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StartseiteCampus & KarriereTrends von der Weltkonferenz für immersives Lernen 10.09.2015

Innovative Wissensvermittlung Trends von der Weltkonferenz für immersives Lernen

Vor zehn Jahren gründeten verschiedene Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Konzerne in den USA die Immersive Education Initiative. Das Ziel: Wissen in Schule und Studium mithilfe moderner Technik durch "Erleben" zu vermitteln - hauptsächlich auf virtuelle Weise. In Paris findet derzeit die Jahreskonferenz der Initiative statt.

Von Suzanne Krause

Ein Mann trägt die Datenbrille Oculus Rift (picture alliance / dpa / Sergey Galyonkin)
Angehende Archäologen können heute auch virtuell Ägyptens Pyramiden erkunden. (picture alliance / dpa / Sergey Galyonkin)

Während des Studiums werden künftige Mediziner kaum darauf vorbereitet, wie sie später Patienten einfühlsam dramatische Nachrichten übermitteln, heißt es in einem kurzen Video des University College of London, einer der weltweit besten Universitäten. Dort arbeitet man nun mit IMTS – dem Immersive Medical Training System. Dabei sitzt ein angehender Mediziner vor einer Leinwand, vor einem virtuellen Patienten. In diesem Fall ist es eine junge Frau, der der Studierende behutsam die Diagnose beibringen soll – Krebs. Der Computer-Bildschirm an seiner Seite liefert ihm einige Satzvorgaben, um die schlechte Botschaft zu formulieren. Die virtuelle Patientin reagiert unmittelbar auf das Gesagte, das Computerprogramm bewertet das Vorgehen des Jung-Mediziners. Dies ist das jüngste Beispiel für den Einsatz virtueller Realität beim Wissenstransfer, das sich auf der Webseite der Immersive Education Initiative findet.

Bei der Jahrestagung in der Pariser Sorbonne zeigt Aaron Walsh eine amerikanische TV-Reportage zu einem Projekt, das Anfang des Jahres gestartet wurde: Studierende im US-Bundesstaat Colorado bauen virtuell eine historisch bedeutsame Postkutschen-Station aus der Goldgräber-Zeit nach. In zwei Versionen: mit dem Computerspiel Minecraft. Und als 3D-virtual-reality-Modell, komplett zum Eintauchen. Walsh ist einer der renommiertesten Experten der Immersive Education und Gründer der entsprechenden Initiative.

"Studierende, die in virtuellen Welten Wissen erwerben, sagen danach nicht: ich habe in einer virtuellen Welt die ägyptischen Pyramiden besucht. Sie werden sagen: ich war in den Pyramiden. Ich habe Tutanchamun ausgegraben und die Mumie untersucht. Sie machen keinen Unterschied zwischen dem realen und dem virtuellen Erleben. Und genau darum geht es bei der Immersive Education."

In ersten Hörsälen ist heute die virtual-reality Technologie Hololens im Einsatz: für das Studium der menschlichen Anatomie in 3D ganz ohne Leichenschau. Dabei sieht man die Computer-simulierten Bilder durch eine Datenbrille. Terry Beaubois lehrt Architektur-Design an der kalifornischen Stanford-Universität und nutzt dabei seit langem die virtuelle Welt von Second Life. Er beobachtet, dass dieser Bereich sich rasant entwickelt.

Mit immersiven Methoden Berufskenntnisse vermitteln

"Die Macher von Second Life arbeiten derzeit an einer neuen Version. Einer der Second-Life-Gründer tüftelt an einer Software namens High Fidelity. Da passiert sehr viel und die Anwendungen im Bereich Immersive Education werden immer reichhaltiger."

Einen großen Sprung nach vorne bedeutet auch eine neue Generation Virtual-Reality-Headsets, die kurz vor der Markteinführung stehen. Verfügbar ist schon die Cardboard von Google – über Handy-Applikation kann jeder damit in virtuelle Welten eintauchen. Applikationen, wie sie mittlerweile zu Tausenden von EON Reality vertrieben werden. Das amerikanische Unternehmen, weltweit Marktführer, bietet ein umfangreiches Programm immersiver Bildungs-Werkzeuge. Yann Froger, Direktor der französischen Niederlassung, erzählt, dass er kürzlich vom Bildungsminister der Elfenbeinküste um Hilfe gebeten wurde.

"Er sagte: der Bürgerkrieg in meiner Heimat hat viel zerstört, auch Schulen. Jetzt fehlt uns zum einen Handwerker-Nachwuchs, zum anderen stehen viele Jugendliche ohne Ausbildung da. Nun soll unser Unternehmen ihnen mit immersiven Methoden Berufskenntnisse vermitteln. Dieses Beispiel zeigt doch: Die Kosten im Bereich Immersive Education sinken immer mehr und machen den Einsatz für jedermann erschwinglich."

Zur Serie "Campus im Netz"

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