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Insolvenz von Gerry Weber
Modefirmen in der Krise

Fastfashion und Onlinehandel – beides setzt die klassischen Modemarken unter Druck. Vor allem Traditionsmarken schwächeln - der westfälische Modehersteller Gerry Weber hat nun sogar einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung gestellt.

Von Brigitte Scholtes | 25.01.2019
    Vor einer Filiale des Modeherstellers Gerry Weber in Düsseldorf steht ein Schild mit der Aufschrift "Final Sale". Der seit langem kriselnde Modehersteller hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.
    Das richtige Handy ist jungen Konsumenten heute teils wichtiger als Markenklamotten (dpa/Christophe Gateau)
    Der Insolvenzantrag des Modeherstellers Gerry Weber kam nicht überraschend. Es kriselte schon länger, denn das Unternehmen kämpfte schon seit längerem mit roten Zahlen und Umsatzrückgängen. Ein Grund sei sicher, dass die Marke Gerry Weber an Strahlkraft verloren habe, meint Volker Bosse, Einzelhandelsanalyst der Baader Bank. Die Muttergesellschaft wollte vor vier Jahren ihr Sortiment auch auf jüngere Kunden ausrichten und hatte deshalb Hallhuber gekauft. Zu den weiteren Kernmarken zählen neben Gerry Weber auch Samoon und Taifun.
    "Sie haben auch ein Stück weit diese Expansion übertrieben, dass man versucht hat, über eigene Stores das Vertriebsnetzwerk zu verdichten. Damit war man ein Stück weit überdistribuiert, was der Marke dann auch nicht gut getan hat. Und man muss auch sagen, dass sie so den Trend Richtung Internet, online, Warenverkauf über online ein Stück weit verpasst haben."
    Mit diesen Schwierigkeiten steht Gerry Weber nicht allein. Denn alle kämpfen mit der Konkurrenz im Onlinehandel und sind deshalb auch vermehrt selbst ins Online-Geschäft eingestiegen. Dass es Gerry Weber gerade jetzt trifft, ist auch der aktuellen Lage der Branche geschuldet. Die sei schwierig, erklärt Thomas Lange, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands German Fashion. Nach einem Zuwachs um 2,5 Prozent 2017 dürfte der Umsatz im vergangenen Jahr gesunken sein, denn da gab es zum einen einen heißen Sommer und dann auch noch einen warmen Herbst:
    "Der Handel hat nicht gut abverkauft, das heißt auch, dass die Industrie nicht liefern konnte. Und ein weiteres Problem, warum die Industrie nicht vermehrt an den Hand liefern kann ist natürlich auch die Konkurrenz im Onlinebereich. Das ist ein großer Wettbewerber für den Handel, die auch Auswirkungen auf die deutsche Industrie haben."
    Das richtige Handy ist wichtiger als Markenklamotten
    Allerdings könne man die schwierige Lage der Branche nicht nur auf das vergangene Jahr zurückführen, glaubt Analyst Bosse von der Baader Bank. Die Branche habe den Online-Handel unterschätzt, Konkurrenz wie Zalando etwa, die inzwischen fünf Milliarden Euro Umsatz generierten:
    "Die Player gab’s vor zehn Jahren noch nicht, und Mode ist bestenfalls ein Nullsummenspiel, sprich was der eine gewinnt, muss der andere verlieren. In Summe ist es sogar -zwei Prozent in den letzten drei Jahren gelaufen, und da wird es dann schwer für die etablierten Player, die technologisch, aber auch in der "brand perception", wie man neudeutsch sagt, vorne mit dran sind."
    Und schließlich sei Mode nicht mehr im Fokus vor allem vieler junger Konsumenten:
    "Mode insgesamt hat an Begehrlichkeit verloren. Da gibt es heute Warengruppen, Consumer Electronics, die da so ein bisschen den Rang ablaufen vor allem für die jungen Leute, früher hat man sich stark vielleicht über Mode definiert, über die richtige Marke, die man getragen hat. Heute ist vielleicht dann auch wichtiger, das richtige Handy in der Hand zu haben, den richtigen schnurlosen Lautsprecher dabei zu haben und da hat sie schon ein bisschen so die Präferenz im Konsumenteneinkaufsverhalten verschoben."
    Schwierige Zeiten also für die deutsche Modeindustrie. Sie versucht zumindest einen Teil durch mehr Export auszugleichen. Doch auch im Ausland sind die Trends ähnlich wie in Deutschland.