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StartseiteEine WeltNeu-Delhis aussichtsloser Kampf gegen das Dengue-Fieber16.09.2017

Indien und der MonsunNeu-Delhis aussichtsloser Kampf gegen das Dengue-Fieber

Weil die Stadt überfüllt und verschmutzt ist, bricht in Neu-Delhi inzwischen jedes Jahr im Monsun eine Dengue-Epidemie aus. Die bisherigen offiziellen Zahlen deuten auf einen neuen Höchststand hin, der bisherige lag bei 15.000 offiziellen Fällen. Die Dunkelziffer könnte aber noch weitaus höher liegen.

Von Jürgen Webermann

Larven der Asiatischen Tigermücke können Gelbfieber (Dengue) übertragen (picture alliance / dpa / Ahmad Yusni)
Die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in Neu-Delhi sind mit der Vielzahl an Dengue-Verdachtsfällen überfordert (picture alliance / dpa / Ahmad Yusni)
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Eine Rauchwolke aus Dieselabgasen und Insektiziden hüllt die enge Gasse des Slums ein. Das weiße Gemisch wird aus dem Auspuff eines Motors geblasen, den ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung an einem Fahrrad angebracht hat. Kinder und Frauen halten sich Tücher vor ihre Gesichter, als der Mann das Rad in Stellung bringt. Er pustet den Rauch direkt in ihre Hütten.

Eine Frau fordert Dinesh Sharma auf, von ihrer Hütte aus auch das Innere des Nachbarhauses besprühen zu lassen. Die Nachbarn sind nicht da. Aber dafür Moskitos. Der Rauch soll sie abtöten. Die Frau hat Angst, dass die Moskitos Dengue oder Malaria übertragen könnten. Und dass Dinesh, ein Inspektor der Stadtverwaltung, vorbeischaut und Insektizide versprühen lässt, das kommt wahrlich nicht oft vor.

"Wir schaffen unsere Kontrollgänge hier vielleicht alle 30, 40 Tage. Die Moskitos aber vermehren sich aber in sechs bis sieben Tagen, wenn sie ihre Eier in stehendem Wasser ablegen können. Wir aber können unsere Leute nicht jede Woche hierherschicken. Wir sind unterbesetzt. Es wohnen zu viele Menschen in unserer Stadt."

Dinesh Sharma ist bei den Behörden zuständig für das Stadtviertel Vasant Vihar im Süden Neu-Delhis. 18.000 Häuser fallen in seinen Bereich, darunter auch Villen reicher Inder, vor allem aber dicht besiedelte Slums. Sharma verfügt nur über rund 30 Mitarbeiter.

Das Medanta-Krankenhaus in Gurgaon vor den Toren Neu Delhis. Der Wartesaal im sechsten Stockwerk ist rappelvoll, bestimmt hundert Menschen sitzen hier. Zwei Ärzte empfangen die Patienten. Eine davon ist Sushila Kataria.

"In den vergangenen zwei Wochen kamen mehr Patienten. Darunter sind vor allem mehr Dengue-Verdachtsfälle. Wir rechnen damit, dass jetzt die Zahlen exponentiell zunehmen werden."

Keine genauen Zahlen über Krankheitsfälle

Die Ärztin hatte bereits vor einem Jahr Sonderschichten einlegen müssen. 2016 gab es in Neu-Delhi 15.000 registrierte Fälle von Dengue oder Chikungunya, einer ähnlich schmerzhaften und langwierigen Fieberkrankheit, die durch Moskitos übertragen wird. Mehrere Studien legen jedoch nahe, dass die Dunkelziffer die Zahl der offiziell gemeldeten Fälle ums dreihundertfache übersteigen dürfte.

"Es gibt keine vernünftige Meldekette. Da muss zu viel Papierkram erledigt werden, es sind zu viele verschiedene Behörden involviert. Deshalb wissen wir nicht, wie viele Menschen wirklich betroffen sind."

In diesem Jahr wurden zudem bereits hunderte Malaria-Fälle registriert. Die Stadt versinkt stellenweise im Müll. Und schon ein kleiner, weggeworfener Plastikbecher kann eine ideale Brutstätte für Moskitos sein.

Im Slum in Vasant Vihar ist Inspektor Dinesh Sharma mit der Autorikscha unterwegs. Per Lautsprecher will er die Menschen hier an die Gefahren durch die Fieberkrankheiten erinnern.

"Aber es gibt überhaupt kein Bewusstsein bei den Leuten. Wir hängen auch Poster auf und Aufkleber, unsere Leute kommen einmal im Monat vorbei und trotzdem finden wir Moskito-Larven in den Häusern. Wir können den Leuten auch zehnmal sagen, dass sie keine kaputten Behälter nach draußen stellen sollen, weil die sich im Monsunregen mit Wasser füllen. Aber sie tun es trotzdem."

Sauberer, aber niccht sicherer vor Erkrankungen

Tatsächlich ermahnt Sharma eine ältere Frau, die sofort sauer wird. An buchstäblich jeder Ecke vor ihrem Haus liegen kaputte Plastikbehälter, und gegenüber türmt sich der Müll der Nachbarn. Nebenan, in den viel weitläufigeren Reichenvierteln ist es zwar sauberer, aber die Lage sei trotzdem nicht besser, meint Sharma.

"Hier in den Slums kooperieren die Leute wenigstens, wenn wir sprühen. Aber in den reichen Gegenden werden wir oft gar nicht erst auf Grundstücke gelassen. Und die Fallzahlen liegen da manchmal sogar noch höher."

Ein aussichtsloser Kampf

Sharma wundert es nicht, dass insgesamt die Zahl der gemeldeten Dengue-Fälle in Delhi derzeit um 54 Prozent höher liegt als vor einem Jahr. Sharma hat noch schwere Wochen vor sich. Der Monsun ist noch lange nicht vorbei.

Sharma sagt, derzeit könnten er und seine Mitarbeiter den Kampf gegen die Epidemie einfach nicht gewinnen.

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