Dienstag, 07. Dezember 2021

Inklusion und Medien"Ich möchte nicht bitten oder betteln"

Wie werden Menschen mit Behinderung in den Medien dargestellt? "In den Medien werden immer noch Stereotypen verbreitet", sagte die Kölner Journalistik-Professorin Petra Werner auf dem DLF-Symposium zur Inklusion. Auch in anderen Bereichen haben die Medien in Punkto Inklusion noch Nachholbedarf.

Von Fabian Wahl | 03.12.2015

Redakteur Michael Thiedeke
Was müssen Medien ändern, um Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe zu ermöglichen? (DLF/Sturmberg)
Für Michael Thiedeke war Deutschlands bekannteste Fernseh-Krimireihe "Tatort" jahrelang eine Qual. "Dort liefen teilweise fünf Minuten lang nur Musik und Geräusche am Stück", sagte der DLF-Mitarbeiter auf dem DLF-Symposium "Wunsch oder Wirklichkeit? Inklusion in Politik, Medien und Gesellschaft" in Köln. Als Blinder habe er nur erahnen können, was passierte. Heute könne er den Krimi richtig verfolgen, dank Audiodeskription.
In wie weit ermöglichen Medien Menschen mit Behinderung die Teilhabe? Das war das Thema des zweiten Panels des Symposiums. Die Bloggerin Julia Probst setzt sich seit Jahren für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein. Sie sagte: "Im Ersten Fernsehprogramm wird inzwischen mehr als 90 Prozent untertitelt." Sogar der Livestream werde neuerdings live untertitelt."Ich habe endlich mal Gleichberechtigung erlebt. Ich habe gekämpft und es hat geklappt", sagte Probst, die gehörlos ist.
Die Bloggerin Julia Probst
Die Bloggerin Julia Probst (DLF/Sturmberg)
Dolmetscher nicht bezahlt
Probst machte aber auch deutlich, dass es im Alltag und im Job noch viele Benachteiligungen gibt. "Ich möchte nicht bitten oder betteln", erklärte sie. Wenn sie eine interessante Veranstaltung entdecke, wolle sie daran ohne Weiteres teilnehmen. Das gehe aber nur, wenn ihr ein Dolmetscher gestellt werde. Die Kosten würden vom Staat aber nicht übernommen.
Der Schauspieler Sebastian Urbanski warb dafür, dass Menschen mit Behinderung häufiger im Medienbereich eine Anstellung finden. "Ich wünsche mir, dass wir alle zusammen arbeiten können", sagte er. Menschen mit Behinderung dürften nicht ausgegrenzt werden, weder in der Politik noch in den Medien oder in der Gesellschaft. Zugleich forderte auch er, dass Medien ihre Produkte häufiger barrierefrei zur Verfügung stellen. "Behinderte sollen ein Recht haben, alles zu erfahren, was sie wollen."
Der Künstler Sebastian Urbanski.
Der Schauspieler Sebastian Urbanski. (DLF/Sturmberg)
Kein Opfer
Probst kritisierte, dass Medien oftmals ein falsches Bild von Menschen mit Behinderung zeichneten. "Ich habe kein Leid dabei. Ich bin ein völlig normaler Mensch. Warum muss man immer in übertriebenen Formen in Klischees denken?" In den Medien würden entweder Superhelden oder leidende Opfer gezeigt. "Etwas dazwischen gibt es nicht."
Dies bestätigte die Kölner Journalistik-Professorin Petra Werner. "In den Medien werden immer noch Stereotypen verbreitet", sagte sie. Darüber hinaus sollten Nachrichten in einfacher oder in leichter Sprache mittlerweile zum Alltag gehören.