist der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel dem Staatsanwalt vorgeführt worden. Der soll nach der Vernehmung entscheiden, ob der Journalist aus dem Gewahrsam entlassen wird oder ob er in Untersuchungshaft kommt.

Yücel befindet sich seit dem 14. Februar im Istanbuler Polizeipräsidium in Gewahrsam. Unter dem derzeit geltenden Ausnahmezustand in der Türkei können Verdächtige bis zu 14 Tage in Gewahrsam gehalten werden. Deswegen muss der 43-Jährige spätestens an diesem Dienstag einem Haftrichter vorgeführt oder freigelassen werden.

Gestern wurde über Yücels Twitter-Account ein Bericht über die Haftzustände verbreitet:

Nach Angaben der Polizei wird gegen Yücel wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauchs ermittelt. Hintergrund der Vorwürfe ist offenbar Yücels Berichterstattung über E-Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak, einem Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Die Mails, in denen es unter anderem um manipulierte Twitter-Accounts und die staatliche Kontrolle über die Medien ging, waren von dem linksgerichteten türkischen Hackerkollektiv "Redhack" veröffentlicht worden.

Mutlu: "Das war längst überfällig"

Der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu sagte zu Yücels Vorführung beim Staatsanwalt: "Das war längst überfällig". Mutlu forderte die sofortige Freilassung Yücels und aller anderen Journalisten in der Türkei, die im Gefängnis sitzen. Der Abgeordnete war in der vergangenen Woche in Istanbul gewesen, um Yücel zu besuchen. Die Behörden hatten ihm aber keine Genehmigung dafür erteilt.

Autokorsos in elf Städten

Bereits vorgestern hatte Bundesaußenminister Gabriel hatte die Inhaftierung Yücels kritisiert. Der SPD-Politiker sagte der "Welt am Sonntag", es sei weder nötig noch fair, ihm bis zu einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung so lange die Freiheit zu nehmen. Schließlich habe er sich aus freien Stücken gestellt, um eine Aussage machen zu können.

Auch das Auswärtige Amt hatte sich in den Fall eingeschaltet. Vier Tage nach Yücels Inhaftierung sagte ein Sprecher, aus deutscher Sicht gebe es keinen Grund, weshalb noch immer keine Vernehmung stattgefunden habe. Zudem habe man nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, dass Yücel seine Tätigkeit als Journalist in irgendeiner Weise missbraucht habe. Vielmehr sei er engagiert seiner Arbeit nachgegangen. 

In elf Städten sind für morgen Autorkorsos geplant, bei dem die Teilnehmer die Freilassung Yücels fordern wollen. 

(cvo/jasi)

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