Mittwoch, 28. Februar 2024

Per Akklamation zur nächsten Amtszeit
Infantinos Machtspiele

FIFA-Chef Gianni Infantino zeigt sich selbstsicher und selbstherrlich auf dem FIFA-Kongress in Kigali. Er verspricht den Mitgliedsverbänden noch mehr Geld und sichert sich damit sein Amt. Die nächste Geldquelle soll die Vermarktung der WM der Frauen sein.

Von Jessica Sturmberg | 16.03.2023
    FIFA-Präsident Gianni Infantino bei seiner Wiederwahl auf dem FIFA-Kongress 2019 in Paris.
    FIFA-Präsident Gianni Infantino bei seiner Wiederwahl auf dem FIFA-Kongress 2019 in Paris. (imago images / ZUMA Press / Vanessa Carvalho via www.imago-images.de)
    Der 73. FIFA-Kongress in Ruanda lief ganz nach einem Drehbuch, wie es Infantino gefallen haben dürfte. Keine aus seiner Sicht störenden Zwischenreden, keine kritischen Rückfragen. Die Wahl selbst war per Akklamation. Es wurde 33 Sekunden lang geklatscht und die Delegierten erhoben sich, nachdem Vizepräsident Scheich Salman Bin Ebrahim Al Khalifa aus Bahrain, Präsident des asiatischen Fußballverbands AFC, zur Wahl per Akklamation aufgerufen hatte.
    Infantino: "Ich liebe euch alle"
    Infantino dankte seiner Familie, seinem Team und den Legenden und schob hinterher, dass er es geliebt hätte, auch eine Legende zu sein und lachte. Außerdem dankte er allen, die ihn liebten und sagte dazu "Ich weiß, das sind viele." Weiter sagte er, der Dank ginge auch an die "wenigen, die mich hassen. Ich liebe euch alle. Heute ganz besonders." Danach rief ihm Generalsekretärin Fatma Samoura zu: "Wir lieben Dich, Präsident.“

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    DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte nach dem Kongress, dass er zwar aufgestanden sei, aber nicht geklatscht habe.
    Keine Gegenrede der kritischen Verbände
    Es gab keine Gegenrede der kritischen Verbände aus Norwegen, Schweden und Deutschland, die vorab angekündigt hatten, Infantino nicht zu unterstützen. Der norwegische Verband hatte zuvor einen Antrag eingebracht, in dem die FIFA aufgefordert wird, eine ausführliche Stellungnahme zur Verantwortlichkeit in Menschenrechtsfragen vorzunehmen. Dieser Antrag sei mit dem DFB abgestimmt gewesen, erklärte Neuendorf. Dazu wurde dann ein voraufgezeichnetes Video eingespielt, mit dem Präsidenten des Fußballverbands von Gibraltar, Michael Llamas, Vorsitzender des FIFA-Unterausschusses für Menschenrechte und soziale Verantwortung.
    In dem Video sagt Llamas zu, dass der Ausschuss eine Bewertung des menschenrechtlichen Erbes des Turniers vornehmen werde, die auch für die Planung künftiger FIFA-Turniere von Nutzen sein würden. Die Bewertung werde auf transparente Weise unter Einbeziehung interessierter Parteien durchgeführt. Darauf gab es keine weiteren Fragen oder Anmerkungen.
    WM der Frauen als neue Geldquelle
    Die ganz große Mehrheit der 211 nationalen Mitgliedsverbände, von denen 207 stimmberechtigt waren, sind zufrieden, weil Infantino das Geld reinholt und an sie verteilt. Mit einem Grinsen im Gesicht sagte Infantino, dass er geliefert habe. "Das Geld der FIFA ist auch euer Geld", rief Infantino den Nationalverbänden zu. 
    Die Einnahmen sind seit Beginn seiner Präsidentschaft gestiegen, davon profitieren auch die Nationalverbände. Unter Sepp Blatter hat die FIFA rund eine Milliarde an die Verbände ausgeschüttet, bis zur kommenden WM soll der Betrag auf 2,3 Milliarden Euro anwachsen.
    Helfen soll dabei unter anderem eine neue Klub-WM mit 32 Teams. Und Infantino arbeitet schon an der nächsten Geldquelle: Die TV-Stationen sollten für die WM der Frauen genau so viel zahlen wie für die WM der Männer. Das hätten die Frauen verdient, sagte er in einem sehr bestimmenden und kritischen Tonfall. Die FIFA unterstütze Equal Pay und Gleichberechtigung.