Jahresbericht
In Europa werden mehr Drogen konsumiert - Mafia wirbt verstärkt Jugendliche als Täter an

Der europäische Drogenmarkt wächst weiter. Das geht aus dem jüngsten Bericht der Europäischen Drogenagentur hervor. Die Experten warnen vor neuen, künstlichen Drogen. Zudem würden immer mehr junge Menschen von Kriminellen für den Drogenhandel rekrutiert.

    Ein Joint liegt zusammen mit Marihuana auf einer Glasplatte.
    Die am häufigsten konsumierte Droge in Europa ist weiterhin Cannabis. (picture alliance / NurPhoto / Samuel Boivin)
    Dem in Lissabon veröffentlichten Bericht liegen Daten aus den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie aus Norwegen und der Türkei zugrunde. Die Exekutivdirektorin der Drogenagentur (EUDA), Nolan, erklärte, die Drogenmärkte entwickelten sich "in rasantem Tempo". Die Vielfalt der auf Europas Straßen anzutreffenden Substanzen werde zunehmend unberechenbar. Das habe zur Folge, dass Konsumenten "sehr starke Drogen einnehmen können – oft ohne sich dessen bewusst zu sein". Dem Bericht zufolge kombinieren Betroffene zudem häufig verschiedene Drogen, was die Risiken erhöhe.

    Synthetische Drogen auf dem Vormarsch

    Die Drogenagentur schätzt, dass im vergangenen Jahr mindestens 7.600 Menschen an einer Überdosis starben. Etwa wöchentlich würden neue psychoaktive Substanzen entdeckt. Die EUDA verweist in diesem Zusammenhang auf die "Verfälschung von Cannabisprodukten mit hochwirksamen synthetischen Cannabinoiden", die das Risiko schädlicher Wirkungen erhöhen. Diese würden auch in E-Zigaretten und Lebensmitteln verkauft.  

    Große Nachfrage bei Cannabis und Kokain

    Laut dem Bericht war Cannabis 2025 erneut die am häufigsten konsumierte Droge in Europa. Schätzungen zufolge hätten im vergangenen Jahr 24,9 Millionen Europäer zwischen 15 und 64 Jahren die Droge konsumiert. Allerdings ist der Besitz der Droge nicht in allen Ländern verboten. Ein Drittel der Menschen, die sich 2024 in Europa in eine Drogenbehandlung begeben haben, tat dies den Daten zufolge nach dem Konsum von Cannabisprodukten.
    Auch der Kokainkonsum bleibt auf einem hohen Niveau: Etwa 4,3 Millionen Menschen konsumierten diese Droge im vergangenen Jahr. In 48 von 85 Städten (57 Prozent) wurde in Abwasserproben ein Anstieg der Kokainrückstände festgestellt. "Kokain ist heute so leicht verfügbar wie nie zuvor", sagte EU-Innenkommissar Brunner.

    EU-Bericht: Drogenmafia setzt verstärkt Jugendliche ein

    Europas Drogenbanden setzen dem Bericht zufolge zunehmend Jugendliche für den Handel mit Rauschgift, aber auch für Gewalttaten ein. Junge Menschen vor allem aus sozial benachteiligten Vierteln würden von der Mafia für Einschüchterungen, Körperverletzungen und sogar als Auftragskiller rekrutiert. Die Anwerbung erfolge teils über Soziale Medien.
    Der Bericht weist zugleich nach, dass nach vermehrten Polizeieinsätzen an großen europäischen Häfen Händler bereits neue Wege für den Schmuggel ausfindig gemacht hätten. Sie nutzten verstärkt kleinere Häfen, Umladungen auf See, Schnellboote, Halbtauchboote und Drohnen.
    Diese Nachricht wurde am 09.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.